POLITIK
22/12/2017 06:03 CET | Aktualisiert 22/12/2017 09:47 CET

Neuwahl: Mehrheit für Kataloniens Separatisten – jetzt droht Chaos

“Der spanische Staat wurde bezwungen."

Die mit Spannung erwartete Neuwahl in Katalonien hat keinen politischen Richtungswechsel in der spanischen Krisenregion gebracht – vielmehr droht ein politisches Chaos in den nächsten Wochen und Monaten.

Das ist passiert:

► Die drei separatistischen Kräfte haben erneut eine absolute Mehrheit von 70 der insgesamt 135 Sitze des Parlaments in Barcelona errungen.

► Sieger der Wahl ist jedoch die liberale und pro-spanische Partei Ciudadanos der Spitzenkandidatin Inés Arrimadas. Sie erhielt am meisten Sitze.

Darum ist es wichtig:

Die Wahl wirft mehrere Fragen auf: Wer wird Katalonien künftig regieren? 

► Zwar haben die separatistischen Parteien eine Mehrheit. Aber: Spitzenkandidat Carles Puigdemont ist im Exil in Brüssel, sollte er zurückkehren, droht ihm Haft. Sein Ex-Vize Oriol Junqueras sitzt bereits in U-Haft. 

► Die Unabhängigkeitsgegner der Ciudadanos sind stärkste Kraft – haben wegen des schlechten Abschneidens möglicher Koalitionspartner keine Chance, eine Regierung zu bilden.

Und: Werden die Separatisten weiterhin nach der Unabhängigkeit der Region streben?

► Puigdemont jedenfalls feierte das Ergebnis als Sieg. Er kündigte an, in die Heimat zurückzukehren, falls er vom Parlament zum Präsidenten gewählt wird. 

Mehr zum Thema: Die Wahl in Katalonien: Was das Wahlergebnis für die Zukunft Spaniens und Europas bedeutet

Was ihr noch wissen müsst: 

“Der spanische Staat wurde bezwungen”, sagte Puigdemont in Belgien vor Journalisten Donnerstagnacht. “Rajoy und seine Alliierten haben verloren und von den Katalanen eine Ohrfeige bekommen”.

► Die Wahlbeteiligung war ein neuer Rekord für die Katalanen. Fast 82 Prozent der 5,5 Millionen Wahlberechtigten waren zu den Urnen gegangen. Das zeigt, wie wichtig den Bürgern die Unabhängigkeitsfrage ist.

Mehr zum Thema: “Wie kurz vor dem Bürgerkrieg”: Ich bin Spanierin - so erlebe ich die Krise in Katalonien

Mit Material der dpa.