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14/06/2018 15:09 CEST | Aktualisiert 14/06/2018 16:02 CEST

Neue Studie: Mandel-OP soll zu langfristigen Krankheits-Risiken führen

Kinder haben laut der Forscher nach einer Mandel-OP ein lebenslänglich erhöhtes Risiko für Infektionen der Atemwege.

FatCamera via Getty Images
Vielen Kindern wurden früher die Mandeln entfernt.
  • Früher wurden vielen Kindern wegen wiederkehrenden Entzündungen die Mandeln entfernt.
  • Eine internationale Forschergruppe hat jetzt untersucht, ob das frühe Entfernen langfristige Auswirkungen auf die Gesundheit hat.

Viele ältere Deutsche kennen die Prozedur: Nach wiederkehrenden Mandelentzündungen wurde sehr oft vorbeugend die Entfernung der Gaumenmandeln vorgenommen.

Nun hat eine Gruppe Forscher eine ernüchternde Entdeckung zu den Folgen der OP gemacht, die sie in der medizinischen Fachzeitschrift “JAMA” veröffentlicht haben.

Denn: Die Mandeln sind Teil des menschlichen Immunsystems und sollen den Körper vor Krankheiten schützen.

Wenn diese sich aber entzünden, kann es zu weiteren Beschwerden kommen, die mit Antibiotika behandelt werden müssen.

Wiederkehrende Entzündungen können zum Beispiel bei starker Vergrößerung der Mandeln die Atmung beeinträchtigen. Deshalb entfernten die Ärzte früher vorbeugend dieses Organ.

Ein Forscherteam bestätigt langfristige Auswirkungen einer Mandel-OP

Das internationale Forscherteam mit Mitgliedern der Universitäten von Kopenhagen und Yale erhob Daten von 1,2 Millionen Dänen zwischen 1979 und 1999. Bei 12.000 von ihnen wurden die Mandeln vor dem neunten Geburtstag entfernt.

Bei rund 17.500 Teilnehmern wurden die Rachenmandeln entfernt und bei 31.400 die Gaumen- und Rachenmandeln.

Die Forscher verglichen die Krankheitsverläufe der Teilnehmer, denen die Mandeln entfernt wurden, mit denen der Vergleichsgruppe, die das Organ noch besitzen.

Das Ergebnis: Die Mandeloperation hängt nach Auswertung der Forscher mit einem “deutlich erhöhten Risiko für spätere Erkrankungen der Atemwege” zusammen. 

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Kinder hätten nach einer Mandel-OP ein lebenslänglich erhöhtes Risiko für Infektionen der Atemwege

Diese Erkrankungen schließen unter anderem Asthma, Grippe, Lungenentzündung und chronisch-obstruktive Lungenerkrankung ein.

Menschen, bei denen die Gaumenmandeln als Kind entfernt wurden, hätten laut der Forscher bis zu ihrem 30. Lebensjahr “ein fast dreifach erhöhtes Risiko, an den Atemwegen zu erkranken”.   

Die Entfernung der Rachenmandeln wurde mit einem doppelten Risiko für Krankheiten wie Nasennebenhöhlen- und Halsentzündungen verbunden.

Das Forscherteam schlussfolgert deshalb, dass Kinder nach der Mandel-OP ein lebenslänglich erhöhtes Risiko für Infektionen der Atemwege hätten.

Die Mandeln sollten so spät wie möglich entfernt werden

Da die Mandeln als Teil des Immunsystems Erreger und Erkrankungen bekämpfen, kann das frühe Entfernen der Mandeln die Entwicklung des Immunsystems beeinträchtigen und zu weiteren Erkrankungen führen.

Da andere Faktoren auch für ein erhöhtes Krankheitsrisiko verantwortlich sein können und es weiterhin keine eindeutigen Beweise für den Zusammenhang von Operation und erhöhtem Krankheitsrisiko gibt, empfehlen die Forscher, die Vor- und Nachteile einer Mandel-OP sorgfältig zu untersuchen.

(lm)