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13/07/2018 13:08 CEST | Aktualisiert 16/07/2018 12:11 CEST

Depressive Mutter zeigt mit einem Foto, wie sich die Krankheit anfühlt

"Alles wird zu einem Albtraum."

So sieht eine Depression aus. Nein, nicht das saubere Geschirr. Sondern, dass sich überhaupt so viel Geschirr angestaut hat. Ich habe zwei Wochen kein Geschirr gewaschen.

Oben im Video: Von amerikanischen Psychologen entwickelt – 4L-Test zeigt, ob jemand nur schlecht drauf ist oder depressiv sein könnte.

Vor drei Tagen saß ich auf dem Küchenboden und starrte das Geschirr an, während ich weinte. Ich wusste, dass ich abwaschen muss. Ich wollte es so sehr.

► Aber die Depression hat mich in die Tiefe gerissen, komplett aufgesaugt – wie ein schwarzes Loch. Ein stetig sinkender Treibsand.

Ich lief jeden Morgen, jeden Abend, den ganzen Tag an dem schmutzigen Geschirr vorbei. Und ich sah es an. Sagte zu mir selbst, dass ich es abwaschen kann. Sagte zu mir selbst, dass ich es machen würde. Und ich fühlte mich an jedem Tag geschlagen und noch schlechter, wenn ich es wieder nicht schaffte.

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Brittany Ernsperger
Alles wird zu einem Albtraum. Die Aufgaben werden beängstigend. 

Das Gefühl des Versagens

Das machte die Depression nur noch schlimmer, denn etwas nicht zu schaffen, was gemacht werden muss, ist Versagen.

► Nutzlos. Versagen. Dummes Stück Scheiße. Unfähig. Dumm. Faul. All diese Dinge schießen durch den Kopf bei Menschen mit Depressionen. Den. Ganzen-Tag.

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Wirf dann noch eine Prise Angststörung obendrauf und du hast ein ganz besonderes Vergnügen.

Angst zu haben, dass dein Ehemann dich verlässt, weil er denkt, dass du faul bist. Angst zu haben, jemanden nach Hause einzuladen, weil sie denken würden, dass du widerlich bist.

Angst zu haben, dass du deine Kinder enttäuschst – es gibt zum dritten Mal hintereinander Pizza zum Abendessen, weil du kein sauberes Geschirr hast, mit dem du Kochen könntest. Also gibt es Pizza. Schon wieder.

Die Angststörung fördert die schrecklichen Gedanken

Und das schlimmste daran: Es ist nicht nur mit dem Geschirr so. Wäsche, Putzen, Anziehen, Duschen, Kinder anziehen, Zähne putzen – normale alltägliche Aufgaben. Alles wird zu einem Albtraum. Die Aufgaben werden beängstigend. An manchen Tagen schaffe ich nichts davon.

“Starke” Menschen sprechen nicht über ihre Depressionen, weil sie nicht möchten, dass andere denken, sie wären “schwach”.

► Aber diesen Menschen sage ich etwas und zwar jedem Einzelnen: Du bist nicht schwach.

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Du warst schon so lange stark und musstest so viele Dinge überstehen, dass dein Körper eine Pause braucht. Es ist mir egal, ob du es heute nur geschafft hast Deo aufzulegen. 

► Ich bin stolz auf dich. Du hast einen guten Job gemacht. Ich bin stolz auf dich. Ich bin auf deiner Seite.

Ich möchte keine Aufmerksamkeit oder Mitleid, keineswegs. Ich möchte nur jeden wissen lassen, dass ich für euch da bin. Ich verstehe es. Wenn du jemanden zum Reden brauchst, bin ich immer da, um zu helfen.

Hinweis der Redaktion: Wenn du das Gefühl hast, dein Leben macht keinen Sinn mehr, wende dich bitte an die Telefonseelsorge. Sie ist anonym, kostenlos und rund um die Uhr erreichbar. Die Telefonnummern sind 0800 111 0 111 und 0800 111 0 222.

Beim Schatten & Licht e.V. findest du zudem weitere Informationen und regionale Kontaktpersonen für Hilfsmaßnahmen bei postnataler Depression. Telefonnummer: 08293 / 965864 Email: info@schatten-und-licht.de

Dieser Text erschien ursprünglich auf Brittany Ernspergers Facebook-Seite und wurde von Martina Zink aus dem Englischen übersetzt und angepasst.