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05/04/2018 19:25 CEST | Aktualisiert 05/04/2018 19:25 CEST

Neulich auf der Reisemesse, habe ich den Kollegen nicht mehr wiedergesehen.

© Copyright Karl-Heinz Hänel
Fotojournalist im Weinberg

Alljährlich tummeln sich über 5.000 Journalisten auf der ITB

Die ITB ist die Internationale Tourismus-Börse Berlin

Vorletztes Jahr traf ich einen Freien auf einer Pressekonferenz wieder, mit dem ich im Jahr zuvor eine gemeinsame Pressereise gemacht hatte. Er war guter Dinge und schwärmte von guten Absatzmöglichkeiten für seine Reisereportagen. Ein Jahr später traf ich ihn wieder auf der jährlichen ITB. Und am Ende einer Pressekonferenz, zwischen Wein und Häppchen, hörte ich mit, wie ihn jemand fragte, für wen er denn schreiben würde. Seine Antwort hat sich in mein Gedächtnis eingebrannt:“…für jeden, der es haben will.“ Auf der letzten ITB habe ich diesen Kollegen dann gar nicht mehr wieder gesehen, auf Pressereisen übrigens auch nicht mehr.

Freie Journalisten sind nicht mehr die Begehrtesten, wenn es um Einladungen zu Pressereisen geht, weil sie kaum noch Abnehmer für ihre Geschichten finden. Bevorzugt werden oft die Vertreter von Printmedien, sogar wenn abzusehen ist, dass im Anschluss an eine Pressereise aus den abenteuerlichsten Umständen dann doch nichts publiziert wird. Da in Redaktionen die für eine Reise Freigestellen rotieren, ist am Ende auch niemand wirklich in die Pflicht zu nehmen. Und man will sich auch nicht den Deal mit dem Anzeigengeschäft vergraulen lassen. Auch wenn es ursprünglich mal so war, dass Journalisten zu Pressereisen eingeladen wurden, um sich ein eigenes Bild zu machen,

Zitat Wikipedia:“ 1) Pressereisen für Reisejournalisten: Damit wollen Reiseveranstalter ein touristisches Reiseziel bekannt machen und tragen die Kosten der Reise. Diese Praxis ist umstritten und wird teilweise als versuchte Beeinflussung des Reiseveranstalters gesehen. Daher bestehen einzelne Redaktionen darauf, die Kosten selbst zu tragen. Hingegen argumentieren die meisten Redaktionen und insbesondere freie Journalisten, dass sie ihre Recherchen nur mit Hilfe der Pressereisen finanzieren könnten.

2) Pressereisen zur Produktpräsentation: Sie rahmen die Präsentation eines Produkts ein. Das Reiseziel hat in der Regel keinen sachlichen Bezug zum Produkt (z. B. Auto, Computer, Software). Dabei kann es sich durchaus um mehrere Tage in einem Luxushotel handeln.“

Also ganz ohne Verpflichtungen, was bedeutete, dass nicht 1:1 nach einer Reise darüber publiziert wurde, sind die Erwartungen an „Reise“-Journalisten heute vergleichbar mit PR-Schreibern, also Werbetextern, nur eben ohne Bezahlung vom Veranstalter…

Um sich dieser Entwicklung zu entziehen, haben sich viele, so wie ich auch, den Online-Medien zugewandt, quasi den Lesern folgend. Vor nicht allzu langer Zeit wurde ich noch belächelt, wenn ich auf oben erläuterte Frage als Medien mein eigenes Blog oder als Multiplikator die HuffPost nannte. Zurzeit sind Influencer gern gesehene Teilnehmer auf Pressereisen. Insbesondere, wenn es den Veranstaltern um die Masse, messbar in Seitenbesuchern und Seitenaufrufe der entsprechenden Onlineportale, geht. Auf der ITB gibt es das alljährliche Speed-Dating, bei dem sich Blogger und Veranstalter der Reisebranche jeweils 5 Minuten gegenüber sitzen und ihr Vorhaben runter rattern. Sind die froh, wenn sie diesen Tag überstanden haben und in Erwartung auf eine baldige Kooperation von dannen ziehen.

Nicht zuletzt betreiben die Veranstalter selbst Websites und füllen diese mit allem, was den Reisenden interessieren könnte. Gute Geschichten aber, von außenstehenden selbst erlebt, wahr

genommen und aufgeschrieben, solche können die Leser noch unterscheiden und so trennt sich die Spreu vom Weizen, wie man so schön sagt… Die Frage ist, wie lange noch?

Bis dahin treffen wir uns in meinem blog.Liebhaberreisen.d