POLITIK
13/06/2018 12:21 CEST | Aktualisiert 13/06/2018 17:49 CEST

Nordkoreas Medien feiern Trumpgipfel – und zeigen dessen größtes Problem

“Epochales Treffen”.

Screenshot
Die Titelseite der nordkoreanischen Zeitung "Rodong Sinmun" ("Arbeiterzeitung") am Mittwoch. 
  • Kim Jong-un und Donald Trump haben am Dienstag die Bilder des Jahres geliefert.
  • Nun setzt das nordkoreanische Regime die USA genau damit unter Druck. 

Für US-Präsident Donald Trump ist das Ergebnis seines Treffens mit Nordkoreas Machthaber Kim Jong-un eindeutig: “Die Welt hat einen großen Schritt zurück von einer nuklearen Katastrophe gemacht”, schrieb er am Mittwoch auf Twitter.

► Klar ist: Nach dem Gipfel wollen beide Seiten den Gesprächsfaden fortführen – bis hin zu gegenseitigen Besuchen. Trump hatte am Dienstag bestätigt, dass Kim eine Einladung ins Weiße Haus zu einem “angemessenen Zeitpunkt” akzeptiert habe. Umgekehrt könne er sich auch eine Reise nach Pjöngjang vorstellen.

Bei der historischen Begegnung in Singapur schüttelte Trump, der Führer der mächtigsten Demokratie der Welt, Kim, dem Spross der dritten Generation einer dynastischen Diktatur, die Hand.

► Das Bild, das in die Welt hinaus ging: Zwei Männer, die gleichberechtigt vor den Fahnen ihrer Nationen standen.

Das alles sind Signale, die die staatlich gelenkte Presse in Nordkorea  gerne weiterverbreitet – und noch überhöht. So feiert die Staatsagentur KCNA die angepeilten Besuche bereits als praktisch ausgemacht: “Die beiden Top-Führungskräfte nahmen die Einladung des anderen gerne an”, schreibt KCNA. 

In ihrem ersten Bericht über den Gipfel hat die Agentur die Gespräche als “epochales Treffen” bezeichnet, das “einen radikalen Wechsel in den feindlichen (Nordkorea)-US-Beziehungen” fördere.

“Das Treffen des Jahrhunderts”

Auch die nordkoreanische Zeitung “Rodong Sinmun” (“Arbeiterzeitung”), Organ des Zentralkomitees der Partei der Arbeit Koreas, zeigt sich äußerst überschwänglich.

► Die Titelzeile am Mittwoch: “Das Treffen des Jahrhunderts eröffnet eine neue Geschichte in den Beziehungen zwischen der DVRK (Demokratische Volksrepublik Korea, Anm. d. Red.) und den USA.”

Dazu veröffentlichte “Rodong Sinmun” nicht weniger als 33 Bilder auf vier ihrer  üblicherweise sechs Seiten umfassenden Aussage.

Vom “menschlichen Abschaum” zum besten Freund

► Besonders symbolträchtig: Eines der Bilder zeigt einen lächelnden Kim, der Trumps Nationalen Sicherheitsberater John R. Bolton die Hand schüttelt. Der gilt als außenpolitischer Hardliner und hat in der Vergangenheit Militäraktionen gegen den Norden befürwortet. Pjöngjang hatte Bolton wiederum als “menschlichen Abschaum” bezeichnet.

Das alles scheint nun offenbar vergessen. Denn das Kim-Regime hat allen Grund zur Zuversicht – ist das Treffen doch ein großer Coup für das isolierte und stark sanktionierte Land, das sich seit langem nach internationaler Legitimität sehnt.

► Genau die hat Trump Pjönjang nun verschafft – und sich damit für alle weiteren Verhandlungen mit Nordkorea selbst unter Druck gesetzt. Der US-Präsident hat erreicht, was es aus seiner Sicht eigentlich zu vermeiden galt: Das Momentum ist auf auf Kims Seite. 

(mkl)