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19/06/2018 15:56 CEST | Aktualisiert 19/06/2018 15:57 CEST

Neue Studie legt nahe: Ibuprofen erhöht Depressions-Risiko

Diese Studie demonstriert erstmalig, dass bestimmte Medikamente bei regelmäßigem Gebrauch mit einer erhöhten Depressions-Rate einhergehen.

KatarzynaBialasiewicz via Getty Images
Die Wissenschaftler haben zwischen 2005 und 2014 bei mehr als 26.000 Erwachsenen den Gebrauch von Medikamenten analysiert. 
  • Eine Forschergruppe hat den Zusammenhang zwischen oft verschriebenen Medikamenten und Depressionen untersucht.
  • Das Ergebnis: Die Depressions-Rate war bei den Teilnehmern, die Medikamente wie Ibuprofen einnahmen, höher.

Depressionen gelten mittlerweile als Volkskrankheit – insgesamt sind in einem Jahr durchschnittlich 8,3 Prozent der Deutschen depressiv krank. Die Krankheit zeigt nicht nur unterschiedliche Symptome, sondern kann auch verschiedene Ursachen haben. 

In einer neuen, groß angelegten Studie hat eine Forschergruppe der Universität Illinois nun den Zusammenhang zwischen Depressionen und häufig verschriebenen Medikamenten untersucht. 

Die Forscher wollen bei mehr als 200 Medikamenten ein erhöhtes Depressions-Risiko erkannt haben

Die Wissenschaftler haben zwischen 2005 und 2014 bei mehr als 26.000 Erwachsenen den Gebrauch von Medikamenten analysiert. 

Alle Teilnehmer der Studie lebten in den USA und waren mindestens 18 Jahre alt. 

Die Ergebnisse dieser Studie wurden in der medizinischen Fachzeitschrift “JAMA” veröffentlicht.

Die Forscher wollen bei mehr als 200 Medikamenten ein erhöhtes Risiko für Depressionserkrankungen erkannt haben. Dazu gehören Herzmedikamente, Stereoide, Beruhigungsmittel, Antibabypille und einige Schmerzmittel.

Viele dieser Medikamente sind bekannte, häufig benutzte Mittel wie zum Beispiel das Schmerzmittel Ibuprofen oder Beta-Blocker, die gegen Bluthochdruck verschieben werden. 

Laut der Studie seien ungefähr 15 Prozent der Erwachsenen, die gleichzeitig drei oder mehr der untersuchten Medikamente einnahmen, an Depressionen erkrankt. Zum Vergleich: Die Depressionsrate betrug bei den Teilnehmern, die keine dieser Medikamente einnahmen, nur 4,7 Prozent.

Bei den Patienten, die nur ein Medikament einnahmen, lag die Rate wieder bei sieben Prozent. Nahmen die Teilnehmer zwei solcher Medikamente ein, stieg die Rate auf neun Prozent.

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Die Depressionsraten der Teilnehmer steigen bei der Anzahl der eingenommenen Medikamente

Diese Studie demonstriert erstmalig, dass diese Medikamente bei regelmäßigem Gebrauch und einer kombinierten Einnahme mit einer erhöhten Depressions-Rate einhergehen.

Bei einigen Medikamenten, wie bei der Antibabypille, sind Nebenwirkungen wie Depressionen wegen der hormonellen Wirkung der Pille naheliegend.

Doch viele betroffenen Heilmittel standen bisher nicht unter besonderem Verdacht, mit Depressionen zu tun zu haben.

Deshalb sollte sowohl bei den betroffenen Herz- und Lungenmedikamenten, als auch bei Schmerzmitteln weiter zu diesem Zusammenhang geforscht werden, fordern die Autoren der Studie.

Kausalzusammenhang zwischen Depressionen und Medikamenten nicht nachgewiesen

Patienten sollten jetzt allerdings nicht in Panik verfallen: Einen Kausalzusammenhang zwischen den betroffenen Medikamenten wie Ibuprofen und Depressionen konnte die Studie nicht herstellen.

Depressionen können nämlich, wie es der Arzt Srijan Sen der US Ausgabe der HuffPost erklärt, parallel zum Gebrauch von Medikamenten auftreten, müssen aber nicht unbedingt eine direkte Folge des Gebrauchs der Medikamente sein. 

Vielmehr könnten zum Beispiel manche Krankheiten, wegen derer der Patient die betroffenen Medikamente einnehmen muss, zu Depressionen führen. 

(lm)