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17/07/2018 18:17 CEST | Aktualisiert 17/07/2018 21:41 CEST

Model setzt sich nackt auf Torten und erklärt, wie man damit Geld verdient

"Es ist sexy, aber auch komisch"

GABRIELA LANDAZURI SALTOS/HUFFPOST
Linday Dye hat Fotografie und Bildhauerei studiert.
  • Die US-Amerikanerin Lindsay Dye verdient ihr Geld damit, sich halbnackt auf Torten zu setzen.
  • Der HuffPost erklärt die 30-Jährige, warum ihre Idee so erfolgreich ist.

Lindsay Dyes Performances sind so vielschichtig wie die Torten, die sie dafür backt. 

Die 30-jährige kommt aus Brooklyn und verdient den Großteil ihres Einkommens als Kamera-Girl und ihren Auftritten als “Cake Sitter”. Trotzdem betrachtet sie sich selbst zuallererst als Geschäftsfrau. Und mit Master-Abschlüssen in Fotografie und Bildhauerei schafft sie es auch, eine Künstlerin zu sein.

Singen und auf Kuchen sitzen

Als Fotografin begann sie sich für die Welt des Webcam-Modelings zu interessieren. Beim Webcam-Modeling präsentieren sich Menschen in einem Live-Video-Stream einem bestimmten, meist zahlenden Publikum. Dye arbeitete zunächst als sogenanntes Camgirl. Dann entwickelte sie das Webcam-Modeling zu einer persönlichen Kunstform weiter. 

► Sechs Jahre später ist es immer noch ihr Beruf.

Mittlerweile ist sie für ihre gewagten, aufreizenden und modernen Auftritte bekannt. Zu ihrem Highlight-Programm gehört eine Performance, in der die 30-Jährige “2 Become 1” von den Spice Girls singt, während sie ihren Hintern an einer bunt-glasierten Torte reibt.

Doch nicht nur dafür zahlen ihre Fans. Schon vor dem Auftritt bereitet Dye den Kuchenteig in ihrem Bett zu. Die Zuschauer bezahlen, um alleine die Farbe der Torte aussuchen zu dürfen.

Neben ihrer Arbeit als Camgirl präsentiert die 30-Jährige ihre Kuchen-Show auch vor echtem Publikum. In knallbunter Unterwäsche tritt Dye in Kunstgalerien oder auf hippen Partys auf. In der realen und in der virtuellen Welt nutzt sie “Cake Sitting”, um die Grenzen zwischen Kunst, Sex und Kommerz zu erforschen.

Und obwohl sie weiß, dass es komisch ist, für “Cake Sitting” bekannt zu sein, nimmt sie sich selbst und ihre Arbeit sehr ernst.

 

“Es ist sexy und komisch zugleich”

Wie war es für dich, als Camgirl anzufangen?

Am Anfang habe ich so getan, als würde mein Ton nicht funktionieren, damit ich den Menschen nicht verbal antworten musste. Wegen der Nacktheit war ich nicht nervös. Ich war nervös, weil ich mich fragte, ob meine Persönlichkeit mehr zählen würde als mein Körper. Denn Körper gab es bereits genug auf der Website. Und meistens ging es nicht darum, ob den Zuschauern irgendein nackter Mensch gefiel, sondern, ob ein bestimmter Mensch das Publikum in seinen Bann ziehen konnte. In meinem Fall hatte ich einfach noch nicht meinen Kamera-Charakter entwickelt oder zumindest kannte ich ihn noch nicht. 

GABRIELA LANDAZURI SALTOS/HUFFPOST

Was ist deine Kamera-Persönlichkeit heute?

Ich werde definitiv als Komikerin angesehen. Bevor ich mich auf Torten gesetzt habe, hatte ich ziemlich kindliche Performances gemacht und beispielsweise aufblasbare Esel in meiner Show benutzt. Aufblasbare Dinge und Kinder-Pool-Spielzeug waren immer Teil meiner Kunst und wurden auch Teil meiner Cam-Shows. Ich nutzte Gegenstände, die in meiner Kunst vorkamen, um meine Persönlichkeit zu etablieren und herauszufinden, wer ich in diesem Raum bin.

Die Leute kennen mich als Künstlerin, aber ich glaube, sie schauen mir zu, um zu lachen. Und in diesem Bereich bewege ich mich auch ungefähr mit dem “Cake Sitting”. Es ist sexy, aber auch komisch und das ist auch die Dualität meiner Kunst. Sie überspannt schwarzen Humor und Sarkasmus. Sie kommt aus einer ernsten Richtung, aber es ist auch immer noch sexy und die Menschen können dazu masturbieren. 

Wie kamst du vom Cam-Modeling zum “Cake Sitting”? 

Die Geschichte hinter dem “Cake Sitting” ist, dass mir jemand eine private Nachricht geschrieben hat, in der er verlangte, dass ich mich auf meine Katze setze. Meine Katze spielt eine wichtige Rolle in meinem Chatroom. Die Leute kennen sie. Sie kennen ihren Namen. Sie senden mir Geld, wenn sie zu sehen ist. Aber dieser Mensch meinte es ernst. Er schickte die Nachricht mehrere Male über Monate hinweg.

Deshalb fing ich an zu recherchieren. Was der Kunde von mir verlangte, nennt sich “Crushing” [Zerquetschen].

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So eklig und böse das auch klingt, es gehört zu einem bestimmten Fetisch, bei dem sich Menschen aufgeilen, indem sie zuschauen, wie jemand etwas zerquetscht. Das reicht von kleinen Insekten bis hinzu größeren Tieren. Natürlich habe ich es abgelehnt, das zu machen. Aber während ich mich über den “Crushing”-Fetisch informierte, fand ich das “Cake Sitting”. Ich finde, dass das eine reinere, schönere Version dessen ist, was dieser Mensch von mir verlangte. 

“Ich setze mich auf fünf bunte Schichten Torte”

GABRIELA LANDAZURI SALTOS/HUFFPOST

Gibt es eine Sorte Torte die am besten für “Cake Sitting” geeignet ist? 

Ich kaufe keine Torten mehr. Ich habe mich total daran gewöhnt, dass sie wie temporäre Skulpturen sind, die ich selber mache. 

Ich kaufe eigentlich nur noch eine Backmischung für weiße Torten, damit ich anschließend die Farbe ändern kann. Ich versuche alles so bunt wie möglich zu machen, weil es sonst langweilig aussieht. Von Rot oder Braun halte ich mich fern, weil diese Farben aussehen wie Körperflüssigkeiten. 

Ich habe gemerkt, dass ich mehr Material brauche, mit dem ich arbeiten kann. Deshalb fing ich an, die Torten zu stapeln. Statt einer Schichttorte mache ich jetzt in etwa fünf Stück. Der Kuchen ist extrem artifiziell. Doch je künstlicher, desto schöner.

Welche Art von Mensch steht auf “Cake Sitting”?

Es gibt keine spezielle Art von Mensch, die darauf steht. Es ist für jeden. Warum? Weil jeder eine Verbindung zu Torte hat. Jeder hat persönliche Erfahrungen mit Torte gemacht. Jeder hat schon mal eine Torte bekommen. Ich glaube, “Cake-Sitting” ist für alle, weil es jeden ein bisschen in seinem Herzen anspricht.

“Ich bringe Pornographie in die Kunstgalerie”

GABRIELA LANDAZURI SALTOS/HUFFPOST

Wo ziehst du die Grenze zwischen deiner künstlerischen Performance in Realität und deinen Performances im Internet?

Wenn ich im echten Leben auftrete, ist das schnell erledigt. Ich fühle mich wie ein Superheld. Die Kunst passiert und ich bin weg. Im Chat gibt es einen langen Spannungsbogen: Es gibt mehr Kommunikation, es wird mehr hinterfragt und ich interagiere mit meinem Publikum.

In beiden Fällen ist es jedoch nur ein kurzer Moment. Ich sage immer, dass die Vorfreude der wichtigste Teil ist, weil es eben so schnell geht – das eigentliche Zerquetschen der Torte, das Platt-Machen. Das dauert eigentlich nur eine Sekunde. 

Im Chatroom ist es viel intimer, weil ich erst performe und danach meinem Publikum die Unordnung hinterlasse und selbst duschen gehe. Dann komme ich zurück und beschäftige mich weiter mit den Zuschauern. Außerdem setze ich mich nochmal auf den Kuchen und masturbiere. Dann erst ist es für meine Fans eine komplett sexuelle Erfahrung. 

In den Kunstgalerien geht es gegensätzlich darum, Pornographie in die Öffentlichkeit zu tragen. In beiden Fällen glaube ich, dass ich für Erfahrungen sorge, die man an diesen Orten eigentlich nicht hätte: Ich bringe Kunst in den Chatroom und Pornographie in die Kunstgalerie.

Hast du dich schon auf andere Gerichte gesetzt?

Ich dachte, dass “Cake Sitting” kurzlebig sei. Deshalb habe ich sofort zum nächsten Gericht gewechselt – Pizza. Nicht der gleiche Effekt. Pizza ist sehr flach. Man kann sie auf der Bühne kaum sehen. Das war wirkungslos. Vielleicht brauche ich eine amerikanische Pfannenpizza oder eine sizilianische Pizzatorte. Außerdem ist die Farbpalette am Ende eklig.

GABRIELA LANDAZURI SALTOS/HUFFPOST

Wenn du diesen Job nicht hättest, was würdest du dann machen?

Ich arbeite mit dem, was ich habe. Wie viele Frauen wurde ich mein Leben lang wie ein Gegenstand behandelt. Es wird so viel über meinen Körper gesprochen. Deshalb dachte ich mir, dass ich ihn einfach für die Arbeit nutze, weil ich ihn ja offensichtlich habe.

Aber wenn es “Cake Sitting” nicht gäbe, wäre ich Stand-Up-Comedian. Ich glaube, ich habe “Cake Sitting” schon mal als “Sit-Down-Comedy” bezeichnet.

Was ist das beste an deinem Beruf?

Jemand hat mich mal gefragt: “Was fühlst du beim ‘Cake Sitting?’ Es ist Macht. Ich fühle mich mächtig und meine, die Kontrolle zu haben. Ich schalte den Computer an und fühle mich wie der Chef. Mein Gott, fühlt sich das gut an. 

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Der Artikel erschien zuerst in der HuffPost USA und wurde von Moritz Diethelm aus dem Englischen übersetzt und angepasst.

(nc)