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08/04/2018 06:55 CEST | Aktualisiert 09/04/2018 10:22 CEST

Münster: Was über den Hintergrund des Attentäters bekannt ist

Auf den Punkt gebracht.

Im Video oben seht ihr die Schilderung des Attentats durch einen Münsteraner Passanten 

Es begann für die Menschen in Münster als einer der ersten wirklich sonnigen Frühlingstage. Und endete als düsterster Tag der jüngsten Geschichte.

Um 15.27 Uhr steuert ein Mann einen silberfarbenen Campingbus vor der beliebten Gaststätte Kiepenkerl in eine Menschengruppe.

Laut Polizeiangaben wurden mehr als 30 Menschen in der Studentenstadt verletzt, berichtet die “Stuttgarter Nachrichten”, sechs schweben in Lebensgefahr, zwei Unschuldige sterben. Der Täter erschießt sich an Ort und Stelle.

Doch was trieb ihn zu der Tat?

Was wir über den Täter wissen:

“Nach dem jetzigen Stand der Ermittlungen handelt es sich bei dem Fahrer vermutlich um einen 48-jährigen Mann aus Münster”, erläutert Oberstaatsanwalt Martin Botzenhardt.

► Nach Informationen der “FAZ” stammt der Täter aus Olsberg im Sauerland. Er habe schon lange in Münster nahe des Tatorts gelebt.

Der nordrhein-westfälische Innenminister Herbert Reul (CDU) hatte am Samstagabend gesagt: “Es spricht im Moment nichts dafür, dass es einen islamistischen Hintergrund gibt.”

► Nein, der Täter ist offenbar ein Einzeltäter mit psychischen Problemen. Schon am frühen Abend berichtete das ZDF, von einem vorangegangenen Suizidversuch des Mannes erfahren zu haben.

► Aus Polizeikreisen heißt es später: “Der Mann hatte in der Vergangenheit schon einmal geäußert, Suizid zu begehen. Dieser sollte spektakulär sein.“

► Wie die “Welt am Sonntag“ berichtet, soll der Mann den Behörden bekannt gewesen sein. Er habe Autoradios gestohlen und Handys – um seine Drogensucht zu finanzieren. Ein klassischer Kreinkrimineller, ein Versager.

Im Auto des Mannes finden Polizisten demnach eine Sprengfalle: eine Pistole, an der ein Draht befestigt ist, der unter die Fußmatte führt. In der Wohnung des Mannes findet ein Sondereinsatzkommando eine Plastikwaffe und Feuerwerkskörper.

► Er scheint die Tat perfide geplant zu haben, offenbar spielte er mit dem Gedanken, noch nach seinem Ableben Polizeibeamte in den Tod zu reißen.

dpa
Das Tatfahrzeug

Was wir über die Opfer wissen:

Die Polizei identifizierte inzwischen die beiden Todesopfer.

► Laut Staatsanwaltschaft und Polizei handelt es sich um eine 51-jährige Frau aus dem Kreis Lüneburg und einen 65-jährigen Mann aus dem Kreis Borken.

Am frühen Samstagabend befanden sich noch sechs Schwerstverletzte in Lebensgefahr.

Wie es nun weitergeht:

Das Bundeskriminalamt richtete im Internet für Zeugen ein Hinweisportal ein: Hier können Videos oder Fotos, die im Zusammenhang mit der Tat stehen, hochgeladen werden. Nach Angaben der Polizei laufen inzwischen viele Hinweise ein.

“Allein die Tatortaufnahme wird viel Zeit in Anspruch nehmen”, erklärte Polizeidirektor Martib Fischer zum Stand der Untersuchungen.

“Wir brauchen Zeit, die Spuren auszuwerten und die Ergebnisse der Ermittlungen zusammenzuführen.” Auch am Sonntag sei deshalb mit Behinderungen in Münsters Innenstadt zu rechnen.

Die Spurensuche am Tatort dauerte in der Nacht an. Leichen wurden dort erst im Dunklen abgeholt. Polizisten sperrten den Bereich weiter großräumig ab.

Mit Material der dpa.