POLITIK
18/04/2018 16:33 CEST | Aktualisiert 18/04/2018 22:07 CEST

Nach MDR-Eklat: Frauke Petry erklärt, wann es okay ist, “N****” zu sagen

Tahir Della von der Initiative Schwarze Menschen hält die Äußerungen der Ex-AfD-Chefin für "Unsinn".

dpa
Ex-AfD-Chefin Frauke Petry
  • “Darf man heute noch ‘Neger’ sagen?”, hat der MDR gefragt – und damit für reichlich Empörung gesorgt 
  • Frauke Petry war als Gast der betroffenen Sendung eingeladen – in der HuffPost äußerst sie sich nun zum Eklat

Ein Begriff hat am Dienstag für einen Eklat gesorgt: das N-Wort.

Ausgerechnet der öffentlich-rechtliche Sender MDR hatte mit einem Tweet und der Frage “Darf man heute noch ‘Neger’ sagen?” für eine Diskussionsrunde geworben. Das geplante Thema: “politische Korrektheit”.

Nach der Veröffentlichung hagelte es massive Kritik. Im Zuge dessen zogen auch zwei der vier geladenen Gäste ihre Zusage zurück, der MDR verschob die Sendung kurz vor der Ausstrahlung schließlich.

Die Ex-AfD-Chefin und jetzige Politikerin der Blauen Partei war eine der vier eingeladenen Diskutanten. Sie nimmt nun Stellung zur Debatte.

“Der verwendete Begriff ‘Neger’ ist hier nicht das Problem, denn das Thema der politischen Korrektheit geht weit darüber hinaus”, sagt Frauke Petry der HuffPost.

Petry: “Das Wort mit Diskriminierung und Rassismus abzutun, ist voreilig” 

“Politische Korrektheit, wie wir sie täglich erfahren, ist in vielen Teilen das Gegenteil von dem, was sie vorgeblich zu sein verspricht. Sie macht eine offene Diskussion oftmals unmöglich”, erklärt Petry ihre Position. Die Absage des MDR laut ihr dafür “ein Paradebeispiel”.

Die Empörung über den Tweet kann die Bundes- und sächsische Landtagsabgeordnete nicht nachvollziehen. “Der MDR hat sich bewusst ein polarisierendes Beispiel ausgesucht, dieses aber als Frage formuliert, die jeder für sich beantworten konnte. Wer damit ein Problem hat, wollte vielleicht nicht antworten”, erklärt Petry mit Blick auf ihre Mitdiskutanten.

► Sie sagt: “Das Wort ‘Neger’ mit Diskriminierung und Rassismus abzutun, ist voreilig. Wertet jemand den Menschen mit der Vokabel ab, dulde ich das nicht. Andernfalls halte ich die Reaktion oft für übertrieben, schließlich ist es vom Wort für schwarz ‘nigra’, abgeleitet.”

Demnach ist es also offenbar okay, das Wort, wenn es einen Menschen nicht abwerten soll.

Rechtskonservative sehen Sprechverbot

“Die Aussage von Frau Petry ist Unsinn”, entgegnet allerdings Tahir Della, Vorstandsmitglied und Sprecher der Initiative Schwarze Menschen (ISD) in Deutschland im Gespräch mit der HuffPost. Er sagt: “Das Wort ist definitiv rassistisch.”

Della sei in 30 Jahren kein Schwarzer begegnet, der das Wort nicht problematisch findet. Zwar leite sich der Begriff aus dem Lateinischen ab, “aber für den aktuellen Bezug ist das völlig irrelevant”.

Rechtskonservative fassen das jedoch als Sprechverbot auf. Auch deshalb brauche es aus Sicht von Petry “dringend eine Debatte über den Sinn- und Unsinn von politischer Korrektheit”.

Sie ergänzt: “Die politische Korrektheit wird viel zu oft als Vorwurf in den Raum geworfen, um eine Sachdiskussion reineweg auf die Moralebene zu ziehen, Meinungen und Menschen auszugrenzen und die Diskussion so kaputt zu machen.”

Keine Denkverbote, sondern respektvoller Umgang 

ISD-Sprecher Della findet: Das ist Quatsch.

“Es geht nicht um Denk- oder Sprechverbote, sondern schlicht um einen respektvollen Umgang miteinander.” Darüber müsse gesprochen werden. “Menschen, die ständig diskriminiert werden, haben einfach keine Lust mehr, von der Mehrheitsgesellschaft verhöhnt zu werden”, betont Della.

Er sieht aber auch den MDR in der Pflicht. Die Debatte müsse ebenso aus Sicht der Betroffenen geführt werden und nicht nur über sie.

Tatsächlich waren neben Petry drei weitere Personen mit weißer Hautfarbe zur Talk-Runde eingeladen: der konservative Publizist Peter Hahne sowie Linken-Politikerin Kerstin Köditz und der Politikwissenschaftler Robert Feustel.

“Wenn man Petry an den Tisch holt, muss man mindestens auch eine Person einladen, die aus eigener Erfahrung über Diskriminierung sprechen kann”, fordert Della.

Hinterher ist der MDR schlauer

Immerhin: Beim Sender ist die Kritik angekommen. “Dass wir keinen direkt Betroffenen eingeladen haben, ist schlecht gelaufen. Auf die Idee sind wir vorher einfach nicht gekommen. Zu diesem Fehler müssen wir stehen”, sagt Bernhard Holfeld der HuffPost.

Der Programmchef des für die Sendung verantwortlichen MDR-Sachsenradios gesteht, den Tweet mit dieser Frage zu beginnen sei “ungeschickt” gewesen. “Wir haben damit Menschen verletzt – das tut uns leid.”

Das Anliegen der Sendung sei gewesen, unterschiedlichste Klientel anzusprechen und die verschiedenen Filterblasen zu durchstechen.

Deshalb will der MDR eine Diskussionsrunde zum Thema “politische Korrektheit” auch nach der Absage unbedingt durchführen, betont Holfeld.