POLITIK
18/09/2018 06:21 CEST | Aktualisiert 18/09/2018 06:22 CEST

Nordkorea-Gipfel: Moon trifft Kim – um was es in den Gesprächen geht

Auf den Punkt.

JUNG YEON-JE via Getty Images
Moon umarmt Kim bei seiner Ankunft. 

Zum dritten Mal treffen sich Nordkoreas Diktator Kim Jong-un und Südkoreas Präsident Moon Jae-in an diesem Dienstag. Dieses Mal in Pjöngjang.

Auch wenn sich das südkoreanische Staatsoberhaupt vorsichtig optimistisch gibt, steht fest: Die Verhandlungen über eine Friedenslösung auf der koreanischen Halbinsel sind festgefahren. 

Die Erwartungen an die Gespräche, die entscheidenden Hürden zu nehmen, sind daher gering. 

Im Mittelpunkt des dreitägigen Gipfels stehen der Abbau des nordkoreanischen Atomwaffenprogramms sowie eine dauerhafte Friedenslösung zwischen beiden Seiten, die sich seit dem Ende des Korea-Krieges 1953 völkerrechtlich noch im Kriegszustand befinden. 

Welche Ziele Kim und Moon verfolgen und wie die Chancen für erfolgreiche Gespräche stehen – auf den Punkt gebracht. 

1. Was Nord- und Südkorea bisher vereinbart haben: 

► Kim hatte bei dem historischen Treffen mit Moon im April im Grenzort Panmunjom sowie anschließend mit US-Präsident Donald Trump im Juni in Singapur seine grundsätzliche Bereitschaft zur “Denuklearisierung” erklärt. 

► Aber: Die Versprechen waren äußerst vage. Und die USA werfen Nordkorea vor, nicht genügend Fortschritte zu machen. 

► Die USA erwarten von Nordkorea eine vollständige Abrüstung des Atomprogramms und -arsenals.

► Pjöngjang will von Washington für eine Abrüstung schrittweise Gegenleistungen wie Sicherheiten oder eine Aufhebung von Sanktionen. Genau an diesem Punkt aber haken die Gespräche.  

2. Was Südkorea erreichen will: 

Hier kommt der aktuelle Nordkorea-Gipfel ins Spiel: Südkoreas Präsident Moon erwartet von Kim zum einen weitere Schritten zu einem dauerhaften Frieden auf der koreanischen Halbinsel. 

► Zum anderen will Moon Kim dazu bringen, konkrete Schritte zum Abbau des Atomprogramms einzuleiten, die Washingtons Zweifel an der Ernsthaftigkeit Pjöngjangs bei der Abrüstung ausräumen könnten.

► Moon gab sich vor Beginn der Gespräche in Pjöngjang optimistisch. “Die Staatsführer Nordkoreas und der USA haben wiederholt ihren Glauben in den jeweils anderen in ihren Briefen bekräftigt.”   

3. Welche Ziele Kim verfolgt: 

► Kim braucht für seine Politik gegenüber den USA und seine innenpolitischen Ziele auch Unterstützung von außen. Er verlangt Zugeständnisse von Washington wie eine phasenweise Aufhebung von Sanktionen, die Pjöngjang bei den Bemühungen um den Aufbau der maroden Wirtschaft Luft verschaffen würden. 

► “Wenn ich Kim wäre, würde ich einen kühnen Vorschlag vorlegen”, kommentierte der Sicherheitsexperte und Sonderberater des südkoreanischen Präsidenten, Moon Chung-in. Dazu könne die Zerstörung von Interkontinentalraketen oder der Austausch von Verbindungsbüros mit Washington gehören.

► Moon könnte diese Zugeständnisse wiederum an die USA vermitteln – und ein weiteres Treffen zwischen Kim und Trump einleiten.   

Die Erwartungen an den Gipfel – auf den Punkt gebracht: 

Im besten Fall ringt Moon Kim bei diesem Gipfel konkrete Zusagen zur atomaren Abrüstung ab. Das wahrscheinlichere Ergebnis der Gespräche ist aber wohl: vage Versprechen. 

“Der Ausgang ist auch für uns offen”, räumte Moons Stabschef Im Jong-seok im Vorfeld ein.

Mit Material der dpa.