POLITIK
03/08/2018 20:19 CEST | Aktualisiert 03/08/2018 20:30 CEST

Mutter von Terror-Chef Bin Laden: "Er war ein sehr gutes Kind"

"Er war ein sehr gutes Kind."

  • Die Mutter des getöteten Al-Kaida-Chefs Osama bin Laden hat 17 Jahre nach 9/11 ein erstes Interview gegeben.
  • Sie glaube, dass ihr Sohn einer Gehirnwäsche unterzogen wurde.

Der Anschlag auf das World Trade Center am 11. September hat die Welt verändert. 17 Jahre später gibt die Mutter des 2011 getöteten Al-Kaida-Chefs Osama bin Laden ein erstes Interview.

Der britische “Guardian“ traf Alia Ghanem in der saudi-arabischen Stadt Dschidda. “Mein Leben war sehr schwierig, weil er so weit weg von mir war. Er war ein sehr gutes Kind und er liebte mich so sehr“, sagt die Mutter über Osama, den sie als schüchternen Jungen beschreibt.

“Die Leute an der Universität haben ihn verändert”

Der spätere Al-Kaida-Chef sei in seinen 20er-Jahren zu einem starken, strenggläubigen Mann geworden, als er in Dschidda studierte. Dort habe sich ihr Sohn jedoch auch radikalisiert, sagt die Mitte 70-Jährige. Sie spricht von Gehirnwäsche. “Die Leute an der Universität haben ihn verändert. Er wurde zu einem anderen Menschen.“

Dass ihr Sohn sich in einen Dschihadisten verwandeln würde? Das sei ihr nie in den Sinn gekommen, sagt die bin-Laden-Mutter – bis es ihr klar wurde.

“Wir waren extrem verärgert. Ich wollte nicht, dass das passiert. Warum sollte er das alles so wegwerfen?” Die Familie bin Ladens gehört noch heute zu den wohlhabendsten und einflussreichsten Saudi-Arabiens.

“Sie kennt nur die Seite des guten Jungen”

Als die Mutter während des Interviews kurz den Raum verlässt, mischt sich Osamas Halbbruder Ahmad ein, berichten die “Guardian“-Reporter. Er regt sich darüber auf, dass die Mutter 17 Jahre nach 9/11 noch immer “die Augen vor der Wahrheit über Osama verschließt. Sie hat ihn so sehr geliebt und weigert sich, ihn dafür verantwortlich zu machen. Stattdessen beschuldigt sie die um ihn herum. Sie kennt nur die Seite des guten Jungen, die Seite, die wir alle sahen. Sie hat die dschihadistische Seite nie kennengelernt.“