POLITIK
28/01/2018 10:51 CET | Aktualisiert 28/01/2018 13:40 CET

Wie Ex-ARD-Journalistin Krone-Schmalz Russlands Politik beschönigt

Der Bestseller ist ein reines Weißwaschprogramm für den russischen Präsidenten Wladimir Putin.

Reuters / HuffPost
Gabriele Krone-Schmalz und Wladimir Putin
  • Die Journalistin und Autorin Gabriele Krone-Schmalz hat ihr neues Russland-Buch vorgelegt
  • Doch darin führt sie ihre Leser mit argumentativen Hütchenspielertricks in die Irre

Das wichtigste Ziel der aktuellen russischen Propaganda im Westen: Den Unterschied zwischen Wahrheit und Lüge, zwischen Freund und Feind zu verwischen.

Es soll der Kompass der Menschen verstellt werden, bis sie am Ende nicht mehr zwischen Schwarz und Weiß unterscheiden können und alles grau sehen.

Es ist erstaunlich, wie stark sich das mit dem deckt, was die ehemalige ARD-Moskau-Korrespondentin und jetzige Autorin Gabriele Krone-Schmalz in ihrem neuen Buch “Eiszeit“ schreibt:

“Gut und Böse, Schwarz und Weiß, richtig und falsch. Das sieht nach eindeutigen Kategorien aus. Jedenfalls auf den ersten Blick. Auf den zweiten stellt sich heraus, dass es sehr unterschiedliche Kategorien von Schwarz und Weiß gibt (...). Richtig und falsch ist nicht so eindeutig, wie man es erwarten könnte.“

Lesern, die mit dem Thema Russland nicht vertraut sind, droht in der Tat eine Verschiebung der Maßstäbe bei Lektüre des Buches – und das ist ein Problem.

Die Autorin ist keineswegs unumstritten 

Die ebenso umstrittene wie prominente Frau war von 1987 bis 1991 ARD-Korrespondentin in Moskau.

Legendär ist eine Reportage, in der sie vor der Kamera in ihrem Cabrio aus Deutschland durch die russische Hauptstadt fuhr. Angesichts der damals massiven Wirtschaftskrise und weit verbreiteter sozialer Not hielten viele solchen offen zur Schau gestellten Luxus in einem armen Land für einen Affront.

Obwohl seitdem 26 Jahre vergangen sind, und sie mittlerweile im fernen Spanien eine Ferienanlage betreibt, ist Krone-Schmalz bis heute in den Talkshows von ARD und ZDF gefragt, wenn es um Russland-Themen geht.

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Dr. Gabriele Krone-Schmalz (zweite von links) in der ARD-Talkshow "Günther Jauch" am 08.02.2015 in BerlinThema der Sendung: Schicksalstage in Europa - Auf wen hört Putin noch? 

Mehr zum Thema: Gabriele Krone-Schmalz: Wer ist die deutsche Journalistin, die Putins Wahnsinn für legal hält?

Schon der Titel ist irreführend

Schon der Titel ihrer Buches trägt zur Desorientierung bei: “Eiszeit - Wie Russland dämonisiert wird und warum das so gefährlich ist.

In einem einzigen Satz führt Krone-Schmalz den Leser damit gleich vierfach in die Irre:

  1. Der Titel legt nahe, die “Eiszeit“ läge an einer vermeintlichen Dämonisierung Russlands. Sie liegt aber in erster Linie an Putins aggressiver Politik nach innen wie nach außen.

  2. Russland ist nicht gleich Putin. Kritik an Herrschern mit Kritik an den Beherrschten gleichzusetzen, ist das kleine Einmaleins des Relativierens oder Schönredens von Diktaturen.

  3. Putin wird zwar in Deutschland kritisiert, aber weitaus weniger als etwa Donald Trump oder die AfD. Putin wird auch viel Verständnis entgegengebracht. Pauschal von einer “Dämonisierung“ zu sprechen ist absurd.

  4. Gefährlich ist nicht Kritik im Umgang mit Diktatoren, sondern deren Schönreden.

Rhetorik und Argumentation ähneln der Putins

Auffallend groß sind die Schnittmengen zwischen dem russischen Staatschef und der Autorin in Rhetorik, Denkmustern und Argumentationslinien.

Wie der russische Präsident überrollt die frühere Journalistin ihre Leser regelrecht mit einer Unmenge von Fakten, Tatsachen, Aufzählungen und Zitaten.

Allein die Anmerkungen mit den Quellen umfassen mehr als 30 Seiten.

So entsteht oft schon angesichts der schieren Masse der Eindruck, die vorgetragenen Thesen müssten doch wohl irgendwie begründet sein – bei so vielen Fußnoten.

Doch dieser Eindruck führt in die Irre.

Denn die Autorin verwendet die oft weit hergeholten Fakten regelmäßig wie Nebelkerzen, um den klaren Blick auf das Gesamtbild zu verwischen – und die Aufmerksamkeit auf Nuancen zu lenken statt auf die zentralen Aspekte.

Schuld ist immer der Westen

► Von den knapp 260 Text-Seiten des Buches handeln gefühlt fast alle von den Fehlern des Westens.

Nur an wenigen Stellen wird kurz, karg und mit angezogener Handbremse aufgeführt, dass Moskau natürlich auch Fehler macht. Aber – man ahnt es schon – Schuld ist für Krone-Schmalz natürlich immer der Westen.

Und dass die USA, Deutschland und die anderen Länder, die wir heute unter diesem geographischen Begriff zusammenfassen, unzählige Fehler machen – niemand könnte Krone-Schmalz darin widersprechen. Ja, die Aufzählung könnte sogar viele Bücher füllen.

Aber die Autorin instrumentalisiert diese Fehler des Westens gebetsmühlenartig als Rechtfertigung und Relativierung für eine Diktatur:

  • Für ein Regime, das sein Nachbarland Ukraine angegriffen und Teile von diesem okkupiert hat.

  • Für ein Regime, das mit einem Verbündeten in Syrien massive Kriegsverbrechen begangen hat.

  • Für ein Regime, das für die Ermordung von Kritikern (mit)verantwortlich ist – wie den Poloniummord an Alexander Litwinenko 2006 in London. Oder für die Ermordung von fast 300 Zivilisten an Bord eines Flugzeugs über die Ostukraine 2014.

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Überreste der 2014 abgestürzten Maschine MH17. 

Das sind nur die krassesten Auswüchse von Putins Unrechtregime. Sie sind belegt. Durch UNO-Resolutionen, einen Richterspruch aus London oder die Ergebnisse niederländischer Ermittlungen.

► Doch genau diese Schlüsselmomente blendet Krone-Schmalz entweder ganz aus. Oder redet sie schön. Und verschwendet nur ein paar Zeilen darauf.

Russland wird geschickt als Opfer inszeniert 

Sie schreibt: “Wenn es gilt, Schuldige zu suchen, dann ist nichts so einfach wie in Russland fündig zu werden. Denn ‘denen’ kann man offenbar alles unterstellen, auch ohne Beweise liefern zu müssen.“

► Ein Hütchenspieler-Trick: Natürlich werden Putin auch Sachen vorgeworfen, die nicht nachweisbar sind. Aber dass eben auch genug – vor allem genug sehr Schwerwiegendes – nachweisbar ist, verschweigt Krone-Schmalz.

Eines der Grundmuster, das sich durch das Buch zieht, ist die Relativierung.

Das Buch gleicht einem Versuch, einen Gewaltverbrecher zu rechtfertigen, indem man nur über dessen schwere Kindheit spricht. Darüber, wie böse ihn seine Nachbarn behandelt haben. Wie unfreundlich und respektlos seine Kollegen mit ihm gewesen seien. Dass in der Justiz böse Menschen arbeiten. Und dabei die Taten ausblendet und schönredet. Am Ende bleibt hängen: Der arme Mann wurde ja regelrecht gezwungen zu töten.

Argumentative Nebelkerzen 

► Für Menschen, die sich nicht mit Russland auskennen, sind die argumentativen Nebelkerzen von Krone-Schmalz schwer zu durchschauen.

Etwa, wenn sie breit über die deutsche historische Verantwortung gegenüber Russland referiert.

Niemand würde das ernsthaft bestreiten.

Aber dass das heutige Weißrussland und die Ukraine am meisten unter den Verbrechen Hitler-Deutschlands gelitten haben, und die Bundesrepublik ihnen gegenüber eine mindestens eben solche Verantwortung hat, blendet Krone-Schmalz aus.

Ebenso wenig beleuchtet sie den Fakt, dass Stalin am Anfang des Zweiten Weltkriegs Komplize Hitlers war, und im Molotow-Ribbentrop Pakt just jene Teile Europas mit ihm aufteilte, in denen heute besondere Angst vor Putins aggressiver Politik herrscht. Auch das wischt Krone-Schmalz einfach beiseite.

Und tut damit eben das, was sie anderen vorwirft: Der deutschen Verantwortung – höflich ausgedrückt – nicht gerecht werden.

Diktatur und Demokratie werden gleichgesetzt

Doch die Autorin geht noch weiter.

Sie schreibt:

“Doch selbst wenn man eine historisch begründete, besondere deutsche Verantwortung für Russland ablehnt, sollten gegenüber Russland wenigstens dieselben Standards gelten wie gegenüber dem Rest der Welt. Aber das ist nicht der Fall. Kein Mensch käme auf die Idee – nehme ich an – mir vorzuwerfen, dass ich German Marshall Fellow war und auf Kosten der Amerikaner eine Woche durch die USA reisen konnte (…) aber was wäre, wenn ich ein vergleichbares Angebot aus Russland genutzt hätte?“

Das sind zwei Manipulationen in einem Absatz:

► Assoziativ drängt Krone-Schmalz dem Leser damit den Schluss auf, wer Putins Politik kritisiere, lehne historische Verantwortung gegenüber Russland ab.

► Und sie setzt damit Diktatur und demokratisches System unterschwellig gleich.

Der Leser muss schon innehalten, um die angeregte, irreführende Assoziationskette zu stoppen: Es ist ein Unterschied, ob man Geld oder Leistungen von einer demokratischen Organisation aus einem freien Land annimmt und danach kritisch darüber berichtet.

Oder eben von einem diktatorischen System, sei es nun der Sowjetunion oder der DDR, Pinochets Chile oder Putins Russland.

Umso problematischer werden solche Gunsterweisungen, wenn danach eine sehr freundliche Berichterstattung folgt.

Irreführende Suggestivfragen

In die Irre führende Suggestivfragen sind ein häufiges Stilmittel in Krone-Schmalz Buch.

Etwa: “Welche Belege gibt es eigentlich dafür, dass der Kreml danach strebt, sich die baltischen Staaten einzuverleiben? Wäre es überhaupt in seinem strategischen Interesse?“

Um diese Frage beantworten zu können, müsste der Leser etwa erfahren, dass Moskau in Manövern Angriffe auf das Baltikum übt(und daneben auch auf Deutschland), bis hin zu wiederholten Scheinangriffen und Drohungen russischer Politiker.

Vasily Fedosenko / Reuters
Weißrussische Mi-8 Hubschrauber während des Militärmanövers Sapad-2017. 

Mehr zum Thema: Russlands Militärmanöver “Sapad” ist im vollen Gange - ein Ex-Soldat erklärt, was Putins eigentliches Ziel ist

Wichtig wäre bei der Frage nach Putins strategischem Interesse auch der Hinweis, dass er seit mehr als zehn Jahren konsequent auf außenpolitische Abenteuer setzt und auf Aggression. Und dass etwa die Nato ihrerseits eben nicht solche Angriffe auf Moskau übt.

 

Verdrehen der Tatsachen

► Zitat: “Wie kommt es, dass kaum ein Tag vergeht, ohne dass die russischen Untaten angeprangert werden?“

Abgesehen davon, dass dies nicht stimmt (vielleicht verwechselt Krone-Schmalz Russland mit Trump, der wirklich fast täglich angeprangert wird): Könnte das häufige Anprangern von Untaten nicht damit zu tun haben, dass häufig welche begangen werden? Diese naheliegende Antwort blendet Krone-Schmalz aus.

► Zitat: “Wenn nur Russland dopt, warum gewinnen dann andere auch?“

Diese Suggestivfrage ist etwa so sinnvoll wie wenn man fragen würde: „Wenn nur Russland Nachbarländer okkupiert, warum haben dann andere Staaten auch große Territorien?“

Klar gibt es auch Doping-Fälle bei Sportlern aus anderen Ländern. Wer würde das bestreiten?

Aber ein Staatsdoping, das von oben angeordnet wird, bei dem der Geheimdienst Ermittler behindert – das hat eine völlig andere Dimension. Und die Beweise gegen Russland sind erdrückend, bis hin zu mysteriösen Todesfällen im Zusammenhang mit dem russischen Doping-Skandal

Panikmache der Regierung wird konsequent ausgeblendet

► Zitat: “Entspringt Moskaus Angst vor neuen US- und Nato-Basen an seinen Grenzen wirklich nur einer typisch russischen ‘Paranoia’?“

Um sich eine Antwort auf diese Frage zu bilden, müsste der Leser, der sich in Russland nicht auskennt, etwa wissen, wie die historisch durchaus verankerte Angst der Menschen in Russland tagtäglich paranoid angefacht wird von den gesteuerten Medien.

Krone-Schmalz blendet das massive Schüren von Kriegsangst und die enorme Militarisierung aus – bei der schon Kinder auf das Sterben für Putin und Vaterland eingeschworen werden

“Wie soll es weitergehen?“

Der Leser erfährt nicht, welche wirklich irrationalen Züge das Schüren der Ängste inzwischen angenommen hat:

► Etwa wenn die Regierungszeitung berichtete, man habe einen Geheimapparat entwickelt, mit deren Hilfe man in den Kopf von US-Außenministern eindringen und dort deren feindliche Gedanken gegenüber Russland entdeckt.

► Und wenn Politiker bis zum Präsidenten sich dann öffentlich und lautstark auf solche Informationen beziehen.

Krone-Schmalz hinterfragt auch nicht, ob die Angst, die Nato könne Russland überfallen, wirklich real ist – oder ob die einzige Gefahr, die vom Westen ausgeht, nicht die für die Diktatur und die Kleptokraten ist, die am System Putin hängen.

Wie soll es weitergehen?“, fragt die Autorin:

“Immer mehr Nato-Soldaten und schweres Militärgerät an die Grenze Russlands rücken, um Moskau ein deutliches Signal zu senden und dem Sicherheitsbedürfnis in Polen und den baltischen Staaten Rechnung zu tragen? (…) Was ist mit der Angst der Menschen im Westen und in Russland vor einem heißen Krieg? Will den jemand? Kann der einfach so passieren? Weil Missverständnisse in einer Atmosphäre des Säbelrasselns eine Eigendynamik entwickeln, die sich nicht mehr einfangen lässt?“

Die Methode Krone-Schmalz

Die erwähnte Passage ist typisch für die Methode Krone-Schmalz:

► Man nehme einen Schuss berechtigter Argumente, verzerre sie dann, verschweige wesentliche Informationen (hier: dass der Westen nur einen Bruchteil der Truppen an die russische Grenze bringt wie Russland selbst), setze dann Russland und den Westen gleich, unterstelle Unsinniges (“Säbelrasseln“) und appelliere an die Ängste der Menschen.

► Die Geschichte lehrt genau das Gegenteil von dem, was Krone-Schmalz hier suggeriert: Wegschauen und Wegducken vor Diktatoren führt zum Krieg.

Und Balten und Polen haben gute Gründe für ihre Angst – nicht nur aufgrund ihrer Geschichte, sondern wegen der ständigen Drohungen aus Moskau (während niemand im Westen Russland mit einem Einmarsch droht).

“In Moskau entstand der Eindruck, der Westen drücke Moskau in die Rolle eines Juniorpartners“, klagt die Autorin mit Blick auf die Zeit nach dem Zerfall der Sowjetunion.

Die Autorin macht sich die Denkweise Putins zu eigen

Die Passage zeigt, wie weit Krone-Schmalz die Denkweise von Putin und seinen KGB-Genossen im Kreml übernommen hat: Russland war damals in einem desolaten Zustand, und mit einer Rolle als Juniorpartner gut bedient.

► Die milliardenschweren Finanzhilfen, die riesige Unterstützung aus dem Westen? Mit solchen Details lässt sich die Autorin die Saga vom dauer-erniedrigten und immer-beleidigten Russland nicht miesmachen. 

Krone-Schmalz zählt auch auf, was Russland alles durch den Verlust der Sowjetunion verloren hat. Die Aufzählung klingt so, als habe der Westen Moskau das alles weggenommen. Ohne Hinweis auf die Befreiung. Im Vorbeigehen spricht die Autorin dabei den nichtrussischen Nachfolgestaaten der Sowjetunion de facto ab, überhaupt richtige Nationen zu sein.

Wichtige Informationen werden verschwiegen

Zum Georgien-Krieg 2008 zitiert die Autorin irreführend die Leiterin der Factfinding-Mission der EU, Heidi Tagliavini, mit den Worten, es sei Georgien gewesen, das den Krieg begonnen hat.

Das ist zwar korrekt – aber es ist inkorrekt, wegzulassen, dass der Bericht zu dem Schluss kam, dass beide Seiten Verantwortung tragen und dass Russland Georgiens Eingreifen provoziert hat – wie es die “Zeit” In einer Überschrift auf den Punkt brachte: “Russland hat provoziert, Georgien geschossen.“ 

David Mdzinarishvili / Reuters
Russische Soldaten verlassen die georgische Stadt Gori im August 2008

Beim flüchtigen Leser könnten ihre Ausführungen zum Georgien-Krieg den Eindruck erwecken, Georgien habe damals Russland angegriffen.

Dabei ging der Staat gegen eine abtrünnige, von Moskau massiv unterstützte Teilrepublik militärisch vor – was genauso zu verurteilen ist wie das ähnliche, nur weitaus brutalere Vorgehen Moskaus gegen die abtrünnigen Tschetschenen.

► Solche einordnenden Informationen sucht der Leser vergeblich – dafür werden Moskaus massive, lang anhaltende Versuche, die Lage in Georgien wie in anderen Nachbarrepubliken zu destabilisieren, ausgeblendet.

► Auch mit Zahlenwerken führt die Autorin die Leser in die Irre. So wirft sie etwa der ARD Volksverdummung vor, weil es den russischen Rüstungsetat als “vergleichsweise hoch“ bezeichnet. Genau das stimmt aber: Russland gab 2016 – nach den offiziellen Daten, die manche Experten für geschönt halten – 69,2 Milliarden US-Dollar für Rüstung aus.

Das sind in dem wirtschaftsschwachen Land 5,3 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP). Der deutsche Rüstungsetat betrug mit 41.1. Milliarden nur 1,3 Prozent des BIP. “Vergleichsweise hoch“ war also eine korrekte Einschätzung der ARD, und nicht sie ist es, die hier “Volksverdummung“ betreibt. 

Die Liste von derart irreführenden Informationen aus dem Buch ließe sich schier endlich fortsetzen.

Zerrbild der russischen und internationalen Politik

Doch Krone-Schmalz liefert nicht nur ein Zerrbild der russischen und internationalen Politik.

► Sie verzerrt auch die Realitäten in Deutschland: “Mit der größten Zustimmung könne rechnen, wer die schlimmste Prognose über Putins Absichten ausstellte“, schreibt sie.

Dabei ist das Gegenteil der Fall. So tun sich Putin-Kritiker eher schwer, in Fernseh-Talkshows zu kommen, während Krone-Schmalz und Putins Propagandisten dort regelmäßig auftreten.

► Weiter schreibt Krone-Schmalz: “Diejenigen, die nicht in das ‘Kreuzigt ihn’ einstimmen, werden der Propaganda bezichtigt.“

Auch diese Aussage stimmt nicht. Der Propaganda wird nicht bezichtigt, wer nicht in ein “Kreuzigt ihn“ einstimmt, sondern wer Putin konsequent schönredet, verharmlost und die Kreml-Narrative fast eins zu eins übernimmt. 

“Für eine Demokratie ist es fatal“, klagt Krone-Schmalz, “wenn jemand, der auch die russische Perspektive zu beleuchten versucht, in den Verdacht gerät, ‘im Auftrag’ zu handeln oder bestenfalls ein nützlicher Idiot einer Propaganda-Maschine zu sein.“

Die Autorin verwischt hier die Begriffe. Die russische Perspektive zu beleuchten, ist sinnvoll, ja unbedingt notwendig. Aber es ist etwas Anderes, als sie zu übernehmen und für sie zu werben.

► Dass sich Krone-Schmalz in die Opfer-Rolle drängt, ist dreist. Massiv attackiert, denunziert und verleumdet, bis hin zu Morddrohungen und Polizeischutz, werden in Deutschland nicht Putin-Verteidiger, sondern Putin-Kritiker.  

Auftragsarbeit?

► Kritiker sehen Krone-Schmalz nicht in der Rolle des Opfers, sondern der Nutznießerin. So war sie in der Vergangenheit schon häufiger als Rednerin und Moderatorin für kremlnahe Unternehmen tätig. 2006 geriet sie dafür erstmals öffentlich in die Kritik.

► Der Buchautor Jürgen Roth warf ihr vor, Abhängigkeitsverhältnisse verschleiern zu wollen: “Man kann sich nicht von Unternehmen, die von Geschäften mit dem Kreml profitieren, bezahlen lassen, das verschweigen und dann als unabhängige Journalistin auftreten“, so Roth.

Konkret ging es damals unter anderem um einen Vortrag für eine Gasprom-Tochter. Krone-Schmalz konterte damals im „Focus“: “Hier geht es um gezielte Rufschädigung. Ich richte meine Vorträge nie nach der Klientel oder dem Interesse des Veranstalters aus.“ 

Eine bezahlte Tätigkeit für russische Staatsunternehmen und deren Tochtergesellschaften dementierte sie allerdings nicht. 

Wenn Krone-Schmalz anderen vorwirft, Putin zu dämonisieren, muss sie sich den Vorwurf gefallen lassen, dass ihr Buch ein fulminantes Weißwaschprogramm für den Kremlchef ist: Vorwäsche, Weichspülung, Bleichen und Schleudern (des Lesers) inklusive.

Warum bringt der C.H. Beck Verlag eine Putin-Bibel heraus? 

Bleibt die Frage, warum der altehrwürdige Münchner C.H. Beck Verlag so eine Putin-Bibel herausbringt?

Das Konterfei der Autorin mit ihrer allseits bekannten Markenfrisur und die stramme Putin-Unterstützung sicherte zwar den Verkaufserfolg – und einen Platz ganz oben auf den Bestsellerlisten.

Für das Renommee des Haues dagegen bieten Werk und Autorin Risiken.

Das sahen offenbar auch die Verantwortlichen in der Programmdirektion bei Beck so.

Denn es ist auffallend, dass der Verlag neben dem Werk von Krone-Schmalz gleich mehrere Bücher zum Thema Russland von renommierten Autoren ins aktuelle Programm genommen hat:

► Mit so einer breiten Meinungspalette wird der Verlag zumindest dem Anspruch des Pluralismus gerecht.

Schade nur, dass dann offenbar doch der Mut fehlte, im Buch von Krone-Schmalz auch für die anderen themenverwandten Werke zu werben – wie das sonst oft gemacht wird.

Mehr zum Thema: Offener Brief des Slawistik-Professors Mathias Freise an Krone Schmalz

(mf)