POLITIK
07/07/2018 22:18 CEST | Aktualisiert 07/07/2018 22:58 CEST

Nordkorea-Konflikt: Wie dreist Kim Jong-un Donald Trump vorführt

Auf den Punkt.

SAUL LOEB via Getty Images

Der Nordkorea-Konflikt spitzt sich wieder zu. 

Nach dem historischen Treffen zwischen Kim Jong-un und dem südkoreanischen Präsidenten Moon Jae-in sowie dem Gipfel zwischen Nordkoreas Diktator und US-Präsident Donald Trump schien der Weg zur Denuklearisierung der koreanischen Halbinsel zumindest auf dem Papier frei. 

Doch die vergangene Woche hat gezeigt: Die Hoffnungen auf ein baldiges Ende des Atomkonfliktes waren verfrüht. Vielmehr verschärft sich gerade die Haltung des Kim-Regimes gegenüber den USA und dem Rest der Welt. 

Der nordkoreanische Diktator rüstet rhetorisch und militärisch auf. Welche Folgen das hat – auf den Punkt gebracht

Die Lage im Nordkorea-Konflikt: 

► In den vergangenen zwei Tagen weilte US-Außenminister Mike Pompeo in Pjöngjang, um mit Vertretern des Kim-Regimes Gespräche über das nordkoreanische Atomprogramm zu führen. 

► Pompeo sagte daraufhin, es sei in “fast allen zentralen Fragen” ein Fortschritt erzielt worden. Am 12. Juli würde ein neues Treffen stattfinden, die bisherigen Gespräche seien “sehr produktiv” gewesen.   

► Die Reaktion Nordkoreas unterschied sich deutlich von der des US-Ministers. Das Regime zeigte sich “enttäuscht” von den Gesprächen mit Pompeo. Die USA wollten Nordkorea bei der Denuklarisierung “räuberartig” betrügen. 

Das zeigt: Die Trump-Regierung und das Kim-Regime haben drastisch unterschiedliche Vorstellungen – und Verhandlungstaktiken – im Nordkorea-Konflikt. 

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Was die USA von Nordkorea verlangen: 

► Die Vereinigten Staaten erwarten von Nordkorea eine komplette Abrüstung seines Atomprogramms und -arsenals. 

► Pompeo war nach Pjöngjang gereist, weil er einen Zeitplan mit dem Kim-Regime absprechen wollte, in dem diese Denuklearisierung stattfinden könnte. 

► Beim Gipfel mit Trump in Singapur vor drei Wochen hatte Kim seine grundsätzliche Bereitschaft erklärt, “auf eine komplette Denuklearisierung der koreanischen Halbinsel hinzuarbeiten.” 

Das heißt: Ein eindeutiges Bekenntnis zur atomaren Abrüstung hat Nordkorea nie abgegeben – was sich auch am Handeln des Landes in den vergangenen Wochen zeigt. 

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Was das Regime von Kim Jong-un stattdessen tut: 

► Denn Nordkorea rüstet auf. Das Expertenportal “38North” veröffentliche Ende Juni einen Artikel, in dem es anhand von Satellitenbildern zeigt, dass das Kim-Regime eine seiner Nuklearanlagen ausbaut.  

► Das Magazin “The Diplomat” enthüllte zur gleichen Zeit in einem Artikel, dass die Geheimdienste der USA davon überzeugt seien, dass Nordkorea auch im Jahr 2018 die Produktion von Raketenabschussgeräten fortsetze. 

►  Zu Beginn dieses Monats berichtete dann das “Wall Street Journal” von einem Report der US-Geheimdienste, der anhand von Satellitenbildern zeige, dass Nordkorea eine neue Raketenfabrik bauen würde.

► Am Freitag publizierte das “WSJ” einen weiteren Artikel, indem es davon berichtete, dass Nordkorea daran arbeite, ein U-Boot zu entwickeln, dass in der Lage sei, nukleare Raketen abzuschießen. 

Das zeigt: Kim Jong-uns Versprechen gegenüber Donald Trump und Moon Jae-in waren leere Worte. Nordkoreas Diktator mag von nuklearer Abrüstung reden – tatsächlich aber setzt er sein Atomprogramm unbeirrt fort.  

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Kim Jong-uns Taktik gegen Trump auf den Punkt gebracht:

Das ist kein Wunder. Für Nordkorea bleibt eine Wahrheit unumstößlich: Das Atomprogramm ist der einzige Faustpfand des international geächteten Regimes. 

Die Denuklearisierung ist für Kim Jong-un gleichbedeutend mit einem Verlust seiner Macht. Durch die Verhandlungen mit den USA hat er Zeit gewonnen. Zeit, die er offenbar dazu nutzt, sein Land weiter zu Atommacht auszubauen. 

Trump steht nun vor einem Dilemma: Weder Sanktionen oder Diplomatie scheinen Nordkorea zu echten Zugeständnissen zu bewegen – welche Möglichkeiten bleiben noch? Keine guten