POLITIK
01/05/2018 19:52 CEST | Aktualisiert 02/05/2018 08:49 CEST

Nordkorea-Experte: Trump-Berater Bolton will Krieg gegen Kim Jong-un erzwingen

Der neokonservative John Bolton sei auf Gewalt aus.

  • Im Konflikt zwischen Kim Jong-un und dem Rest der Welt gelingt scheinbar ein diplomatischer Durchbruch nach dem anderen.
  • Doch der Nordkorea-Experte Jeffrey Lewis warnt vor Kims Treffen mit Trump: Ein wichtiger Berater des US-Präsidenten dränge weiterhin auf einen Krieg.
  • Im Video oben: Twitter-Drohungen – Trumps Ausfälle erinnern an “Madman-Theorie”.

Kim Jong-un will Frieden. Moon Jae-in will Frieden. Xi Jinping will Ruhe und Frieden. Und Donald Trump will Frieden und Ruhm. 

Im Nordkorea-Konflikt scheint alles auf einen unerwarteten Erfolg der Diplomatie zuzusteuern.

Das Kim-Regime öffnet sich – angetrieben auch von seiner Schutzmacht China – zumindest rhetorisch der Welt, Südkorea hofft auf ein Ende des Dauerkrieges mit seinem nördlichen Nachbarn und US-Präsident Trump auf einen Eintrag in die Geschichtsbücher.

► Frieden auf der koreanischen Halbinsel scheint zum Greifen nah. Scheint.

Denn nicht nur ist unklar, was Nordkoreas Machthaber Kim bei seiner Diplomatie-Offensive wirklich antreibt – und wie weit er wirklich auf den Westen zugehen wird. Es ist auch unklar, wie ernst das Bemühen einer friedlichen Lösung des Konfliktes durch die US-Regierung ist. 

So warnt Jeffrey Lewis, Experte für Atomwaffen und den Nordkorea-Konflikt am Middlesbury Institute of International Studies, in einem Artikel für das US-Magazin “Foreign Policy” vor allem vor einem Mann: Trumps Nationalem Sicherheitsberater John Bolton

Bolton, schreibt Lewis, befürworte zwar öffentlich die Verhandlungen mit Nordkorea. Insgeheim aber versuche er, einen Krieg mit dem Kim-Regime zu provozieren. 

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John Bolton, der Kriegstreiber an Trumps Seite 

“Wir müssen endlich lernen, Nordkorea zu akzeptieren, wie es ist”, schreibt Lewis ins seinem Beitrag für “Foreign Policy”. “Und was Nordkorea ist, ist nuklear bewaffnet.” 

Kim Jong-uns Plan für die Verhandlungen mit dem Westen sei es, genau diesen Zustand anerkennen zu lassen. Und der Westen müsse genau das tun, schreibt Lewis – “aber weil das ja einen Rückzug von der eigenen Position bedeuten würde, erkennen wir die Realität nicht ehrlich an.” 

Stattdessen würden Trump und andere Regierungsmitglieder in den USA ständig in Aussicht stellen, Nordkorea werde seine Atomwaffen ganz sicher aufgeben – und das, obwohl Kim Jong-un so etwas nie direkt versprochen hat und wohl auch nie tun wird

“In diesem kollektiven Selbstbetrug haben wir einen äußerst überraschenden Rädelsführer”, schreibt Lewis.

► Und meint damit: John Bolton, den erst kürzlich zu Donald Trumps Nationalem Sicherheitsberater ernannten Republikaner. 

In Interview über Interview verspreche Bolton den US-Amerikanern derzeit, die Nordkoreaner würden ihre Atomwaffen aufgeben, in einem Deal, der US-Truppen einfach erlaube, in das Land zu kommen und die Waffen einzusammeln. Und das am besten noch vor Ende der ersten Amtszeit Trumps im Jahr 2021. 

Lewis Einordnung dieses Bolton-Plans ist eindeutig: “Das ist Wahnsinn.” 

Spielt Bolton mit Trumps Erwartungen im Nordkorea-Konflikt? 

Doch, so warnt der Experte, es sei ein Wahnsinn, dem sich Bolton sehr bewusst sei. Der 69-Jährige, der in der Vergangenheit häufig Militärschläge gegen Nordkorea oder den Iran forderte, habe einen perfiden Plan. 

Kim werde seine Atomwaffen, die er sein “mächtiges und geschätztes Schwert” nenne, nicht aufgeben, ist Lewis überzeugt. “Und Bolton ist nicht auf einmal so naiv, das zu glauben.” 

► Bolton habe einen Plan. Er schüre zu hohe Erwartungen bei Trump, Erwartungen, dass dieser mit Kim Jong-un in Verhandlungen leichtes Spiel habe. 

Sobald der US-Präsident aber merken würde, dass Nordkorea seine Forderungen zur Abrüstung nicht erfüllen wird, wolle Bolton mit aller Macht eine militärische Lösung propagieren. 

“Bolton will die Diplomatie nicht töten, indem er sich ihr entgegenstellt. Er will sie töten, indem er sie als das Gegenteil einer gute Lösung im Nordkorea-Konflikt darstellt”, mutmaßt Lewis. 

Das sei ein zynisches und gefährliches Spiel. Bolton lege es wohl darauf an, dass ein von geplatzten Verhandlungen erboster Trump seinen Außenminister Mike Pompeo für solch ein Desaster verantwortlich machen würde – und den aggressiveren Bolton zur führenden Kraft im Umgang mit Kim Jong-un mache. 

Trump habe solch einen Strategiewechsel laut Lewis schon vor kurzem angedeutet, indem er sagte: “Wenn ich es nicht schaffe, ihnen die Atomwaffen zu nehmen, dann wird das eine sehr schwere Zeit für eine Menge Länder und eine Menge Menschen.” 

► “Das ist eine milde Beschreibung für eine Situation, die Millionen von Koreanern, Japanern und Amerikanern einem hohen Risiko eines Nuklearkrieges aussetzen würde”, schreibt Lewis. 

Eine Situation, über die sich wohl niemand freuen würde – außer John Bolton. 

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