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17/05/2018 18:22 CEST

"National Geographic" warnt mit genialem Cover vor der Zerstörung der Erde

Plastik ist überall und zerstört uns und die Erde.

  • Das aktuelle Cover von “National Geographic” zeigt einen vermeintlichen Eisberg, der sich unter der Wasseroberfläche als Plastiktüte entpuppt.
  • Das Magazin will damit auf das gigantische Plastikmüllproblem aufmerksam machen, das den gesamten Planeten gefährdet.

Ein Eisberg, der aus dem Ozean ragt. Es könnte ein anmutiger Anblick sein – doch unter der Meeresoberfläche verbirgt sich nicht noch mehr Eis, sondern eine Plastiktüte.

► Die Illustration des mexikanischen Künstlers Jorge Gamboa ist schon ein paar Jahre alt – die Botschaft dahinter aktueller denn je.

Mit dem Juni-Cover warnt das Magazin “National Geographic” vor den verheerenden Folgen, die Plastik und Plastikmüll für unseren Planeten, für Tiere, Menschen und Natur haben.

“Die 18 Milliarden Plastikteile, die jedes Jahr im Ozean enden, sind nur ‘die Spitze des Eisbergs’”, steht neben dem Cover. 

Mit “Planet oder Plastik?” startet “National Geographic” eine Kampagne, die darauf abzielt, die weltweite Abhängigkeit von Einwegplastik zu reduzieren.

Im Zuge dessen hat National Geographic auch die sonst üblichen Plastikverpackungen des Magazins in den USA, Großbritannien und Indien gegen Papier getauscht.

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“Wird der Verzicht auf eine Plastikhülle den Planeten retten? Nein. Aber es ist ein Beispiel für eine relativ einfache Aktion, die jede Firma, jede Regierung und jede Person durchführen kann”, schreibt Chefredakteurin Susan Goldberg.

Ein Großteil unseres Plastiks landet im Meer – mit verheerenden Folgen

“Und wenn wir das alles zusammenfügen, kann sich wirklich etwas ändern”, schreibt Goldberg.

Plastikabfälle sind ein massives Umweltproblem.

► 9,6 Millionen Tonnen Plastik verbrauchen wir in Deutschland jedes Jahr. Das sind rund 130 Kilo pro Kopf.

► Weltweit ist der Kunststoffverbrauch in den letzten Jahrzehnten massiv angestiegen. Waren es in den 1950er Jahren noch 1,7 Millionen Tonnen, hat sich das Ganze bis 1989 nahezu um das Hundertfache gesteigert. Im Jahr 2012 waren es schon 288 Millionen Tonnen.

Daniela Dirscherl via Getty Images
75 Prozent des Mülls, der in den Ozeanen landet, ist Plastik.

In der Europäischen Union werden nur knapp 30 Prozent des Plastikmülls zur Wiederverwertung gesammelt, die übrigen 70 Prozent landen auf Müllkippen, in Verbrennungsanlagen oder in der Umwelt, vor allem in den Meeren, wo die Abfälle Tiere verletzen und töten. 

Mehr zum Thema: Ich unterstütze weltweit Menschen im Kampf gegen den Plastikmüll - von Deutschland bin ich sehr enttäuscht

Alle Plastikteile, die bislang hergestellt wurden, sind immer noch irgendwo auf unserem Planeten. Und jedes Jahr kommen Millionen Tonnen dazu.

Und das meiste davon landet irgendwann im Meer.

► 75 Prozent des Mülls, der in den Ozeanen landet, ist Plastik, wie der Naturschutzbund Deutschland (NABU) berichtet. ) Allein in Deutschland landet jede Minute eine ganze Tonne Plastik im Meer.

Plastik ist überall

Laut dem Umweltprogramm der Vereinten Nationen (UNEP) treiben auf jedem Quadratkilometer Meeresoberfläche bis zu 18.000 Plastikteile unterschiedlichster Größe, der WWF spricht sogar von bis zu 46.000.

Und das ist nur der sichtbare Teil des Müllbergs. Denn über 70 Prozent des Plastikmülls sinkt auf den Meeresgrund.

Und die Müll-Mengen lassen sich nicht biologisch abbauen. Ein Joghurtbecher beispielsweise braucht 500 Jahre um sich zu zersetzen.

enviromantic via Getty Images
Meerestiere sterben durch Plastikmüll

Fische, Meeresschildkröte, Wale und Delfine verheddern sich in Plastiknetzen oder ersticken an Plastikmüll und verenden qualvoll.

Auch Mikroplastik belastet Meerestiere, vor allen Dingen Austern, Muscheln und Krebstiere.

Plastik ist nahezu überall. Und, ohne es zu merken, essen wir es, trinken es und atmen es ein. Und gelangen die winzigen Partikel in den menschlichen Körper, kann das unsere Gesundheit gefährden.

Besonders bedenkliche Bestandteile von Plastikprodukten sind Weichmacher und Bisphenol A. Sie können gefährliche Folgen für Fortpflanzung, Stoffwechsel, das Immunsystem sowie neurologische Folgen haben.

Mehr zum Thema:So nimmt jeder täglich eine bedenkliche Menge Plastik zu sich, ohne es zu merken

Plastik gefährdet unseren Planeten und unsere Gesundheit. So langsam kommt das auch bei Regierungen auf der ganzen Welt an.

Die EU hat ein umfangreiches Paket im Kampf gegen Plastikmüll beschlossen

Anfang des Jahres hatte die EU-Kommission ein umfangreiches Maßnahmenpaket im Kampf gegen Plastikabfälle in Europa angekündigt.

► Bis 2030 sollen alle Plastikverpackungen wiederverwertbar sein. Das kündigte EU-Kommissionsvizepräsident Frans Timmermans am Dienstag an.

► Die Beimengung von Plastikpartikeln in Kosmetika und Waschmitteln soll unterbunden werden.

► In Häfen sollen Abfallannahmestellen für Schiffe vorgeschrieben werden. Denn 20 bis 40 Prozent der Abfälle in den Ozeanen würden von Schiffen stammen, erklärte die Kommission.

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Großbritannien hat im April angekündigt, Plastikstrohhalme zu verbieten, in zahlreichen Ländern der Welt werden Plastiktüten in Supermärkten verboten.

All das sind wichtige Schritte in die richtige Richtung. Aber sie reichen nicht aus. 

Wenn nicht bald Menschen auf der ganzen Welt ihr Konsumverhalten radikal ändern, schwimmen um Eisberge bald mehr Plastiktüten als Meerestiere.

(jg)