ELTERN
26/01/2018 12:58 CET | Aktualisiert 01/02/2018 12:19 CET

Flughafen-Mitarbeiter sperrt Tür auf, als Mutter im Wickelraum Milch abpumpt

"Das war so entwürdigend"

  • Eine britische Mutter wollte am Flughafen in Heathrow in einem Wickelraum Milch abpumpen
  • Dann kam ein männlicher Angestellter herein – und forderte sie auf, den Raum zu verlassen

Sophie McBain aus New York ist junge Mutter. Und wenn sie ihre Milch nicht regelmäßig abpumpt, fühlt sie sich unwohl. So war es auch, als sie vergangene Woche am Flughafen Heathrow in London war – und den ganzen Tag nicht abgepumpt hatte. 

Vor ihrem langen Flug nach New York wollte sie das unbedingt noch nachholen.

Sie fragte Mitarbeiter des Flughafens, wo sie in Ruhe Milch abpumpen könne. Diese sagten ihr, sie könne die Wickelräume vor Ort nutzen.

Als sie aber im Wickelraum saß und die Milch abpumpte, öffnete plötzlich ein männlicher Angestellter die Tür. Er sagte ihr, dass sie die Tür nicht verschließen darf oder gleich in die Flughafenhalle zum Abpumpen gehen soll. 

“Um zu verdeutlichen, wie entsetzt ich war, lässt sich die Situation am besten damit vergleichen, als würde jemand in die Toilette stürmen, wenn man selber grade drauf sitzt, die Hose noch runtergezogen, und dir sagt, du würdest die Toilette blockieren“, schrieb McBain am 22. Januar auf Twitter.

hh

McBain hatte eigentlich nicht vor, öffentlich über ihr Erlebnis zu sprechen, aber diese “Nicht-Entschuldigung voller Rechtfertigungen“, die sie als Antwort erhalten hatte, machte sie einfach nur traurig.

Sie wolle nicht, dass anderen Frauen dasselbe passiert, schreibt sie.

Die Mutter erklärte, sie wolle niemandem Schwierigkeiten bereiten, es sei einfach ein “Problem des Systems“.

“Mir ist es wirklich wichtig zu sagen, dass es hier nicht um die unbeholfene Reaktion eines männlichen Mitarbeiters geht. Er hat wahrscheinlich eine leere Kabine erwartet und manchmal sagen wir einfach komische Dinge, wenn wir von etwas überrumpelt werden“ so Sophie McBain gegenüber der HuffPost UK.

Sie sei verärgert, weil Heathrow sich ganz offensichtlich keine Gedanken über die Bedürfnisse stillender Mütter gemacht hat. Mit 1300 Flügen, die jeden Tag von Heathrow aus starteten oder dort landeten, müsse es doch tausende von uns geben, die täglich Heathrow passieren.

“Selbst als ich dem Flughafen die Gelegenheit gab, einzugestehen, dass hier nicht weit genug gedacht wurde und die Verantwortlichen aufgefordert habe, Vorschläge zu machen, wie die Situation verbessert werden könnte, haben sie das Thema einfach umgangen.“

Auf Twitter hat die Mutter ihre Geschichte erläutert.

“Ich erklärte, was passiert war: Nachdem ich einen Mitarbeiter um Rat gefragt hatte, wollte ich in einem Wickelraum meine Milch abpumpen. Ich habe mich zwar nicht gut dabei gefühlt, andere Eltern vielleicht zu stören, aber ich musste die Milch vor meinem Flug noch abpumpen.”

Weiter schreibt sie: “Dann schloss plötzlich ein männlicher Mitarbeiter die Tür auf und während meine nackte Brust immer noch in der Pumpe war, erklärte er mir, das nächste Mal solle ich die Tür nicht abschließen oder die Milch im Terminal abpumpen.”

“Außerdem ist es entwürdigend, wenn jemand sieht, wie eine Brust in einer elektrischen Milchpumpe steckt, ich will nicht einmal, dass mein Ehemann mich so sieht. Warum sollte mich dann ein Fremder so sehen?”

McBain erklärte, sie habe dem Angestellten gesagt, dass stillende Mütter ihre Milch abpumpen müssen, wenn sie reisen, da es sonst zu gesundheitlichen Problemen wie einer Brustdrüsenentzündung kommen könne.

“Dass meine rechte Seite, auf der ich nicht gepumpt hatte, weil ich zu gestresst und peinlich berührt war, auf meinem Flug so geschmerzt hat, dass ich vor Erleichterung geweint habe, als die BritishAirways Crew sagte, ich könne den Ruhebereich der Flugbegleiter zum Pumpen nutzen, habe ich gar nicht erwähnt.”

In der Antwort des Heathrow Airport, die McBain geteilt hat, erklärten die Verantwortlichen, dass männliche Mitarbeiter die Waschräume “immer betreten werden“, wenn auf Nachfrage keine Antwort kommt.

“Auch wenn es hier zu einem unangenehmen Zwischenfall geführt hat, liegt die Schuld nicht alleine bei dem Mitarbeiter, der vor seinem Betreten nachgefragt hat“,  heißt es in der Antwort.

“Jeder Passagier sollte mit Höflichkeit und Respekt behandelt werden, das bedeutet, dass wir auch von unseren Mitarbeitern erwarten, stets professionell, hilfsbereit und höflich zu sein.

Ich verstehe, dass sie eine schlechte Erfahrung gemacht haben und ich habe ihre Beschwerde an den zuständigen Terminal-Manager weitergeleitet, so dass die nötigen Schritte unternommen werden können.“

Auf Twitter teilten auch andere Nutzer ihren Ärger darüber, wie man McBain behandelt hatte.

Eine Twitter-Nutzerin kommentiert: “Es ist abstoßend, dass ihr euch nicht entschuldigt und Verantwortung dafür übernommen habt, wie Sophie behandelt wurde.”

Eine Weitere schreibt: “Es tut mir so leid – das ist eine völlig inakzeptable automatische Antwort vom Heathrow Flughafen. Ich bin froh, dass die Mitarbeiter von BA umsichtiger waren.”

Wieder eine Andere schreibt: “Jetzt kommt schon, Flughäfen (und ich meine auch dich, Oberster Gerichtshof der USA), das könnt ihr doch besser.”

Eine andere Nutzerin kommentiert: “Einfach schockierend, wie eine stillende Mutter hier behandelt wurde, die nur versucht hat, ihr Kind zu füttern und schlimme gesundheitliche Probleme zu vermeiden, die auftreten, wenn die Milch nicht abgepumpt wird. Schult eure Mitarbeiter und schafft Raum.”

Ein Sprecher des Heathrow Airport sagte gegenüber der HuffPost UK: “Wir entschuldigen uns für die schlimme Erfahrung, die Ms. McBain in Heathrow machen musste – bei unserem Bemühen, die Waschräume sicher zu halten, haben wir es versäumt dafür zu sorgen, dass auch sie sich auf unserem Flughafen wohl fühlt.“

Dieser Artikel erschien zuerst auf HuffPost UK und wurde von Cornelia Lüttmann aus dem Englischen übersetzt.

(ks)