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26/06/2018 10:50 CEST | Aktualisiert 26/06/2018 12:31 CEST

Mütter werden aus Unternehmen gedrängt – was wir dagegen tun können

Es darf nicht sein, dass Menschen ihre Karrieren aufgrund nicht realisierbarer Anforderungen aufgeben.

Kerkez via Getty Images
"Wenn wir ein flexibles und familienfreundliches Arbeitsumfeld schaffen, profitieren alle davon."

Von Elizabeth Knox

Jahrelang diskutieren wir schon darüber: Wie können Frauen, die fest im Berufsleben stehen, einen guten Weg finden, ihre Jobs zu verlassen, um eine Familie zu gründen? Und dann wieder zurück kehren? 

Einer Umfrage des Buches “Work PAUSE Thrive“ zufolge wollten lediglich elf Prozent der 1.500 befragten Frauen ihre Karrieren aufgeben, um Mutter zu werden. Letztendlich taten es 72 Prozent. Die Autorin des Buches Lisen Stromberg schlussfolgert: “Irgendetwas hat diese Frauen aus dem Berufsleben gedrängt.“

So war es auch bei Amy Mason, einer Mutter aus Washington D.C., die sich nun seit mehr als zehn Jahren für die Vereinbarkeit von Mutterschaft und Beruf einsetzt.

“Ich war die erste Person in meinem Unternehmen, die mehrfach Elternzeit nahm und die erste, die deswegen um flexible Arbeitszeiten bat“, sagt Mason im Gespräch mit Motherly.

„Zwar durfte ich meine Arbeitszeit freier einteilen – aber es fühlte sich an, als würde ich um ‘mildernde Umstände’ bitten. Ich behielt zwar meine Führungsposition, aber ich schien kein fester Teil des Teams mehr zu sein.

“Mein Job hätte nur in Vollzeit funktioniert”

Weil sie sich ausgeschlossen fühlte, gab Mason ihren Job ganz auf. Sie sagt: “Ich kam zu dem Schluss, dass mein Job nur in Vollzeit funktioniert, ich hätte voll dabei sein müssen – und das konnte ich nicht bieten.“

Die Statistik beweist, dass Mason nicht allein ist: Viele Frauen geben ihre Berufe, die sie lieben, auf, um weniger attraktive Stellen anzunehmen, die allerdings mehr Flexibilität bieten. Einige entsagen dem Berufsleben vollkommen.

Mehr zum Thema: Das passiert mit Kindern, deren Mütter früh in den Job zurückkehren

Dem US-Arbeitsministerium zufolge arbeiten 43 Prozent aller Mütter mit einem Kind, das jünger als ein Jahr alt ist, von zu Hause aus. Mit steigendem Alter des Kindes versuchen viele Frauen, im Berufsleben wieder Fuß zu fassen im Berufsleben. 75 Prozent aller Frauen, dessen Kinder älter als sechs sind, arbeiten wieder regulär außerhalb der eigenen vier Wände.

Für viele dieser Frauen ist es ein Privileg, zu Hause bleiben zu können, wenn die Kinder noch jung sind – sie entscheiden sich freiwillig dafür. Andere, wie zum Beispiel Mason, fühlten sich dazu gezwungen.

Was passiert, wenn wir Mütter als Arbeitskräfte verlieren

Es sind talentierte Frauen. Sie arbeiten hart, um sich berufliche Kenntnisse anzueignen und sie im Job einzusetzen. Sie haben der Arbeitswelt, der Wirtschaft und der ganzen Welt eine Menge zu bieten.

Aber aufgrund der teils unerfüllbaren Anforderungen eines typischen Arbeitstags müssen Frauen wie Mason eine harte Entscheidung treffen: Job oder Familie?

Beides unter einen Hut zu bekommen, funktioniert oftmals nicht: Entweder, die Frauen geben ihre Berufe ganz auf oder nehmen Jobs an, die nicht ihrem Niveau entsprechen.

Andere Mütter behalten zwar ihre bisherigen Berufe, müssen dann allerdings Abstriche im Familienleben machen – spätestens, wenn Überstunden oder Wochenenddienste anfallen, können sie nicht mehr so viel Zeit mit ihren Kindern verbringen, wie sie es sich eigentlich wünschen.

Mehr zum Thema: Warum ich es bereue, Vollzeit-Mutter geworden zu sein

Wer profitiert von solchen Situationen? Es sind auf jeden Fall nicht die Unternehmen, die außergewöhnliche Talente für ihre Projekte suchen. Auch nicht die Familien, die auf engagierte Eltern angewiesen sind. Und erst recht nicht die Mütter, die ihre beruflichen Fähigkeiten einsetzen wollen, ohne ihre Familien zu vernachlässigen.

Die eigentliche Frage ist: Sind die Anforderungen an einen üblichen Arbeitstag angemessen? Sind sie effizient?

Wenn wir von einem familienfreundlichen Arbeitsumfeld sprechen, schaden Arbeitgeber allen beteiligten Parteien, wenn sie nicht von Anfang an klarstellen, welche Möglichkeiten sie dem Arbeitnehmer bieten können.

Über ihre Suche nach familienfreundlichen Arbeitsmöglichkeiten sagt Mason: “Ich fühlte mich verpflichtet, jedes Mal nachzufragen. Denn es gab keine Regelungen.“

Überraschenderweise profitieren auch Unternehmen von einem familienfreundlichen Arbeitsumfeld: Einem Bericht des “Center for Women and Work“ von 2012 zufolge kehren 93 Prozent der Frauen, denen auch nach Geburt ihres Kindes das volle Gehalt ausbezahlt wird, schon nach neun bis zwölf Monaten zum Arbeitsplatz zurück.

Eine weitere Studie von EY beweist, dass 70 Prozent der Unternehmen, die eine voll bezahlte Elternzeit anbieten, die Produktivität ihrer Mitarbeiter steigern. 

Wie wir unseren Arbeitsalltag verbessern können

Was wäre, wenn wir anstatt Mütter aus ihren Vollzeitstellen zu drängen, flexible Arbeitsstrukturen bieten würden, die ihre Zeit und Anstrengungen respektieren?

Ihre Arbeitsergebnisse anstatt der Stunden, die sie im Büro absitzen, belohnen? Und ihnen so eine weitere Perspektive eröffnen würden, ohne ihre Jobs kündigen zu müssen?

Es wird Zeit, dass Unternehmen – und die talentierten Mütter, die sie anstellen – anfangen, darüber nachzudenken, wie sie die besten Ergebnisse mit den besten Teams und den richtigen Mitteln erreichen.

Indem wir den Arbeitsalltag neu gestalten und so Eltern die Möglichkeit bieten, Job und Familie unter einen Hut zu bringen, machen wir nicht nur die Arbeitnehmer glücklicher: Die Unternehmen profitieren, weil sie so die richtigen Leute in den für sie richtigen Positionen behalten können.

Es ist Zeit für die dritte feministische Revolution, wie Arianna Huffington sagt: die Transformation des Arbeitstags. Stellt euch vor, die Arbeitswelt würde Familienleben respektieren und es so Müttern und Vätern ermöglichen, für einen positiven Wandel zu arbeiten – indem sie in den Arbeitsstellen eingesetzt werden, die ihren Qualifikationen und Kenntnissen entsprechen.

Es darf nicht sein, dass Menschen ihre langjährigen Karrieren aufgrund nicht realisierbarer Anforderungen der Arbeitswelt aufgeben. Wenn wir ein flexibles und familienfreundliches Arbeitsumfeld schaffen, profitieren alle davon.

Der Text erschien zuerst bei HuffPost US und wurde von Agatha Kremplewski aus dem Englischen übersetzt. 

(kap)