ELTERN
09/08/2018 13:59 CEST | Aktualisiert 09/08/2018 14:04 CEST

Mützchen-Mythos: Müssen Babys im Sommer wirklich eine Mütze tragen?

"Je jünger die Kinder sind, desto wichtiger ist die Mütze."

  • Viele Eltern sind unsicher, ob ihre Babys auch bei hohen Temperaturen eine Mütze tragen sollten. 
  • Offizielle Empfehlungen gibt es nicht, doch zwei Experten klären auf. 

Es ist heiß draußen. So richtig heiß. Während die meisten Menschen versuchen, der Hitze zu entkommen, oder sich irgendwie abzukühlen, werden kleine Babys sogar häufig noch mit Mützchen ausgestattet.

Viele Eltern sind verunsichert: Müssen Babys wirklich auch im Sommer Mützen tragen oder ist das gar nicht nötig?

Mythos 1: Wir verlieren die meiste Körperwärme über den Kopf

Der Mythos, dass Menschen die meiste Körperwärme über den Kopf verlieren, ist längst widerlegt. Die Wahrheit ist: Wir verlieren die meiste Wärme über unbedeckte Körperstellen. Ist nur der Kopf frei, verlieren wir die Wärme tatsächlich hauptsächlich über den Kopf - aber eben nur dann.

Bei sehr kleinen Babys gibt es allerdings mehrere Besonderheiten. Bei ihnen ist der Kopf im Verhältnis zum restlichen Körper extrem groß und verliert viel Wärme, wenn er nicht bedeckt ist.

Ob sie eine Mütze brauchen, kommt bei kleinen Babys stark auf die Umgebung an, in der sie sich befinden. Hat das Baby zum Beispiel direkten Körperkontakt zur Mutter, kann sie die Körpertemperatur des Kindes ganz automatisch regulieren.Sowohl, wenn das Kind zu kalt ist, als auch, wenn es zu warm ist.

Doch der direkte Körperkontakt zur Mutter ist eben nicht immer möglich.

Warum es Babys mit einem Mützchen besser geht

Um sich bewusst zu machen, wie es den Kleinen ergeht, hilft folgende Erklärung: Bis zur Geburt befinden sich die Babys in einer Umgebung, in der konstant 37 Grad Celsius herrschen. Anschließend müssen sie ihre Körpertemperatur weitgehend selbst regulieren, was ihnen anfangs jedoch schwerfällt.

Kinderarzt Dr. Josef Diers aus Aumühle erklärt auf seiner Website, warum eine Kopfbedeckung für die Kleinen wichtig ist:

“Der größte Wärmeverlust erfolgt über die Kopfhaut, denn dort liegen die Blutgefäße sehr nah unter der Hautoberfläche. Ein Schutz durch Haare wie beim Erwachsenen besteht nicht.

So wird die Wärme direkt an die Umgebung abgegeben und die Kinder kühlen über die Kopfhaut aus.” Dadurch seien die Kinder infektanfälliger, würden schlechter schlafen und seien insgesamt unzufriedener. 

Diers empfiehlt das Mützchen ausdrücklich in den ersten Lebensmonaten – nicht nur draußen, sondern auch in der Wohnung und nachts.

Je kleiner das Baby, desto wichtiger die Mütze

Kinderarzt Dr. Frank Helm aus Kiel ist ebenfalls der Meinung, dass kleine Babys unbedingt eine Mütze brauchen. Der HuffPost sagte er:

“Es gibt keine offiziellen Empfehlungen, in welchem Umfang Kinder Mützen tragen sollten. Ich halte es jedoch für sinnvoll, dass Babys und Kleinkinder Mützen tragen und je jünger die Kinder sind, desto konsequenter sollte man da auch sein.”

Für den Sommer empfielt der Kinderarzt leichte Mützen aus Baumwolle oder Wolle-Seide-Mischungen. Für den Winter sollte es möglichst eine Wollmütze sein.

Auch Helm ist der Meinung, dass Neugeborene nachts eine Mütze tragen sollten.

Kleine Babys schwitzen nur am Kopf

Babyköpfchen haben sogar noch weitere Besonderheiten. Dass kleine Babys ihre Körpertemperatur noch nicht gut selbst regulieren können, liegt unter anderem daran, dass ihre Schweißdrüsen noch nicht vollständig ausgebildet sind.  

Babys schwitzen daher nur am Kopf. Trotzdem ist Kinderarzt Helm der Meinung, dass kleine Babys auch im Hochsommer eine Mütze tragen sollten:

“Wenn das Kind schwitzt, kann eine leichtere Mütze gewählt werden.” Erst, wenn die leichte Mütze richtig nass geschwitzt sei, könne zeitweise darauf verzichtet werden, sagte der Arzt.

Mythos 2: Eine Mütze schützt nicht vor Mittelohrentzündung

Eine Mütze scheint also in jedem Fall sinnvoll zu sein. Allerdings wird sie ein Kind nicht vor einer Mittelohrentzündung schützen können, wie viele Eltern glauben.

Denn Mittelohrentzündungen werden durch Erreger ausgelöst, die über den Nasen-Rachen-Raum in die Ohren gelangen.

Besteht bereits eine Ohrenentzündung, ist das Tragen einer Mütze sinnvoll – es schützt jedoch nicht vor der Erkrankung selbst.

(md)