POLITIK
19/02/2018 08:21 CET | Aktualisiert 19/02/2018 09:55 CET

Ende der Merkel-Ära? Was Taubers Rückzug über die Lage der CDU verrät

HuffPost-These.

Sean Gallup via Getty Images
Peter Tauber zeigt Angela Merkel die Richtung an. Meist war es andersherum.

Peter Tauber tritt als CDU-Generalsekretär zurück. Sein Rückzug ist sicher einerseits seiner andauernden Krankheit geschuldet.

Andererseits ist Tauber das logische erste Opfer der CDU-Erneuerung. Schon lange war der Generalsekretär besonders den konservativen Parteikreisen ein Dorn im Auge.

Tauber verkörperte die Merkel-CDU bisweilen noch besser als seine Chefin selbst. Sein Abtritt ist das Ende einer Ära.

Wofür Tauber in der CDU stand:

► Tauber galt als treuer Parteisoldat, als Verfechter des Kurses, den Angela Merkel der CDU in den vergangenen Jahren verschrieben hatte. Dass die Christdemokraten nach links rutschten, sozialer und liberaler auftraten, ist auch ein Verdienst des Hessen. 

► “Wer hier nicht für Angela Merkel ist, ist ein Arschloch und kann gehen”, soll Tauber gar einmal bei einer parteiinternen Diskussion entglitten sein, als Parteifreunde die Flüchtlingspolitik der Kanzlerin kritisierten.

Unter anderem sein Einsatz für das Einwanderungsgesetz und die Ehe für alle (ein Thema bei dem Tauber sich noch liberaler zeigte als Merkel) brachte ihn bei CDU-Konservativen in Verruf.

Tauber gilt in der CDU zudem als Digital-Experte. Bei Twitter bedankten sich dutzende CDU-Angestellte für seinen unerbittlichen Einsatz für die Partei – vor allem im Digitalbereich. 

► Aber: Zuletzt wurde Tauber auch zum Gesicht des Misserfolgs. Besonders nach dem enttäuschenden Ergebnis bei der Bundestagswahl geriet der Parteimanager in die Kritik.

Denn er hatte sich maßgeblich für die wenig erfolgreiche Kampagne Connect17 verantwortlich gezeigt.

Mehr zum Thema: Wolfgang Bosbach rechnet mit Peter Tauber ab

Was nun folgen soll:

In der CDU gibt es laute Rufe nach einer personellen Runderneuerung – nicht nur im Bundeskabinett der Kanzlerin. Das neue Führungsteam der CDU soll jünger sein – und wahrscheinlich auch rechter.

Das zunächst gehandelte Ministergespann, ein Team nach dem Geschmack Merkels, wird sich die Kanzlerin wohl kaum leisten können, wenn sie den Unmut der Basis bekämpfen will.

► Peter Altmaier, Hermann Gröhe, Ursula von der Leyen: All sie wurden schon früh für wichtige Posten gehandelt. Das sei “weniger ein CDU-Kabinett als ein Kanzlerinnen-Fanklub”, schreibt “Welt”-Korrespondent Robin Alexander.

Neben ihren Getreuen wird Merkel dieses Mal auch kritische Geister installieren müssen. Sie werden die CDU zweifelsohne vom Idealzustand der Kanzlerin wegrücken. Ihr “Profil zurückgeben”, wie es CDU-Konservative dieser Tage immer wieder betonen.

► Ein Ministeramt für Merkel-Kritiker Jens Spahn wäre ein logischer Schritt.

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Kramp-Karrenbauer ist nur ein leiser Trost

Jetzt soll Annegret Kramp-Karrenbauer Generalsekretärin werden. Die Saarländerin ist ebenfalls eine Merkel-Vertraute. Ob sie so bedingungslos loyal zur Chefin ist wie Tauber, wird sich jedoch zeigen müssen.

Klar ist, dass die Gruppe der Verbündeten der Kanzlerin schrumpft. Und mit Taubers sinkendem Einfluss wird sicher auch Merkels Handschrift verblassen.

Es deutet sich an: Die CDU, wie Tauber und Merkel sie geformt haben, gibt es bald nicht mehr. Diese Ära ist vorbei. 

(mf)