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27/08/2018 13:49 CEST | Aktualisiert 27/08/2018 13:53 CEST

Hausfrau zu sein IST ein echter Job – also warum schäme ich mich so?

Ich sitze nicht in meinem Schlafanzug auf der Couch, gucke Fernsehen und stopfe Schokolade in mich rein.

Ich bin Hausfrau und Mutter. Ich habe lange gebraucht, um das zu akzeptieren. Ich hätte das nie erwartet. Eine arbeitende Mutter – ich dachte, das würde ich sein. 

Monat für Monat habe ich nach einem passenden Halbtags-Job gesucht. Aber wie das Schicksal es wollte, fand ich keinen.

So kam ich an den Punkt, an dem ich mich mit meiner Rolle zufrieden geben musste – denn sonst wäre ich irgendwann sicher verrückt geworden.

Ich fühlte mich minderwertig

Als ich meinen engsten Freunden erzählte, dass ich Hausfrau bleiben würde, schämte ich mich. Denn sie waren sehr erfolgreich in ihren Jobs. Sie schafften es, Arbeit und Muttersein unter einen Hut zu bekommen. Ich fühlte mich minderwertig – als würde ich den einfachen Weg gehen.

Ich hatte das Gefühl, dass ich nicht mehr zu ihrem Stamm gehörte und nicht das Recht hätte, mich darüber zu beschweren, wenn ich mich müde oder einsam fühlte. 

Da ich zu Hause bleibe und mein Partner uns finanziell unterstützt, dachte ich, dass ich meine Gefühle verbergen müsste. Dass ich einfach nur dankbar sein sollte, dass ich Zeit mit meinem Kind verbringen darf – ohne auch noch arbeiten zu müssen.

Für die Generation unserer Eltern war das normal

Eine meiner Freundinnen wies mich darauf hin: “Warum solltest du dich schämen? Die meisten unserer Mütter haben auch erst gearbeitet, als wir in der Grundschule waren – darüber hat sich auch niemand Gedanken gemacht.”

Sie hatte einen unglaublich guten Punkt. Ich begann, mir Fragen zu stellen. “War die Generation unserer Eltern die letze Generation, bei der es überhaupt noch möglich war, dass ein Elternteil zu Hause bleibt? Lag das an den Lebenskosten, dem umkämpften Immobilienmarkt oder daran, dass es damals keine flexiblen Teilzeit-Jobs gab?”

Ich versuchte lange, eine Anstellung zu finden. Dennoch wurde ich wieder und wieder übersehen.

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Ich hatte Spaß an meiner Arbeit

Ich hatte das Gefühl, dass ich zu dieser Zeit keine andere Wahl hatte, als Hausfrau zu bleiben. Ich habe einen dauerhaften freiberuflichen Autoren-Job gefunden, was fantastisch ist. Aber das reicht nicht aus, um mich als “arbeitende Mutter” zu betiteln.

Die Sache ist: Ich liebe es, zu arbeiten. Ich hatte immer Spaß in meinem Job als Bankangestellte. Ich fand es bereichernd. Aber ich liebe es ebenso, eine Hausfrau zu sein.

Renee Joanne Photography
Sally und ihr Sohn Max.

Ich führe ein beschäftigtes Leben. Mein Sohn hat unglaublich viel Energie und ist sehr aktiv. Wir gehen zwei Mal täglich nach draußen. Auf Spielplätze, in den Musikunterricht, in eine Früherziehungsklasse und eine Krabbelgruppe. Ich lese ihm unzählige Bücher vor. Ich versuche, ihm das Kochen beizubringen.

Ich sitze nicht in meinem Schlafanzug auf der Couch, gucke Fernsehen und stopfe Schokolade in mich rein. 

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Es ist ein Fulltime-Job

Ich bin eine ausgelastete Hausfrau und Mutter. Es ist ein Fulltime-Job. Ich weiß, dass jemand anderes sich auch gut um meinen Sohn kümmern würde, wenn ich arbeiten müsste. Es ist nicht so, als müsste er dann in irgendeinem Zimmer die Wand anstarren. 

Aber es gibt eben wirklich dieses Vorurteil, dass Eltern, die zu Hause bleiben, ein einfaches Leben hätten. Sie müssen doch nur die Hausarbeit machen und abends ein perfektes Abendessen auf dem Tisch stehen haben.

Warum müssen sie sich also auch noch beschweren? Wir können uns doch einfach glücklich schätzen, dass wir zu Hause so viele wunderbare Momente mit unseren Kindern erleben dürfen und gemeinsame Erinnerungen schaffen!

Die Realität sieht anders aus

Doch das ist weit entfernt von der Realität. Ja, natürlich gibt es wundervolle Momente. Aber es ist auch verdammt viel Arbeit. Es ist körperlich und emotional anstrengend.

Ich habe durchgehend Rückenschmerzen, weil ich mein Kleinkind überall hinschleppe. Die Wutanfälle, um die ich mich kümmern muss, sind Wahnsinn.

Ich bin gelangweilt davon, immer und immer wieder das gleiche Buch vorlesen zu müssen und mich ständig mit einem kleinen Menschen auseinanderzusetzen, dessen Wille unbeugsamer als Eisen ist.

Ich bin durchgehend müde. Es ist unglaublich bereichernd, ja. Aber so empfinden es auch viele Menschen, die arbeiten gehen!

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Wir sollten nich so voreilig Urteile fällen

Aufgrund des Vorurteils, dass es Hausfrauen angeblich so leicht haben, fühlt es sich für mich so an, als hätte ich nicht das Recht, ehrlich über diese Schwierigkeiten zu sprechen.

Als ob ich mich dafür entschieden hätte, zu Hause zu bleiben und jetzt eben damit fertig werden müsste. Aber wir sollten nicht so schnell urteilen. Denn wir wissen nicht, ob das Zuhausebleiben eines Elternteils eine freiwillige Entscheidung für die Familie war.

Renee Joanne Photography
"Mein Sohn hat unglaublich viel Energie und ist sehr aktiv. Wir gehen zweimal Täglich nach draußen."

Ich möchte betonen, dass keiner meiner Freunde oder mein Ehemann mir jemals das Gefühl gegeben haben, minderwertig zu sein, weil ich zu Hause bleibe. Alle haben mich unglaublich dabei unterstützt.

Ich bewundere andere Hausfrauen und Mütter und habe das auch schon immer getan. Meine Ängste und Gefühle habe ich mir selbst auferlegt.

Ich bin erfolgreich auf meine Art

Ich hoffe, dass ich mich bald in meiner Rolle wohler fühlen werde – wenn mehr Zeit vergangen ist.

Ich muss nur die Balance finden zwischen meinen Rollen als Hausfrau und Mutter und mir selbst als erfolgreiche Frau. Denn letztendlich lässt sich Erfolg nicht nur an Errungenschaften bei der Arbeit bemessen.

Ich habe Erfolg, weil mein Sohn selbstbewusst, lebhaft und liebevoll ist.

Ich habe Erfolg, weil ich herausgefunden habe, dass ich eine gute Autorin bin.

Ich habe Erfolg, weil ich aktiv und gesund bin und danach strebe, ein Teil der Gesellschaft zu sein.

Ich habe Erfolg, weil mein Zuhause sauber, einladend und voller Liebe ist. 

Dieser Blog erschien ursprünglich bei P.S. It’s A Mum Thing und wurde von Martina Zink aus dem Englischen übersetzt und angepasst. 

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(glm)