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05/07/2018 10:37 CEST | Aktualisiert 05/07/2018 12:37 CEST

In Frankreich zeigt sich gerade, warum ein Tempolimit auch in Deutschland Sinn machen würde

Die HuffPost-These.

SEBASTIEN BOZON via Getty Images
Auf französischen Landstraßen gilt ab sofort Tempo 80.

Auf rund 400.000 Kilometern Landstraße in Frankreich darf seit Sonntag nur noch mit Tempo 80 gefahren werden. Bislang galt eine Obergrenze von 90 Stundenkilometern.

Mit der neuen Geschwindigkeitsbeschränkung will die französische Regierung den Straßenverkehr vor allem sicherer machen. Nach mehreren Umfragen sind rund drei Viertel der Franzosen allerdings gegen das neue Tempolimit.

Premierminister Édouard Philippe verteidigte den Schritt seiner Regierung: Die Idee sei nicht, zu bestrafen, sondern das Verhalten zu ändern und Leben zu retten. 

Auch in Deutschland wird seit Jahren über ein Tempolimit diskutiert – vor allem über die Einführung von einer Geschwindigkeitsbegrenzung von 120 Stundenkilometern auf Autobahnen.

Momentan gilt nur auf rund 40 Prozent des deutschen Autobahnnetzes eine zeitweise oder dauerhafte Geschwindigkeitsbegrenzung.

Wird Frankreich zum Vorbild für die Bundesrepublik? Drei Gründe, warum auch in Deutschland ein generelles Tempolimit auf Autobahnen gelten sollte.

1. Weniger Verkehrstote

Die französische Regierung argumentiert, dass eine niedrigere Geschwindigkeit auf Landstraßen 300 bis 400 Unfalltote pro Jahr vermeiden könnte – und das bereits bei einer Verringerung des Limits um nur zehn Stundenkilometern. Im vorigen Jahr waren 3448 Menschen auf Frankreichs Straßen getötet worden.

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Die positiven Effekte eines Tempolimits zeigen sich auch in Deutschland. 2016 sind auf deutschen Autobahnen mit einer Geschwindigkeitsbegrenzung pro Kilometer 26 Prozent weniger Menschen tödlich verunglückt als auf Autobahnen ohne Tempolimit. 2015 waren es 13  Prozent, wie die Auswertung des Deutschen Verkehrssicherheitsrates (DVR) ergeben hat.

Laut dem Bund für Umwelt- und Naturschutz könnten Unfälle mit Personenschäden auf deutschen Autobahnen mit einer Geschwindigkeitsbegrenzung von 120 Stundenkilometer um ein Drittel gesenkt werden.

2. Weniger CO2-Emissionen

Das Umweltbundesamt hat im Jahr 2012 untersucht, ob die Einführung eines Tempolimits auf Autobahnen auch eine wirksame Reduktion von CO2-Emissionen mit sich bringen würde.

Das Ergebnis: Durch den geringeren Verbrauch an Kraftstoff würden die Schadstoffemissionen um 9 Prozent sinken.

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Das entspricht einer jährlichen Menge von drei Millionen Tonnen CO2 und somit der Emissionsmenge eines Kohlekraftwerks und etwa 0,25 Prozent des gesamten CO2-Ausstoßes Deutschlands. 

3. Weniger Staus

Staus entstehen zum Großteil wegen zu hohen Verkehrsaufkommens. Aber oft auch aufgrund der hohen Geschwindigkeitsunterschiede zwischen Kraftfahrzeugen.

Deshalb würde ein Tempolimit auch helfen, Staus zu verringern. Zu dieser Feststellung kommt der ökologisch ausgerichtete Verkehrsclub Deutschland (VCD).

Fazit:

Ein generelles Tempolimit auf deutschen Autobahnen würde laut Experten für weniger Unfälle, weniger Luftverschmutzung und weniger Staus sorgen.

Unsicher ist zwar, wie stark der Effekt wäre. Fest steht aber: Es würde sich aus vielen Gründen positiv auf die Sicherheit und das Wohl der Verkehrsteilnehmer und der Umwelt auswirken. Und das mit vergleichsweise geringem Aufwand.

Auf den Straßen Frankreichs könnte sich das nun beweisen. 

Mit Material der dpa.

(ll)