NACHRICHTEN
24/10/2018 10:13 CEST | Aktualisiert 25/10/2018 09:09 CEST

München: MVG sorgt mit Angebot an Vergewaltigungsopfer für Entsetzen

“Dieses Angebot hat mich sehr verletzt, ich habe mit den Tränen gekämpft.“

  • Im Juni wurde eine 18-Jährige in einer Münchner U-Bahn Opfer einer Vergewaltigung. Beim Täter soll es sich um den U-Bahnfahrer handeln.
  • Jetzt folgt ein “Wiedergutmachungsangebot” der Münchner Verkehrsgesellschaft (MVG), das für Kopfschütteln und Entrüstung sorgt  – wie ihr auch im Video oben seht.

Im Juni dieses Jahres ist eine 18-Jährige in München Opfer einer Vergewaltigung geworden. Die junge Frau war in einer U-Bahn eingeschlafen, als sich wenig später ein Mann an ihr verging.

Bei dem Täter handelt es sich laut Staatsanwaltschaft um den U-Bahnfahrer, wie die Münchner Zeitung “Merkur” berichtet.

Der 58-jährige Günther K. soll sich an seinem wehrlosen Opfer vergriffen haben, als die U-Bahn im Wendehammer am Klinikum Großhadern stand. So konnte niemand die schreckliche Tat beobachten.

Am Mittwoch muss sich der Mitarbeiter der Münchner Verkehrsgesellschaft (MVG) vor Gericht wegen der Vergewaltigung der 18-Jährigen verantworten.

Ein absurdes Wiedergutmachungsangebot der MVG

Schon zuvor sorgt nun die MVG mit einem zweifellos unpassenden “Wiedergutmachungsangebot” für Kopfschütteln.

Nach Informationen des “Merkurs” bot die Münchner Verkehrsgesellschaft dem Vergewaltigungsopfer eine kostenlose Fahrt in der Party-Tram an. Ein Mitglied der MVG-Führungsriege soll telefonisch Kontakt zu der jungen Frau aufgenommen haben.

“Ich war fassungslos und enttäuscht”

Die 18-Jährige, die nach der Tat laut eigener Aussage mit den psychischen Folgen zu kämpfen hat, äußerte sich gegenüber dem “Merkur”: “Dieses Angebot hat mich sehr verletzt, ich habe mit den Tränen gekämpft“.

Es habe sie “fassungslos und enttäuscht” zurückgelassen. Schließlich gab es für sie keinen Anlass zu Feiern.

Wie die Münchner Zeitung “Tz” berichtet, soll der MVG-Mitarbeiter später erneut den Kontakt zu der Frau gesucht haben. Per SMS soll sie gefragt worden sein, wie sie sich “denn nun entschieden” habe.

Die Anwältin der heute 19-Jährigen, Ruth Beer, sagte zu dem gedankenlosen Vorgehen der MVG:

“Wir waren mehr als überrascht von dieser Vorgehensweise. (...) Meine Mandantin hätte sich seitens der MVG eine Reaktion gewünscht, die den gegebenen Umständen angemessen gewesen wäre.”

MVG: “Keine Wiedergutmachtung, sondern Zeichen der Anteilnahme”

Mittlerweile hat sich auch das Münchner Verkehrsunternehmen entschuldigt:

“Es tut uns sehr leid, falls sich unser Mitarbeiter missverständlich oder unangemessen ausgedrückt haben sollte bzw. wenn unsere Geste womöglich anders als beabsichtigt angekommen ist. (...) Wir bedauern zutiefst, wenn wir damit Irritationen hervorgerufen haben.”

Außerdem seien sowohl der U-Bahnfahrer als auch der gedankenlose Mitarbeiter mittlerweile nicht mehr für die MVG tätig. Das Unternehmen betonte aber, dass der Weggang nicht in Zusammenhang mit seinem pietätlosen Angebot gestanden habe.

Der MVG sei sehr daran gelegen gewesen “der Dame zu verdeutlichen, dass uns dieser Fall sehr betroffen gemacht hat und im Rahmen unserer Möglichkeiten” zu helfen.

Ferner habe es sich nicht um “eine ‘Entschädigung’ oder Wiedergutmachung, sondern schlichtweg um ein Zeichen unserer Anteilnahme und Unterstützung” gehandelt, so das Unternehmen.

Das ging allerdings gewaltig schief. 

(jg)