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07/06/2018 20:24 CEST | Aktualisiert 08/06/2018 11:12 CEST

Mordfall Susanna: So konnte der gesuchte Iraker aus Deutschland fliehen

"Barzahlung, one way."

dpa
Links: Polizisten warten an einem gesperrten Feldweg in Wiesbaden-Erbenheim in der Nähe des Fundorts der Leiche.Rechts: Das Fahndungsfoto des Verdächtigen Irakers Ali B.
  • Die vermisste 14-jährige Susanna ist tot – sie wurde missbraucht, umgebracht und in ein Loch geworfen.
  • Ein Verdächtiger ist in seine irakische Heimat geflohen – wie konnte das passieren?

Die seit zwei Wochen vermisste 14-jährige Susanna ist in Wiesbaden vergewaltigt und getötet worden. Ein Tatverdächtiger ist auf der Flucht. Ein weiterer Mann, der zunächst verdächtig war, wurde am Donnerstag wieder frei gelassen.

Die Ermittler fahnden nun nach einem 20 Jahre alten irakischen Flüchtling. Ali B. wird im Irak vermutet.

► Doch wie konnte der Mann aus Deutschland ausreisen?

Der Tatverdächtige sei vermutlich am vergangenen Donnerstag ”überhastet” abgereist abgereist, berichtete der Wiesbadener Polizeipräsident Stefan Müller laut der “Welt”. An dem Tag wurde die Familie das letzte Mal in ihrem Zuhause, einer Flüchtlingsunterkunft in Wiesbaden, gesehen.

Wohl nur die Passbilder, aber nicht die Namen verglichen

Die Familie – bestehend aus Vater, Mutter und sechs Kindern – habe zuletzt zusammen in der Unterkunft gelebt. Sie sei nach bisherigen Erkenntnissen am Samstag von Düsseldorf aus nach Istanbul und von dort am Sonntag weiter ins irakische Erbil geflogen.

► Auf den Flugtickets seien andere Namen angegeben gewesen als auf den ebenfalls am Flughafen vorgelegten Aufenthaltspapieren für Deutschland, sagte Müller. Laut “Spiegel Online” fügte er hinzu: “Barzahlung, one way.”

Die Gruppe habe aber auch sogenannte Laissez-passer-Dokumente – eine Art Passierschein – in arabischer Sprache mit Passbildern dabei gehabt, die von der irakischen Botschaft ausgestellt worden seien. Am Flughafen seien nach den bisherigen Erkenntnissen die Passfotos, aber nicht die Namen abgeglichen worden.

Hintergrund:

Botschaften zum Beispiel können solche Passersatzpapiere ausstellen, wenn der Reisepass abhanden gekommen oder nicht mehr gültig ist.

Ein zur Ausreise verpflichteter abgelehnter Asylbewerber kann Deutschland mit dem Papier schnell und unbürokratisch verlassen. Es berechtigt zur einmaligen Einreise und ist wenige Tage gültig.

Laissez-passer kommt aus dem Französischen und bedeutet “Bitte durchlassen!”

Mit Material von dpa.

(jg)