POLITIK
09/09/2018 22:45 CEST

Nazi-Rede in Köthen: Rechter brüllt über "Rassenkrieg" und stachelt Menge auf

Es sollte ein “Trauermarsch” werden. Es wurde zur rechtsextremen Hassrede.

Screenshot
Ein Mann in Köthen brüllte am Abend rechtsextreme Parolen in ein Mikrofon. 
  • In Köthen wurde am Samstagabend ein Mensch getötet – und schon am Sonntag reisten rechte Demonstranten in der Stadt. 
  • Ein Journalist fing die Rede eines der rechten Redelsführer ein und offenbarte die rechtsextreme Ideologie hinter dessen Erscheinen in Köthen. 

Es sollte ein “Trauermarsch” werden. Ein “Trauermarsch”, zu dem Rechte und Nazis in der Stadt Köthen aufgerufen hatten, nachdem dort in der Nacht zum Sonntag ein 22-jähriger Mann bei einem eskalierenden Streit getötet wurde

Die Polizei hatte in Folge des Verbrechens zwei Afghanen festgenommen. Es besteht der Tatverdacht auf ein Tötungsdelikt. Wie die Staatsanwaltschaft mitteilte, werde wegen Körperverletzung mit Todesfolge ermittelt. 

Rechtsextreme, wie etwa die Nazi-Partei “Die Rechte” riefen also zum “Trauermarsch” nach Köthen. Was fort aber am Sonntagabend geschah, hatte mit Trauer – wie schon in Chemnitz – wenig zu tun. 

Parolen wie “Nationalsozialismus jetzt” oder “frei sozial und national” wurden von Teilnehmern der Demonstrationen gerufen.

Besonders drastisch war jedoch ein Moment, den der “taz-“Journalist Martin Kaul filmte. Ein Teilnehmer des Aufmarschs der Rechten hielt eine Brandrede, in der er unverblümt rechtsextreme Parolen in die Menge rief. 

Thügida-Chef in Köthen flucht über die “unddeutsche Schweinepresse”

“Mittlerweile jede Woche Mord, Totschlag und Beleidigung”, hört man den Mann schreien, während sich Kaul durch eine Menge drückt, in der auffällig viele Glatzköpfe stehen. 

“Und diese undeutsche Schweinepresse schweigt”, ruft der Mann, den die Nachrichtenseite “Buzzfeed” später als David Köckert, den Chef der rechtsradikalen Vereinigung Thügida, identifiziert. 

“Lügenpresse”-Rufe hallen über den Platz. Dann steht Kaul vor dem Mann – und es wird richtig wild. 

Köckert lügt, dass es in Chemnitz keine Hitlergrüße von Rechtsextremen gegeben habe. Von einem “linken Lumpenpack” dröht der Rechtsextreme, das tausend Mal schlimmer sei, als zu DDR-Zeiten. 

Es seien in Köthen gerade keine Hetzer und Neonazis auf der Straße, schreit Köckert dann mit gehetzter Stimme ins Mikrofon. Es seien Familienväter und -mütter. 

Und dann beginnt der Thügida-Chef, rechtsextremes Gedankengut auszuschütten. 

Rechtsextrem brüllt: “Wollen wir zu Wölfen werden und sie zerfetzen?”

Der Staat in der Bundesrepublik sei nur ein “Marionettenstaat”, brüllt der wegen Volksverhetzung vorbestrafte Köckert. 

Dann droht er mit einer verdächtig volksverhetzenden Aussage: “Das einzige was funktioniert, ist, wenn man diesen scheiß P... wenn ihr vor deren Türen auf sie wartet und denen genau das gebt, was sie uns zumuten. Auge um Auge, Zahn um Zahn.” 

Am 9. November sei ein Schicksalstag für Deutschland, sagt Köckert. Ein Tag, an dem Merkel hoffentlich aus dem Amt gejagt werde. 

Andere Völker würden nicht friedlich mit den Deutschen leben wollen, brüllt der Rechtsextreme dann wieder. “Also, Auge um Auge, Zahn um Zahn!” 

Anschließend fabuliert er über die angeblichen Vermehrungsraten von Ausländern in Deutschland, über die Islamisierung des Landes.

“Wir haben mittlerweile 8 Milliarden Menschen auf der Welt”, geifert Köckert und doziert dann offen nationalsozialistische Rassenlehre, “Wie viele sind davon noch weiß? Zwischen 300 und 400 Millionen. Wir sind mittlerweile eine Minderheit – aber eine Minderheit, aber eine mit Fäusten, die sich wehren wird!”

Köckert dreht jetzt frei, die Hassrede ist im vollen Gange. “Es ist Krieg, ein Rassenkrieg gegen das deutsche Volk”, brüllt er. “Wollen wir weiter Schafe sein oder wollen wir zu Wölfen werden und sie zerfetzen?“

Das vorgebliche Gedenken an einen Toten ist der blanken Hassrede gewichen. Die Menge jubelt. Die Polizei schreitet nicht ein. 

Das gesamte Video von Martin Kaul aus Köthen könnt ihr unten sehen: