LIFE
10/10/2018 16:06 CEST | Aktualisiert 10/10/2018 16:07 CEST

Muslimische Schriftstellerin erklärt Sex-Ängste von Islamisten

"Es gibt die wildesten Fatwas "

LIONEL BONAVENTURE via Getty Images
Leïla Slimani.
  • Das Islamisten zu den größten Frauen-Feinden gehören, dürfte wenig überraschen.
  • Doch welche teils absurde Regeln diese religiöse Hardliner aufstellen, hat die französisch-marokkanische Schriftstellerin Leïla Slimani nun verraten.

Leïla Slimanis Debütoman hat für viel Wirbel gesorgt. Gerade in ihrem Heimatland Marokko. Doch der Tabu-Bruch mit dem Buch über eine Nymphomanin hat die französisch-marokkanische Schriftstellerin ganz bewusst begangen. Sexuelle Aufklärung und die Stärkung der Frauen treiben Slimani an.

Mit ihren Texten will die Muslima – gerade aber nicht nur – die islamische Welt aufrütteln und zum positiven verändern.

“Viele Leute, wie viele Rechtsextreme in Frankreich, meinen noch immer, Männer und Frauen hätten nicht das gleiche Verhältnis zur Sexualität, der Sexualtrieb sei bei Frauen einfach schwächer”, sagte Slimani der “Frankfurter Allgemeinen Zeitung” (“FAZ”).

Doch das stimme nicht, “Frauen haben ein ebenso starkes Verlangen, sie haben nur über Jahrhunderte gelernt, ihre Triebe zu bremsen und zu kontrollieren.”

“Eine Frau darf keine Karotte anfassen”

In dem Interview mit der “FAZ” erklärt Slimani wie insbesondere Islamisten versuchen, Frauen von jeglicher selbstbestimmter Sexualität abzuhalten.  Die Islamisten seien “vollkommen besessen” von Sex, bemerkt die Besteller-Autorin.

“Es gibt die wildesten Fatwas”, also Verbote, erklärt die 37-jährige. 

“Zum Beispiel für diverse Gemüsesorten: Eine Frau darf keine Karotte und keine Banane berühren, weil sie das zur Masturbation animieren könnte. Noch besser war aber folgender Vorschlag: Damit ein Mann und eine Frau sich ein Büro teilen können, muss die Frau dem Mann erst einmal die Brust geben, damit sie eine Art Mutter-Kind-Verhältnis entwickeln.”

Die Angst vor freien Frauen

Für Slimani sind diese absurden Regeln nicht nur ein Zeichen von Macht, sondern eine hochpolitische Angelegenheit. Denn viele Menschen würden glauben, “dass eine freie Sexualität, freie Frauen, das Ende einer gewissen arabischen Kultur bedeuten würde”. Deshalb gebe es auch so viel Gegenwehr.

Immerhin: In der #Metoo-Debatte sieht sie einen Anfang, der etwas bewegen könnte – weltweit.  Slimani hält es mit Phädra, einer Figur aus der griechischen Mythologie. Sie sagte: “Jetzt, da ich das Schweigen gebrochen habe, lasst uns weitermachen!”