ELTERN
05/07/2018 17:19 CEST

Eltern verbieten Sohn Moschee-Besuch – jetzt zahlen sie Strafe

Sie hätten um die Sicherheit ihres Jungens gebangt.

Christian Charisius / Reuters
Die Moschee befindet sich zwei Minuten zu Fuß entfernt von dem Gymnasium. (Symbolbild)
  • Eltern aus Rendsburg haben ihrem Sohn verboten, einen Schulausflug zu einer Moschee zu machen. 
  • Nun hat das Amtsgericht in Meldorf entschieden, dass die beiden ein Bußgeld bezahlen müssen. 

Warum Menschen eine Kirche, eine Moschee oder eine Synagoge besuchen, kann unterschiedliche Gründe haben. Sei es aus religiöser Natur oder einfach nur, weil sich die Besucher für die meist besondere Architektur begeistern.

► Egal, was es ist, ein religiöser Tempel wird oft auch aus nicht-religiöser Motivation aufgesucht.

Auch das Gymnasium Kronwerk in Rendsburg, Schleswig-Holstein, bewertet den Besuch einer Moschee als lehrreich. Nicht aus religiösen Gründen, sondern im Rahmen des Erdkundeunterrichts – bei dem der Lehrplan auch den Orient, den Islam und den Nahen Osten vorschreibt.

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Doch die Eltern eines Kronwerk Schülers ärgerten sich über diese Lehrmethode, so dass sie ihrem Sohn den Ausflug in die Moschee schlichtweg verboten haben. Jetzt müssen sie dafür bezahlen.

13-Jähriger muss Schule schwänzen

Fast zwei Jahre sind vergangen, seitdem die Eltern eines damals 13-jährigen Gymnasiasten ihm den Besuch in die Centrum-Moschee in Rendsburg verweigerten. Eine Moschee, die zwei Minuten zu Fuß entfernt ist, und die jeder Schüler auf dem Pausenhof des Gymnasiums sehen könnte. 

Die Begründung der Eltern sei gewesen, dass sie sich um “die Sicherheit für Leib und Leben” ihres Kindes gesorgt hätten. Das berichtete das Newsportal “Kieler Nachrichten”. 

Auch hätten Mutter und Vater von einer “religiös motivierten Gewalt” gesprochen, wenn ihr Sohn an einem Ausflug zur Moschee teilnehmen müsse.

► Es handle sich für Eltern nicht mehr um Erdkundeunterricht, sondern um Religionsunterricht. 

Ihre damalige Lösung: Der 13-Jährige schwänzte die Schule an diesem Tag. Das Gymnasium bestrafte im Gegenzug die Eltern für ihr Verhalten und verdonnerte die beiden insgesamt zu einem Bußgeld von 300 Euro.

Der Fall landete damals vor Gericht, da die Eltern Widerspruch gegen die Strafe einlegten. Das Amtsgericht hatte das Bußgeldverfahren eingestellt.

Eltern sollen bezahlen

Nun wurde der Fall neu aufgerollt und das Amtsgericht musste diesmal ein Urteil fällen. Und dieses fiel zugunsten der Schule aus.

Die Richterin Melanie Buhk sieht in dem Besuch keinen Religionsunterricht – dafür sei der Ausflug de facto zu kurz gewesen. Auch habe ihrer Ansicht nach “keine Werbung für den Islam” stattgefunden.

Weil die Eltern ihren Sohn zum Schwänzen gezwungen hatten, müssen sie jetzt ein niedrigeres Bußgeld von 50 Euro zahlen.

Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig und es ist noch unklar, ob die Eltern dagegen vorgehen werden. Ihr damaliger und heutiger Anwalt, Düsseldorfer Familienrechtler Alexander Heumann, wird sich laut “Kieler Nachrichten” überlegen, ob er einen Rechtseinspruch einlegt. 

Heumann ist Vorstandsmitglied der rechtspopulistischen Vereinigung “Pax Europa”, die vor einer “Islamisierung” Deutschlands warnt. Schon vor zwei Jahren veröffentlichte der Anwalt im Internet eine “Verteidigungsschrift für die breite Öffentlichkeit”. In dieser deklinierte Heumann den Fall aus seiner rechtsgetriebenen Sichtweise durch.

Auch fügte er seiner Schrift ein Bild der Rendsburger Moschee hinzu, die er als größten “architektonische Schandfleck in ganz Norddeutschland” bezeichnete. Niemand dürfe gegen seinen freien Willen gezwungen werden, erklärte Heumann in seiner Schrift, einen “Sakralbau” zu betreten. 

Mit Material der dpa.

(kap)