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19/02/2018 18:47 CET | Aktualisiert 19/02/2018 18:47 CET

Nachhaltigkeit im Schleudergang

 Im Bad gehören die Waschmaschine, das Warmwasser und der Wäschetrockner zu den größten Energieverbrauchern. Vor diesem Hintergrund ist es wichtig, sich mit dem ganzheitlichen Denken im Sinne einer Life-Cycle-Orientierung zu beschäftigen sowie Argumente und Ergebnisse zu nachhaltigen Produktinnovationen zu prüfen. Die Verbrauchswerte von Waschmaschinen wurden seit den 1970er-Jahren stark gesenkt, schreibt Sylvia Wölfel in ihrer Dissertation „Weiße Ware zwischen Ökologie und Ökonomie“, die sich u.a. mit Praktiken der Produktentwicklung in Ost- und Westdeutschland angesichts der Herausforderung beschäftigt, dass ökologische Folgewirkungen von Technikentwicklung unbedingt mitbedacht werden müssen. Haushaltsgroßgeräte, deren Fertigung, Nutzung und Entsorgung unweigerlich Umweltkosten verursachen, sind nach Ansicht der Wissenschaftlerin keine Umweltschutztechnik (auch wenn dies die Hersteller gern kommunizieren). Neben Alltagstipps, die jeder leicht umsetzen kann, braucht es auch präzise Fragen seitens der Konsumenten – Nachhaltigkeit light ist ein guter Anfang, genügt aber längt nicht mehr. Unsere Urteilskraft wird vor allem mit Hilfe jener geschult, die sich tiefgreifend mit Nachhaltigkeitsprozessen und Fragen wie diesen beschäftigen: Hat die Weiße Ware heute eine weiße Weste? Welche grundlegenden Probleme sind mit der Entwicklung der Haushaltsgeräte verbunden, wenn neben effizienten Verbrauchswerten auch ihr Lebenszyklus in den Blick genommen wird?

Die folgenden Tipps sind den meisten bekannt, aber das Einfache ist oft ein guter Türöffner, um in die komplexe Welt der Nachhaltigkeit einzutreten:

  • Eine energieeffiziente Waschmaschine spart nicht nur Strom, sondern auch Wasser – und damit bares Geld.
  • In einigen konventionellen Waschmittelmarken finden sich als Enthärter schwer abbaubare und für Wasserlebewesen giftige Phosphonate. Greenwashing von echten Alternativen zu unterscheiden, ist allerdings nicht leicht, was daran liegt, dass die EU-Ökoverordnung ausschließlich für Lebensmittel gilt. Der Bundesverband Naturkost Naturwaren hat Kriterien für ökologische Wasch und Reinigungsmittel festgelegt, die nur gentechnikfreie Enzyme erlauben, mehr biologische Abbaubarkeit als der Gesetzgeber fordern und viele problematische Stoffe ausschließen.
  • Flüssige Öko-Universalreiniger eignen sich für fast alle Gewebearten und Waschtemperaturen. Natürliche Milchsäure reduziert Kalkablagerungen und erspart den Enthärter.
  • Waschmittel und -maschinen sind heute so effizient, dass leicht verschmutzte und verschwitzte Kleidung schon bei 20–30 °C sauber wird. Verschmutzungsgrad und empfohlene Waschtemperatur: leichte Verschmutzung (40 Grad), starke Verschmutzungen (60 Grad), Kranken-Bettwäsche (95 Grad), Hygienespülmittel für keimfreies Waschen (40 Grad).
  • Es sollte notfalls mit reduzierter Wassermenge gewaschen oder ein Expressprogramm gewählt werden.
  • Besonders umweltschonend ist ein Baukastensystem, bei dem Waschmittel, Enthärter und Bleiche getrennt zum Einsatz kommen (Waschmittel nach Verschmutzung dosieren, Enthärter nach Wasserhärte und Bleiche bei Bedarf). Statt Bleiche können aber auch Zitronenscheiben in einem Stoffbeutel mitgewaschen werden.
  • Die Flusenfilter sollten nach jedem Durchgang gereinigt werden, um die Luftzirkulation zu verbessern.
  • Das Abkühl- und Lüftungsprogramm sollte genutzt werden, um die Kleidung mit der eigenen Restwärme zu trocknen. Am besten ist es jedoch, die Wäsche einfach aufzuhängen – im Garten oder auf einem Ständer in der Wohnung.
  • Wenn die Wäsche nicht an der Luft getrocknet werden kann und ein Trockner eingesetzt wird, sollte vorher gut geschleudert werden, denn es verbraucht viel weniger Energie als Trocknen.
  • Die Wäsche in der Trommel sollte ähnlich beschaffen sein: dünne Shirts, die mit dicken Handtüchern trocknen, sind beispielsweise zu lange der Hitze ausgesetzt und können einlaufen. Das Gerät sollte gut gefüllt (Herstellerangabe), jedoch nicht übertrieben werden, weil sonst die Wäsche nicht glatt wird. Ein Tennisball im Trockner verringert Knitterfalten.

Kreislaufdenken beginnt dort, wo wir uns ehrlich um unsere eigene „weiße Weste“ kümmern: im Alltag.

Weiterführende Informationen:

Claudia Silber und Alexandra Hildebrandt: Gut zu wissen... wie es grüner geht: Die wichtigsten Tipps für ein bewusstes Leben. Amazon Media EU S.à r.l. Kindle Edition 2017.

Alexandra Hildebrandt und Claudia Silber: Gut in Mode: Wissenswertes über nachhaltige Bekleidung und Textilien. Amazon Media EU S.à r.l. Kindle Edition 2017.

Sylvia Wölfel: Weiße Ware zwischen Ökologie und Ökonomie. Umweltfreundliche Produktentwicklung für den Haushalt in der Bundesrepublik Deutschland und der DDR. Oekom Verlag, München 2016.