ELTERN
15/06/2018 11:00 CEST | Aktualisiert 15/06/2018 19:15 CEST

Deutsche Kita lehnt kleines Mädchen ab – wegen seines Namens

"Das wäre mir eine Klage wert."

Westend61 via Getty Images
Ein kleines Mädchen durfte nicht in die Kindertagesstätte (Symbolbild).
  • Eine Mutter hat auf Twitter den Ablehnungsbescheid einer Kindertagesstätte geteilt.

  • Die absurde Begründung der Einrichtung sei, dass es bereits ein Kind mit dem gleichen Vornamen gäbe.

Kita-Plätze in Deutschland sind heiß begehrt. Umso schlimmer, dass die Kriterien für ihre Vergabe deutschlandweit nicht einheitlich vorgegeben sind – für viele Eltern schwer nachvollziehbar und daher immer wieder Anlass für Diskussionen.

Bundesweit fehlen laut einer Studie des “Instituts der deutschen Wirtschaft” aus dem Jahr 2017 immer noch knapp 300.000 Kita-Plätze.

Ablehnung wegen Namensvetterin

Die Journalistin Andrea Maurer wurde nun von einer Kita mit einer besonders absurden Ausrede abgespeist, wie aus einem Screenshot hervorgeht, den sie auf Twitter geteilt hat.

Mehr zum Thema: Kita-Studie offenbart: Immer mehr Kinder stammen aus armen Familien

Der Screenshot zeigt das teilweise geschwärzte Ablehnungsschreiben, indem ihrer Tochter Ella der Kita-Platz verwehrt wird. 

Darin heißt es zur Begründung: “Wir haben bereits eine Ella. Aus Erfahrung gestaltet es sich im Alltag sehr schwierig mit zwei gleichnamigen Kindern. Es [wäre] für die zwei Ellas nicht zu verstehen, wer angesprochen worden ist.”

Zwischen Wut und Humor

In hunderten Kommentaren zu Maurers Nachricht machten zahlreiche User und Eltern ihrem Ärger Luft.

Eine Frau schrieb ungläubig: “Ernsthaft??”

Ein Mann zweifelte die Kita selbst an: “Da fragt man sich doch, ob man sein Kind überhaupt in die Obhut von Pädagogen geben will, die bereits mit zwei gleichen Namen überfordert sind.”

Andere Nutzer setzten auf Humor.

So schlug ein anderer User vor“Klingt, als müsste man seinen Kindern doch wieder außergewöhnliche Namen geben - Chewbacca, Optimus Prime oder Skelletor finden sicher nen Kitaplatz!”

Eine andere Userin teilte ihre eigenen Erfahrungen mit undurchsichtigen Ablehnungsbegründungen: “Kita, Grundschule oder kürzlich Gymnasium. Bei unseren Zwillingen hören wir stets die Antwort: ‘Aber sie haben ja zwei! Wir haben höchstens einen Platz.’ Ist schließlich verwirrend. Die sehen sogar gleich aus.”

Wieder andere ermutigten die Mutter, rechtliche Schritte zu erwägen: “Bin gerade ziemlich fassungslos. Ich habe mir den Tweet jetzt wahrscheinlich 20 mal durchgelesen und kann es echt nicht fassen. Das wäre mir eine Klage wert. Obwohl ich mein Kind so einer Kita nicht mehr anvertrauen würde, wenn man schon mit Namen überfordert ist.”

Diese Kinder haben ein Recht auf einen Kita-Platz

Ob eine solche Klage Erfolg hätte, ist jedoch zweifelhaft. Rechtlich gesehen gäbe es “kein spezielles Muster, an die sich die Kitas halten” müssten, schrieb etwa das Online-Portal “Kinder Tipps” in einem Bericht über die Vergabe der raren Plätze.

Bei der Vergabe bevorzugt würden aber generell Kinder, deren Eltern berufstätig seien, dazu solche mit vielen Geschwistern, ältere Kinder, der Nachwuchs kommunal engagierter Eltern sowie Kinder, die schon lange auf einen Platz warten, aus einer angeschlossenen Krippe in den Kindergarten wechseln oder deren Eltern gerade zugezogen sind.

Vielerorts gäbe es nun Bestrebungen, objektive Kriterien für die Platzvergabe einzuführen.

So hat beispielsweise der Ausschluss für Kinder, Jugendliche und Familien der Stadt Münster Anfang des Jahres sachliche Kriterien für die Vergabe der Plätze eingeführt: Wohnort, Härtefälle, Berufstätigkeit der Eltern und Kindesalter.

(nc)