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09/05/2018 17:18 CEST | Aktualisiert 03/08/2018 11:32 CEST

“Ich habe einen Menschen getötet – heute helfe ich Jugendlichen"

Dieses Beispiel zeigt: Resozialisierung kann gelingen.

Das Video-Porträt oben erzählt die eindrucksvolle Geschichte eines Mörders, der seinen Weg zurück in die Gesellschaft fand. 

Was richtig war und was falsch, war dem heute 48-jährigen Henry-Oliver Jakobs die meiste Zeit seines Lebens egal. Auf der Reeperbahn in Hamburg lebte er nach seinen eigenen Regeln. Konflikte löste er nicht mit Worten, sondern mit Fäusten und Waffen.

1995 schoss er vorsätzlich auf zwei Menschen. Der eine starb, den anderen verletzte er schwer. Es ging um viel Geld. Jakobs kam für 19 Jahre ins Gefängnis.

Nach Jahren in Isolationshaft dann der Sinneswandel

“Es kamen einige Dinge zusammen. Meine Großeltern sind gestorben, meine Frau hat sich von mir getrennt. Dann habe ich ein Projekt kennengelernt, das sich mit straffälligen Jugendlichen beschäftigt.”

Noch in der Haft beginnt Jakobs mit den jungen Menschen zu arbeiten.

Nach seiner Freilassung gründet er seinen Verein “Gefangene helfen”, mit dem er heute junge Menschen davor bewahrt, den gleichen kriminellen Weg zu gehen wie er. 

Mehr zum Thema: Es gibt einen Grund, warum Jugendliche kriminell werden – die meisten Eltern unterschätzen ihn völlig

Einmal Straftäter, immer Straftäter?!

Dabei lautet die Vorstellung vieler Menschen, auch in Deutschland:Wer einmal kriminell war, der bleibt es auch.

► Dass Täter therapiert und resozialisiert werden sollen, finden nur 36 Prozent der Deutschen laut einer Studie des FDP-nahen Instituts der Friedrich-Naumann-Stiftung wichtig. Mehr als die Hälfte der Befragten fordert von Anfang an viel härtere Strafen. Wegsperren statt zweite Chance also. 

► Die Statistik scheint dieser Forderung auf den ersten Blick Recht zu geben: Wie eine aktuelle Untersuchung des Bundesjustizministeriums zeigt, wird jeder dritte Straftäter binnen drei Jahren nach der Entlassung wieder straffällig. In dem Zeitraum von neun Jahren begehen 48 Prozent erneut eine Straftat. 

Dennoch: “Wenn wir Rückfälle systematisch verhindern können, haben wir weniger Gefangene”, sagte der Kriminologe Bernd Maelicke in einem Interview mit der “Welt”.

Laut Strafvollzugsgesetz ist die Resozialisierung das wichtigste Ziel des Strafvollzugs. Da heißt es: “Im Vollzug der Freiheitsstrafe soll der Gefangene fähig werden, künftig in sozialer Verantwortung ein Leben ohne Strafe zu führen.”

Resozialisierung bedeutet also, dass ein Inhaftierter nach dem Verbüßen seiner Haftstrafe schrittweise wieder in die Gesellschaft integriert wird.

Resozialisierung ist wichtig – und kann gelingen

Gleich nach dem Öffnen des Gefängnistores tauchen die entscheidenden Fragen auf, die darüber entscheiden, wie das Leben in Freiheit verläuft: Hat der Ex-Häftling soziale Kontakte? Eine gesicherte Unterkunft? Geld? Einen Job?

Der Fall von Henry-Oliver Jakobs zeigt, dass die Rückkehr in die Gesellschaft funktionieren kann. Entscheidend bei ihm: Er hatte eine Aufgabe, die ihn erfüllt.

“Ich habe das große Glück, eine Arbeit zu haben, bei der ich etwas bewirke. Bei der ich eine Erfüllung gefunden habe. Bei der ich etwas verändern kann. Was will ich mehr?”

Jakobs Resozialisierung hilft durch seinen Verein auch der Gesellschaft.

Als Mörder und ehemaliger Gefängnisinsasse hat er eine besondere Wirkung auf die jungen Menschen. Der 48-Jährige sagt:

“Wenn sie meine Biografie hören, dann stehen sie erstmal stramm und sind geschockt. Ich bekomme dann eine ganz andere Art von Respekt.”

Henry-Oliver Jakobs Geschichte seht ihr im Video oben.

(jds)