POLITIK
13/09/2018 14:13 CEST | Aktualisiert 14/09/2018 10:31 CEST

München: Rentnerin schildert, wie ihr Vermieter sie nach 70 Jahren abservierte

“Sie bekommen keine Mieterhöhung, wir sind doch keine Unmenschen.” Doch es kam anders.

Screenshot / ARD
Karin Jünke in ihrer neuen Wohnung
  • 70 Jahre lang hat Karin Jünke in ein und derselben Wohnung in München-Schwabing gewohnt.
  • Dann verdoppelte der Vermieter die Miete – und drängte so Jünke und ihre Nachbarn aus dem Haus.

“Mein ganzes Leben hat sich in diesem Haus abgespielt”, sagt Karin Jünke.

70 Jahre lang hat die frühere Sekretärin in der Wohnung im beliebten Münchner Stadtteil Schwabing gelebt. Schon ihre Großeltern wohnten dort.

Am Mittwochabend hat sie in der ARD-Talkshow “Maischberger” ihre bewegende Geschichte erzählt – und zugleich das Vorgehen ihres Vermieters scharf kritisiert.

“Ich musste ganz neu anfangen”

Angefangen habe alles vor vier Jahren.

Das Mehrfamilienhaus war im Besitz einer Familie. Doch aus Altersgründen überschrieb der Großvater damals das Gebäude seinem Enkelsohn, erzählt Jünke. Der alte Vermieter habe der 75-Jährigen jedoch versprochen, dass ihr – und einer weiteren langjährigen Mieterin im Haus – keine Mieterhöhung droht.

Auch nach dem Tod von Jünkes Mannes versicherte ihr der Vermieter: “Sie bekommen keine Mieterhöhung, wir sind doch keine Unmenschen.”

Doch es kam anders.

Nachdem der Eigentümer die Immobilie an seinen Enkel übergeben hatte, sollte die Miete plötzlich auf das Doppelte steigen, wegen einer energiesparenden Sanierung und weiteren Modernisierungsmaßnahmen.

Zuletzt habe Jünke für die 110 Quadratmeter große Wohnung 880 Euro Kaltmiete gezahlt. Aufgrund der vielen Zuschläge seien es dann aber über 2000 Euro Miete gewesen, die Jünke laut eigener Aussage hätte zahlen müssen.

Das kann ich mir nicht leisten, ich bin Witwe”, klagt Jünke.

Der Vermieter habe Jünke, die zu 90-Prozent-schwerbehindert ist, eine Alternativwohnung angeboten – halb so groß, im Rückgebäude, ohne Lift und kalt im Winter. 

Die Rentnerin gab schließlich ihre Wohnung auf und zog an den Stadtrand. Immerhin: Mit ihrem Vermieter konnte sie sich auf eine fünfstellige Abfindung einigen. 

Nun wohnt Jünke in einer Einrichtung für Betreutes Wohnen von Senioren. “Ich musste ganz neu anfangen.” Jünke habe in ihrer neuen Wohnung weder eine Küche noch ein Schlafzimmer gehabt. 

dpa
Karin Jünke (links) im Gespräch mit Sandra Maischberger.

Noch immer das Gefühl “heimzukommen” 

Auch deshalb zeigt sich die rüstige Dame noch immer frustriert. 

Den Auszug hat sie selbst vier Jahre später noch nicht vollends verarbeitet. Immer wenn sie mit der Straßenbahn in die Richtung fahre, “hohle ich meinen Schlüssel raus und habe das Gefühl, ich komme Heim”, sagt Jünke.

Aus ihrer Sicht seien die Sanierungen und Modernisierungen nur ein Vorwand gewesen, um die “alten angestammten Mieter rauszubekommen”. 

Erst im Jahr 2000 sei ihre damalige Wohnung vollständig saniert worden. Von einem dringenden Mondernisierungsbedarf, so wie es der neue Vermieter darstellte, konnte keine Rede sein, erklärt Jünke. “Ich habe ein traum-renovierte Altbauwohnung gehabt. Das war vom Feinsten.”

Mieterin wirft Vermieter “arrogante Art” vor 

Innerhalb weniger Monate seien alle Wohnungen im Haus verkauft worden.

An Moderatorin Sandra Maischberger gewandt sagt Jünke: Eigentlich möchte sie mit diesem Thema abschließen. Doch mit ihrem öffentlichen Auftritte hoffe sie, “diesem Menschen an seinem Image kratzen zu können”. Sie wirft dem neuen Vermieter eine “arrogante Art” vor.

Laut Maischberger begründet dieser sein Vorgehen jedoch damit, dass er die Wohnungen verkaufte, um die Erbengemeinschaft ausbezahlen zu können.  

(lp)