WIRTSCHAFT
24/04/2018 17:56 CEST

Neue Studie: Warum es sich im Job auszahlt, richtig hässlich zu sein

Schönheit ist nicht alles.

Francesco Carta fotografo via Getty Images
Nicht verstecken: Wer nicht von der Aphrodite geküsst wurde, kann trotzdem gutes Geld verdienen. 
  • Eine neue Studie von Wirtschaftspsychologen aus den USA bricht mit dem Vorurteil, dass schöne Menschen im Job besser verdienen würden
  • Die Wissenschaftler kommen sogar zum gegenteiligen Schluss

Schönheit macht sich bezahlt – heißt es. 

Bisher behaupteten zahlreiche wissenschaftlichen Studien: Gutes Aussehen erhöht die Chancen auf einen besseren Lohn erheblich. Eine Untersuchung der Leuphana-Universität in Lüneburg kam 2011 sogar zu dem Schluss, dass Schönheit für die Karriere genauso wichtig ist wie ein Uniabschluss. 

Doch laut einem Team von Wirtschaftspsychologen der London School of Economics und der University of Massachusetts stimmt das nicht. 

Sie behaupten in einer aktuellen Studie: Die wirklichen Gutverdiener sind Menschen, die sie als “sehr unattraktiv” bezeichnen. 

Hässlich sein lohnt sich

Die Studie erscheint in der aktuellen Ausgabe des “Journal of Business and Psychology”.

Die Wissenschaftler haben für sie die Daten des National Longitudinal Survey of Adolescent Health ausgewertet – einer Langzeitbefragung einer repräsentativ zusammengestellten Gruppe von 20.000 Menschen aus den USA, die seit dem Jahr 1994 regelmäßig durchgeführt wird. 

Die Befragung enthält neben Fragen zur Lebenssituation und Karriere auch eine Einordnung der Attraktivität der Probanden auf einer Skala von “sehr attraktiv”, “attraktiv”, “durchschnittlich”, “unattraktiv” bis zu “sehr unattraktiv”

Die Forscher verglichen die Einschätzung des Aussehens der Befragten mit dem Lohn, den die Abgebildeten verdienten. Und kamen dabei zu diesen Ergebnissen: 

Schöne Menschen verdienen kaum mehr Geld als ihre unattraktiveren Mitmenschen. Als die Forscher auch noch die Faktoren Gesundheit, Intelligenz und Persönlichkeit mit hinzuzogen, verschwand der “Schönheits-Effekt” beim Lohnvergleich sogar komplett. 

Stattdessen waren es die “sehr unattraktiven” Menschen, die im Vergleich der Einkommen mit ihren besser aussehenden Mitmenschen außerordentlich gut abschnitten. “Sehr unattraktive Probanden haben immer deutlich mehr verdient als unattraktive Probanden”, schreiben die Wissenschaftler.

► Was die Forscher nicht schreiben ist, dass unattraktive oder hässliche Menschen auch bedeutend mehr verdienen, als durchschnittlich aussehende oder sehr attraktive Menschen – dies sei nur “manchmal” der Fall. 

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Müssen wir jetzt hässlicher werden, um mehr Geld zu verdienen? 

Schönheit und Attraktivität sind immer sehr subjektiv wahrgenommene Kategorien. Entsprechend vorsichtig ordnen die Verfasser der Studie ihr Ergebnis ein. 

► Vergangene Studien zur Auswirkung von Attraktivität hätten womöglich den Fehler gemacht, gut aussehende Menschen stets nur mit einer als “unterdurchschnittlich” definierten Kategorie von Probanden zu vergleichen.

► Bei einem solchen Vergleich kämen die Kategorien “unattraktiv” und “sehr unattraktiv” nicht vor – doch nur wenn diese gesondert untersucht würden, zeige sich, dass es tatsächlich hässlichere und nicht schönere Menschen sind, die mehr Geld verdienen.  

“Es scheint zudem so, als würden schöne Arbeiter nicht mehr verdienen, weil sie schön sind, sondern weil sie gesünder, intelligenter und mit einer sozialeren Persönlichkeit ausgestattet sind”, schreiben die Forscher. 

Geht es beim Lohnvergleich also ausschließlich um den Faktor Attraktivität, geht Hässlichkeit vor Schönheit.

Tatsächlich aber scheint weiterhin zu gelten: Wer mehr Geld verdienen will, muss nicht einfach irgendwie aussehen, sondern hart arbeiten, intelligent und aufgeschlossen sein – und vielleicht auch einfach ein bisschen Glück haben. 

(ll)