POLITIK
18/04/2018 17:18 CEST | Aktualisiert 18/04/2018 17:23 CEST

"Moscheereport": Wie Muslime in Deutschland mit Homosexuellen umgehen

Was ein Betroffener, Islam-Experten und ein Imam zum Thema sagen.

  • Wie gehen Muslime in Deutschland mit Homosexuellen um?
  • Dieser Frage geht ARD-Journalist Constantin Schreiber in seinem neuen “Moscheereport” nach
  • Zu welchem Schluss er kommt, seht ihr im Video oben

Der ARD-Journalist Constantin Schreiber hat einen weiteren Teil seines viel beachteten “Moscheereports” veröffentlicht. Thema diesmal: Islam und Homosexualität.

Die wichtigsten Elemente des Films, der bereits in der Mediathek verfügbar ist:

1. Der Betroffene: Von Islamisten im Libanon aus dem dritten Stock geworfen

Schreiber traf dafür Ibhrahim Mokdad, einen homosexuellen Libanesen, der vor drei Jahren nach Deutschland floh und sich heute in der Kölner LGBT-Organisation Rubicon um Migranten kümmert.

Mokdad erzählt, wie ihn in seiner Heimat Islamisten zu einem Fake-Date lockten und aus dem dritten Stock eines Hauses warfen. Mokdad wurde schwer verletzt, konnte demnach neun Monate nicht laufen. 

Mokdad fordert spezielle Aufklärung in Sexualkunde und Vielfalt für Flüchtlinge, die neu nach Deutschland kommen, damit sich die Diskriminierung Homosexueller, die in muslimisch geprägten Ländern Alltag ist, in Deutschland nicht fortsetze.

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2. Die Lage in Deutschland: Islamverbände mauern

Der Psychologe und Islamismus-Experte Ahmed Mansour erklärt, auch in Deutschland werde Homosexualität unter Muslimen “extrem tabuisiert”. Betroffene würden nicht von der Community akzeptiert, müssten ihre Neigung heimlich leben.

Die bekanntesten Islamverbände Ditib, VIKZ und Zentralrat der Muslime wollten sich laut Schreiber nicht äußern.

Said Ahmad Arif,  Imam der Ahmadiya-Gemeinde in Berlin, dagegen spricht mit Schreiber. Er sagt, Homosexuelle dürften zwar zum Beten kommen, könnten aber nicht Mitglied der Gemeinde werden. Er verweist darauf, dass auch Judentum und Christentum Homosexualität als Sünde betrachteten.

3. Der Theologe: Koran verurteilt Homosexualität nicht eindeutig

Ednan Aslan, Professor für Islam-Theologie in Wien, sagt, aus dem Koran gehe nicht eindeutig hervor, wie Homosexualität zu bewerten sei. 

Bekannt sei aber, dass der Islam etwa im Bagdad des 11. und 12. Jahrhunderts viel liberaler gewesen sei als heute. In Europa dagegen bestehe die Chance, dass sich aus der Freiheit heraus eine liberale muslimische Theologie entwickle.

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4. Die Kritik an der Sendung

Schreiber hatte hat vor einem Jahr seinen ersten “Moscheereport” und das ausführlichere Buch “Inside Islam” veröffentlicht und kritisiert, in den Predigten, die er in Moscheen gehört habe, werde nicht für, sondern teils sogar gegen die Integration gepredigt.

Kritiker hatten Schreiber unter anderem vorgeworfen, zu wenige Moscheen für so eine Veröffentlichung besucht zu haben und voreingenommen recherchiert zu haben.

Schreiber hat die Vorwürfe immer zurückgewiesen. Zwei Jahre zuvor hatte er wegen seiner Sendung “Marhaba – Ankommen in Deutschland” als Gesicht der Willkommenskultur gegolten und dafür den renommierten Grimme-Preis bekommen.

Im “Deutschlandfunk” wurde nun auch an seiner neuen Sendung Kritik geäußert: Lesben würden in dem Bericht nicht thematisiert und auch der Liberal-Islamische Bund, der nichts gegen Homosexuelle habe, komme nicht zu Wort. Schreiber entgegnete, der Verband habe nur wenige Moscheen und Mitglieder. 

Im aktuellen “Moscheereport” hoffte Schreiber offenbar, seinen Kritikern zuvorzukommen. Nachdem er die Aussagen des Imams immer hinterfragt hatte, fragte er diesen: “Bin ich islamophob, wenn ich diese Fragen stelle?”

Die Antwort des Imams lautete übrigens: Nein.

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(tb)