POLITIK
21/01/2018 15:31 CET | Aktualisiert 21/01/2018 19:23 CET

Die Stimmung beim SPD-Parteitag drohte zu kippen – dann polterte Nahles los

"Wir werden verhandeln, bis es quietscht auf der anderen Seite!"

  • SPD-Fraktionschefin Nahles wirbt in Bonn energisch für eine GroKo
  • Vielleicht rettet sie ihrem Parteichef mit dem Auftritt den Hals
  • Im Video oben seht ihr die Rede der Fraktionsvorsitzenden

Die SPD-Fraktionsvorsitzende Andrea Nahles betrat die Bonner Bühne wohl genau zur richtigen Zeit. Denn die Stimmung im World Conference Center am Rheinufer der alten Bundeshauptstadt drohte zu kippen.

Für den Parteivorstand der SPD geht es an diesem Sonntag nicht nur um die Frage, ob die Sozialdemokraten Koalitionsverhandlungen mit der Union eingehen. Es geht auch ein Stück weit um die legitime Führung der SPD.

Und an diesem Sonntagmittag lief viel gegen die Großen der Partei. SPD-Chef Martin Schulz vermochte kaum, die SPD-Mitglieder mit seiner Rede von einer Großen Koalition zu überzeugen. Auch der Hamburger Bürgermeister Olaf Scholz bekam für seinen GroKo-Appell eher verhaltenen Beifall.

Stattdessen trommelten die Gegner von Schwarz-Rot mit leidenschaftlichen Kurzvorträgen gegen die GroKo. Der “Zwergenaufstand”, den die CSU den Jusos spöttisch vorgeworfen hatte, wurde Realität – und der SPD-Führung höchst bedrohlich.

Dann kam Nahles – und brannte am Rednerpult ein kleines Feuerwerk ab. 

“Was hat das mit dem blöden Dobrindt zu tun?”

Der Wunsch nach einem Linksbündnis, den viele SPD-Mitglieder noch hegen würden, sei utopisch, erklärte Nahles bestimmt. “Das is doch Blödsinn, verdammt nochmal!”, rief sie aufgebracht.

“Die Bürger zeigen uns den Vogel!”, polterte die Fraktionsvorsitzende weiter. “Die werden sagen, ach, die SPD macht jetzt nur noch Politik, wenn sie absolute Mehrheit bekommt. Oder sie setzt auf ein wackeliges Linksbündnis, das gesellschaftlich und parlamentarisch keine Mehrheiten hat.”

Stattdessen müsse die SPD so viel wie möglich in den Verhandlungen mit CDU und CSU rausholen. “Wir werden verhandeln, bis es quietscht auf der anderen Seite”, rief Nahles.

Eine Erneuerung der Partei sei nicht mit Oppositionsarbeit gleichzusetzen. Es gehe gar nicht um den Koalitionspartner, sondern um die eigenen Fehler. Nahles fragte unter Jubel: “Was hat das mit Merkel oder dem blöden Dobrindt zu tun?” 

Plötzlich kochte der Saal. Selten hat die GroKo in den vergangenen vier Jahren so begeistert.

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Stegner: “Glaubt ihr Scheuer mehr als mir?”

Und SPD-Vize Ralf Stegner nahm den Ball auf und schaltete auf Angriff.

Mit der SPD werde es niemals eine Obergrenze für Flüchtlinge geben, polterte Stegner. Er wandte sich an die Delegierten: “Glaubt ihr dem Scheuer oder dem Dobrindt mehr als mir?” 

Stegner wies auf die Verantwortung seiner Partei hin. “Wollen wir den Dobrindts, den Spahns, den Lindners unser Land überlassen?”, fragte der SPD-Vize.

Es war ein anderer Wind, als er noch vor wenigen Minuten durch die Bonner Konferenzhalle geweht hatte. Auf einmal schien auch die GroKo-Kampagne wieder im Aufwind.

Schulz – das steht fest – muss es seiner Fraktionschefin danken.

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(ll)