ELTERN
21/09/2018 13:40 CEST

Mobbing: Wie Eltern ihren Kindern wirklich helfen können

Zeigt euren Kindern, dass ihr euch in sie hineinversetzen könnt.

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Hört euren Kinder zu, ohne sie zu verurteilen (Symbolbild). 
  • Oft ist es für Eltern schwer, mit ihren Kindern über Mobbing zu sprechen.
  • Wir haben euch vier Tipps zusammengestellt, wie ihr dieses heikle Thema behandeln könnt.

Von Lauren Paul and Molly Thompson, Mitgründer der gemeinnützigen Organisation “Kind Campaign”

Der Beginn des neuen Schuljahrs fühlt sich oft wie eine emotionale Achterbahnfahrt an. Gefühle der Angst überkommen dabei nicht nur die Kinder, sondern auch euch Eltern, da sich eure Schützlinge in ein fremdes Umfeld begeben – fernab von eurer Aufsicht. 

 Aber ihr seid nicht alleine, liebe Eltern.

Wir hatten die Gelegenheit, uns persönlich mit Hunderttausenden von Schülern in Verbindung zu setzen, die alle mit einer anderen Geschichte in die Schule gekommen sind, aber denselben Wunsch teilten: von ihren Altersgenossen geliebt und akzeptiert zu werden.

Wir haben gesehen, welche Dinge helfen, die Gruppengemeinschaft zu stärken und welche nicht – und möchten euch Eltern dabei helfen, mit euren Kindern darüber reden zu können, egal, ob euer Kind die Vorschule beginnt oder auf das Gymnasium gehen wird. 

Hier stellen wir euch vier Tipps vor, die euch helfen sollen, mit euren Kindern über Mobbing zu sprechen.

1. Erinnert eure Kinder daran, dass ihr diese Situation kennt

Es ist so wichtig, dass ihr euren Kinder zeigt, dass ihr bereits die gleichen Situationen einmal erlebt habt. Ihr seid auch durch die Schulgänge gelaufen und habt euch mit den gleichen – wenn nicht sogar den selben – sozialen Zwängen oder Gefühlen geplagt, wie eure Kids heute.

Auch wir machen das bei jeder “Kind-Campaign”– Versammlung zum Thema Mobbing. Wir konnten feststellen, dass wenn wir unsere persönlichen Geschichten teilen, sich die jungen Menschen freier und sicherer fühlen, ihre eigenen Erlebnisse preiszugeben. Und sie nehmen dadurch auch viel eher Ratschläge an. 

Mehr zum Thema Mobbing: Hunderte Mädchen und Jungen berichten, wie sie in der Schule erniedrigt wurden

Es ist wichtig, dass ihr euch in ihre Lebenswelt begebt und den Kindern dadurch zeigt, dass ihr wirklich nachvollziehen könnt, was sie gerade durchmachen. 

Bedenkt dabei, dass sich euer Kind vielleicht schämt, euch zu sagen, dass es gehänselt wurde oder jemanden gerade hänselt. Sobald die Kids jedoch das Gefühl haben, dass sie mit diesen Situationen nicht alleine sind, könnt ihr eine tiefere Verbindung zu ihnen aufbauen und ihnen einen besseren emotionalen Halt geben.

2. Hört zu, ohne zu verurteilen 

Als Eltern könnte euch euer Instinkt sagen, dass ihr eurem Kind sofort mitteilen müsst, was ihr von dieser oder jener Geschichte haltet. Haltet euch zurück.

Unterbrecht sie nicht und hört einfach nur zu. Ihr wollt doch, dass sich euer Kind sicher fühlt und auch in Zukunft zu euch kommt, wenn es Probleme hat. 

Manchmal kann es helfen, das Gespräch wie folgt einzuleiten: “Ich möchte, dass du mit mir über alles sprechen kannst, was dich belastet. Ich werde einfach nur zuhören und nichts sagen, bis du alles gesagt hast, was du sagen wolltest. Du sollst wissen, dass du mir alles erzählen kannst.”

Ihnen eine Stimme zu geben und ihnen zu zugestehen, dass nur sie über diese Erfahrung berichten können, kann die Kinder sehr ermutigen. 

Sobald euer Kind seine Geschichte beendet hat, nehmt euch einen Moment, um die Informationen verarbeiten zu können. Das kann je nach Situation oft schmerzhaft, herzzerreißend oder sogar ärgerlich sein. 

Wir haben für euch ein paar mögliche Antworten für unterschiedliche Szenarien zusammengetragen:  

►  Für Eltern, deren Kind gemobbt wird

Dieses Erlebnis ist nicht deine ganze Lebensgeschichte. Wenn du in der Schule bist, kann es oft schwer sein, über die Grenzen der Schulhallen hinaus zu sehen und zu verstehen, dass das Leben so viel mehr zu bieten hat. Die Schule ist nur ein Kapitel deiner Geschichte, nur ein winzig kleiner Teil deines Lebens.

Ich erinnere mich gut daran, wie ich durch die Schulgänge gelaufen bin und gedacht habe, “das ist mein ganzes Leben”. Es gab Momente, in denen ich mich einsam gefühlt habe und ich hatte solche Angst, bestimmte Kameraden in der Schule wiederzusehen. Wenn ich daran zurückdenke, wünschte ich, dass ich eine Zeitreise machen könnte: Ich würde meinem damaligen Ich sagen, dass alles in Ordnung gehen wird und dass mein weiteres Leben voll mit neuen Freunden und Abenteuern sein wird.

Es wird wirklich aufwärts gehen. Du sollst vor allem wissen, dass die Schmerzen, die dir zugefügt werden, nichts mit dir als Person zu tun haben. Meistens ist es die Person selbst, die dir Schwierigkeiten bereitet. Sie versucht dadurch mit ihren eigenen Unsicherheiten fertig zu werden.

► Für Eltern, deren Kind andere Schüler hänselt:

Deine Worte und Handlungen können eine lebensverändernde Auswirkung auf die Person haben – schlechte und gute. Ein einziger fieser Kommentar kann sich auf das Selbstbewusstsein, die Selbstachtung der Person Auswirken. Auch auf dessen Beziehung zu anderen Menschen. Manchmal tut diese eine Bemerkung auch 20 Jahre später noch weh.

Deine Worte und Handlungen können das Leben eines Menschen komplett verändern. Sei dir dessen bewusst, dass wenn du älter bist, dann wirst du deine Handlungen bereuen. Und du wirst mit dieser Belastung nicht leben wollen. 

Du musst dich bei der Person entschuldigen, die du gehänselt hast. Damit heilst du nicht nur den Schmerz der Person, die du verletzt hast, sondern du heilst auch dich selbst. Du kannst einen Neustart beginnen, indem du ein liebevoller Mensch bist. Das fühlt sich wesentlich besser an. 

Wenn euer Kind jemand anderen hänselt, dann macht euch selbst keine Vorwürfe oder geht in eine defensive Haltung.

Werdet euch anstatt dessen bewusst: Wie ihr mit der Situation umgeht ist genauso wichtig wie die Situation selbst. Ihr könnt dieses Ereignis in eine wichtige Lektion umwandeln. Ermutigt euer Kind, sich zu entschuldigen und zu einem Berater oder Psychologen zu gehen. 

Ihr sollt wissen, dass auch die besten Eltern Kinder haben, die andere Kinder triezen. Das Wichtigste ist, dass ihr Vertrauen zu eurem Kind aufbaut und dabei helft, die Situation zu klären. 

3. Ermutigt euer Kind, sich Hilfe zu suchen

Egal, ob euer Kind gemobbt wird oder selbst jemanden hänselt – wichtig ist, dass es sich einem Schulberater oder einem Psychologen gegenüber öffnet. Dies könnte den Heilungsprozess eures Kindes verbessern.

Wenn ihr diesen Schritt gehen wollt, dann zeigt eurem Kind die verschiedenen Optionen auf. Und erinnert es immer daran, dass es völlig in Ordnung ist, sich Hilfe zu holen. 

4. Lasst euer Kind an außerschulischen Aktivitäten teilnehmen

Redet mit eurem Kind über seine Leidenschaften. Interessiert es sich für Sport? Kunst? Musik? Wissenschaft?

Das Selbstbewusstsein eures Kindes kann sich dadurch stärken, wenn es auch außerhalb der Schule an spannenden Aktivitäten teilnimmt. Dadurch wird auch das Gefühl der Gruppenbindung gestärkt und euer Kind hat etwas, worauf es sich nach der Schule und fernab der Klassenräume freuen kann.

Außerschulische Aktivitäten geben eurem Kind überdies die Chance, sich mit Gleichgesinnten zu treffen und neue Freunde zu finden.

In der Vergangenheit wurde kaum oder fast gar nicht über Mobbing in der Schule gesprochen. Mobbing wurde lange als Teil eines normalen Prozesses gesehen und häufig unter den Teppich gekehrt. Heute drängen alle Schulen darauf, unbedingt während des Unterrichts über dieses Thema zu sprechen, damit es ja nicht in ihren Hallen passiert. 

Wir wissen genau, dass es erschreckend wirken kann, euer Kind in die Schule zu schicken. Aber wir wollen, dass ihr Hoffnung habt. Wenn ihr offen und ehrlich mit euren Kindern über Mobbing sprecht, dann fördert ihr das Selbstbewusstsein eurer Kinder.

Sie fühlen sich bestärkt, für sich selbst einzustehen und sich gegen andere Klassenkameraden zu wehren. Und sie werden euch vertrauen, dass ihr ihnen in dieser Zeit zur Seite stehen könnt. 

Dieser Text erschien zuerst bei HuffPost US und wurde von Nadine Cibu aus dem Englischen übersetzt.

(amr)