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29/05/2018 16:25 CEST | Aktualisiert 29/05/2018 16:25 CEST

Warum ich es bereue, Vollzeit-Mutter geworden zu sein

Und warum ich meine Familie trotzdem sehr liebe.

pixdeluxe via Getty Images
Nach acht Jahren als Vollzeit-Mutter möchte Molly England ins Berufsleben zurückkehren. (Symbolbild)

Nächsten Herbst werden all meine Babys in der Schule sein, den ganzen Tag, jeden Tag. Unachtsame Menschen fragen: “Was machst du dann mit deiner ganzen Zeit?”

Ich könnte sagen: Wäsche, Abwasch, Einkäufe, Joggen, Yoga, Gassi, E-Mails lesen, Telefonieren, Rechnungen zahlen, Freunde zum Kaffee treffen, schreiben, pinkeln, kacken, sitzen, stehen – und das alles ohne unterbrochen zu werden.

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►  Das könnte ich einfach sagen. Und vielleicht werd ich das auch tun. Aber gerade glaube ich, dass das nicht genug ist.

Ein Teil von mir – und diesen Teil gab es, bevor ich drei Menschen geboren habe – möchte außerhalb des Hauses arbeiten.

Ich möchte mehr beitragen als Mutter zu sein

Ich will noch etwas anderes zur Gesellschaft beitragen, als anständige Menschen großzuziehen. (Nicht, dass irgendwas daran verkehrt wäre, Vollzeitmutter oder Vollzeitvater zu sein. Ich war es acht Jahre lang. Ich versteh’ dich!)

In meinem alten Leben (bevor ich Mutter wurde) war ich Sozialarbeiterin. Ich gab chronisch kranken Obdachlosen medizinische Versorgung, Unterkunft und Hilfe – auch denen stehen grundlegende Menschenrechte und so viel mehr zu.

Ich habe vielleicht die Sozialarbeit verlassen, aber soziale Ungerechtigkeiten haben unsere Welt nie verlassen. Unter meinem erfüllten Mutterherz ist ein Verlangen. Während meine Kinder mehr Zeit mit den Lehrern in der Schule verbringen als mit mir, wächst mein Hunger nach Arbeit. Ich will helfen, eine Welt zu reparieren, die jeden Tag noch unreparierbarer scheint.

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Nächstenliebe beiseite, ich denke auch an mein zukünftiges 50-jähriges Ich. Ich bin mir nicht sicher, dass ich mich überhaupt noch erinnern werde, wer ich war, bevor meine Kinder in mein Leben fegten und meine Persönlichkeit von Grund auf ändern, wenn sie ihre Abschlüsse haben und ich das “leere Nest” spüre. Wenn ich mich selbst nicht bald zurückerobere, könnte dieses Ich für immer verloren gehen, glaube ich.

Drei meiner engsten Freunde haben nie aufgehört zu arbeiten, als sie Mütter wurden und ich habe sie gelegentlich interviewt. Ich fragte sie, wie es ist gleichzeitig Mutter zu sein und außerhalb von daheim zu arbeiten.

Ich bewundere ihre Überzeugung, arbeitende Mütter zu sein. Sie scheinen zu wissen, was sie wollen. Sie scheinen zu wissen, was sie brauchen.

Alle von ihnen sind nach dem Mutterschaftsurlaub zurück in die Arbeit gegangen. Sie haben den Kontakt zu ihrem Voreltern-Selbst nie verloren. Ich schon. Wenn ich in den Spiegel schaue, sehe ich eine zerzauste und ausgelaugte Mutter. Ihre leeren Augen starren mich an.

Wo ist ihr Feuer? Wo ist ihr Funke?

Sie verstecken sich hinter Angst.

Zu bereuen, ist ein Tabu

Es ist ein Tabu, Reue zuzugeben. Ich bereue es, nicht teilweise in der Arbeitswelt geblieben zu sein. Wenn ich geblieben wäre, hätte ich jetzt nicht so eine Todesangst, wieder in diese Welt einzusteigen.

Autor Jack Canfield sagt: “Alles, was du willst, ist auf der anderen Seite dieser Angst”. Ich glaube, ihm. Ich weiß es, weil ich Angst hatte, bevor ich Mutter wurde. Ich war unsicher und nervös, eine neue Identität als Mutter zu beginnen. Und trotzdem habe ich es getan. Ich bin täglich für drei Menschen Mutter.

Mich meinen Ängsten zu stellen, machte mich zur Mutter und mich heute meinen Ängsten zu stellen, wird mich wieder von daheim wegführen. Aber das heißt nicht, dass ich aufhören werde, Mutter zu sein.

Ich werde diese neue Herausforderung bewältigen, wie ich jede Herausforderung der Vergangenheit bewältigt habe – mit chaotischer, emotionaler Entschlossenheit – und unermesslich viel Liebe für meine Familie und mich selbst.

Molly England ist Mutter von drei Kindern und Bloggerin. 

Der Blog erschien zuerst bei HuffPost USA und wurde von Moritz Diethelm aus dem Englischen übersetzt.

(ks)