POLITIK
28/03/2018 21:45 CEST | Aktualisiert 29/03/2018 08:33 CEST

Warum war Kim Jong-un in China? 3 Antworten internationaler Medien

Ein Experte liefert eine überraschende Erklärung.

KCNA KCNA / Reuters
Kim Jong-un neben Chinas Staatschef Xi Jinping.
  • Warum hat Nordkoreas Diktator Kim Jong-un ausgerechnet jetzt zum ersten Mal sein Land verlassen – und reiste nach Peking?
  • Medien liefern drei unterschiedliche Antworten

Zunächst war da nur ein verwackeltes Handyvideo.

Am Montag machte das Gerücht die Runde, Nordkoreas Diktator Kim Jong-un könnte zum ersten Mal seit seiner Machtübernahme 2011 das eigene Land für einen Staatsbesuch in Peking verlassen haben. 

Ein Journalist fing Aufnahmen eines mysteriösen Besuchers aus Nordkorea ein und teilte sie auf Twitter. Medien spekulierten, ob das Reisegefährt des Besuchers – ein grüner Personenzug – ein Hinweis auf die Identität des Gastes sein könnte. 

Am Mittwoch wurde klar: Kim Jong-un war tatsächlich zu einem diplomatischen Gespräch mit Chinas Staatschef Xi Jinping nach Peking gekommen. Beide redeten, so viel ist bekannt, über das umstrittene Atomprogramm Nordkoreas.

Nach dem Besuch treibt die Medien eine neue Frage um: Was wollte Kim in China? Und warum empfing ihn Xi?

Wir haben drei mögliche Antworten internationaler Kommentatoren gesammelt.

1. Die eigene Verhandlungsposition stärken

Eine Antwort lautet: Kim wollte die eigene Verhandlungsposition vor seinem geplanten Treffen mit US-Präsident Donald Trump stärken. Trump hatte kürzlich ein solches Treffen in Aussicht gestellt. Bis Mai könnte es soweit sein, hieß es aus dem Weißen Haus.

Die USA wollen ein Nordkorea ohne Atomwaffen. Doch unklar ist, ob Kim sich darauf überhaupt einlassen wird. Der Besitz von atomaren Langstreckenraketen stellt Nordkoreas Lebensversicherung dar. 

Der US-Sender CNN sieht den Besuch des Diktators in China daher vor allem als Zeichen an Trump: Das Treffen sei “ein wirksames Signal an den amerikanischen Präsidenten, dass der junge, zurückgezogene Anführer die Unterstützung der größten Regionalmacht (China, Anm. d. Red.) besitzt”.

Was Kim im Gespräch mit Trump verlangen könnte?

“Wenn das Regime von Denuklearisierung spricht, verlangt es, dass das Bündnis von Südkorea und den USA endet, die US-Soldaten von der koreanischen Halbinsel und der erweiterte Abwehrschirm (der USA, Anm. d. Red.) verschwinden”, zitiert CNN den Experten David Maxwell vom Institute of Korean American Studies.

► Mit dem Treffen und Chinas möglicher Unterstützung für diese Forderungen könnte Kim seine Druckmittel für Verhandlungen mit den USA erhöht haben. 

Mehr zum Thema: Trumps geplantes Treffen mit Kim Jong-un ist eine peinliche PR-Show – und hilft nur Nordkorea

2. Chinas Rücksprache mit dem Verbündeten

Der US-Sender Fox News glaubt an einen anderen Grund. Kims Ziel war es, die Toleranz von Xi Jinping für seine Verhandlungspläne mit Trump zu testen.  

Aber vor dem nordkoreanischen Regime stehen noch weitere Verhandlungen an. Am Donnerstag sollen erste Gespräche mit dem Nachbarn Südkorea beginnen. 

Womöglich, so heißt es bei Fox News, habe China gegenüber Nordkorea betonen wollen: Noch immer bestimme Peking über das Schicksal von Pjöngjang.

China ist Kims wichtigster Partner, die Volksrepublik der bei weitem größte Handelspartner für Nordkorea.

“Mit der Einladung – eher: Aufforderung –, dass Kim nach China kommen soll, um Xi zu treffen, wollten die Chinesen Kim klar machen, dass er China über die Vereinbarungen bei den Gesprächen mit Südkorea und den USA unterrichten und womöglich das Einverständnis einholen muss”, kommentiert Fox News das Treffen in Peking.

3. China braucht einen Partner im drohenden Handelskrieg

Einen überraschenden Grund für den Staatsbesuch aus Nordkorea liefert der Asien-Experte Donald Kirk in einem Artikel der englischsprachigen Tageszeitung “South China Morning Post” aus Hongkong.

Er geht davon aus, dass vor allem die chinesische Regierung mit dem Treffen ein bestimmtes Ziel verfolgt habe: einen Partner im drohenden Handelskrieg mit den USA zu gewinnen. Trump verhängte kürzlich Strafzölle, die vor allem Chinas Wirtschaft treffen werden.

Kirk schreibt dazu:

“Jetzt, da sich die Chinesen und die Amerikaner wieder in einer Konfrontation gegenüberstehen (...), hat Präsident Xi Jinping Kim Jong-un zu einem historischen Treffen empfangen. Trotz Bedenken über Kims Atomprogramm. Xi mag Kim bisher als Bittsteller ignoriert haben, aber die hässlichen Realitäten diktierten einen Sinneswandel.”

Tatsächlich war China zuletzt auf Distanz zu Nordkorea gegangen. Peking hat andauernden Provokationen des Kim-Regimes mit Raketentests verurteilt und die UN-Sanktionen gegen das Land härter als zuvor umgesetzt. 

Mit dem aufziehenden Handelskrieg würden sich die Fronten nun verändern, kommentiert Kirk. Und das Treffen zwischen Xi und Kim, Verbündeter wider Willen, sei ein erstes Anzeichen dafür. 

(mf)