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07/03/2018 17:36 CET | Aktualisiert 08/03/2018 11:15 CET

Euer Partner kann euch unbemerkt missbrauchen: Das sind die Anzeichen

Diese 11 Warnzeichen solltet ihr auf keinen Fall missachten.

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Zu Beginn einer solchen Beziehung gibt sich der Täter zumeist aufmerksam und freundlich. 
  • Emotionaler Missbrauch in einer Beziehung ist oft schwer zu erkennen
  • Die Auswirkungen sind häufig traumatisch für die Opfer 

Körperlicher Missbrauch lässt sich leicht erkennen. Emotionaler Missbrauch in einer Beziehung kann jedoch sehr viel heimtückischer sein. Oft wird er von Familienmitgliedern, Freunden und sogar den Opfern selbst gar nicht als solcher erkannt.

“Anders als körperlicher oder sexueller Missbrauch läuft emotionaler Missbrauch auf sehr subtile Weise ab”, erzählte Lisa Ferentz der HuffPost. Ferentz ist eine zugelassene klinische Sozialarbeiterin und Erzieherin, die sich auf Traumata spezialisiert hat.

► “Emotionaler Missbrauch ist für die Opfer sehr viel verwirrender. Denn er wird typischerweise hinter Verhaltensweisen getarnt, die auf den ersten Blick ‘liebevoll’ erscheinen.” 

Mehr zum Thema: Harmonie, Glück und besserer Sex: Fünf Profi-Tipps für Ihre Beziehung

Täter wollen Macht und Kontrolle ausüben

Zu Beginn einer solchen Beziehung gibt sich der Täter zumeist aufmerksam und freundlich. Wie Ferentz erklärte, gehört diese Phase guten Verhaltens zum sogenannten “Grooming-Prozess” des Täters.

“Durch dieses Verhalten gewinnen die Täter das Vertrauen und die Zuversicht ihrer Opfer. Damit bereiten sie die Opfer auf den anschließenden Missbrauch vor”, erklärte Ferentz.

“Emotionaler Missbrauch ist für die Opfer sehr viel verwirrender. Denn er wird typischerweise hinter Verhaltensweisen versteckt, die auf den ersten Blick ‘liebevoll’ erscheinen.” – Lisa Ferentz, Sozialarbeiterin und Erzieherin mit dem Schwerpunkt Traumata

Emotionaler Missbrauch wird von den Tätern angewandt, um Macht und Kontrolle in einer Beziehung zu erlangen. Er kann sich in verschiedenen Formen äußern. Dazu gehören unter anderem: Beleidigungen, Kritik, Drohungen, Gaslighting, Spott, Schuldzuweisungen, Einschüchterungen, Fluchen, Beschimpfungen, Mauern, Lügen, Herabwürdigungen und Nichtbeachtung.

Die Narben, die emotionaler Missbrauch hinterlässt, sind zwar äußerlich nicht sichtbar. Doch die Auswirkungen auf die Opfer können dennoch traumatisch sein.

► Opfer von emotionalem Missbrauch leiden im späteren Leben oftmals unter Ängsten, Depressionen, chronischen Schmerzen, Posttraumatischen Belastungsstörungen und Suchterkrankungen.

► Um emotionalen Missbrauch besser verstehen zu können, haben wir sechs Experten gebeten, uns subtile Warnzeichen zu nennen, die darauf hinweisen könnten, dass du in solch einer toxischen Beziehung feststeckst.

1. Du achtest mit panischer Sorgfalt darauf, deinen Partner nicht zu enttäuschen

“Du überlegst dir jeden Schritt zweimal und du kontrollierst dein eigenes Verhalten. Das bedeutet, dass du das subtile missbräuchliche Verhalten deines Partners bereits verinnerlicht hast, um ihn davon abzuhalten, dass er es offen zeigt.”  Steven Stosny, Psychologe und Autor des Buches Love Without Hurt” 

2. Dein Partner wendet Gaslighting an, um die Oberhand in der Beziehung zu behalten

“Dein Partner erklärt dir, wie die Realität wirklich aussieht. Er verleugnet Tatsachen oder verdreht sie. Damit bekräftigt er die Wahrnehmung, die seine persönliche Sicht der Dinge widerspiegelt. Dieses Verhalten äußert sich häufig in Aussagen wie: ‘Du erinnerst dich nicht richtig daran’, ‘Das habe ich nie gesagt’ oder ‘Das habe ich nie getan.’

Dein Partner schließt darauf, dass du dir etwas Unsinniges zusammenreimst oder dass deine Sichtweise falsch ist, obwohl du eigentlich Recht hast.

Und da diese Aussagen dich mit der Zeit an dir selbst zweifeln lassen, wirst du wahrscheinlich irgendwann das verzerrte Bild deines Partners übernehmen. Selbstzweifel führen mit der Zeit dazu, dass du das Vertrauen in deine eigene Wahrnehmung und deine eigenen Entscheidungen verlierst.

► Und dadurch wirst du für einen Partner, der dich kontrollieren will, zur leichten Beute.” Carol A. Lambert, Psychotherapeutin und Autorin des Buches Women with Controlling Partners

3. Dein Partner verlangt, dass du dich ständig bei ihm meldest. Er will dauernd wissen, wo du gerade bist und mit wem du gerade unterwegs bist

“Was wie echte Besorgnis wirken kann, ist in Wahrheit oft eine Taktik von emotional missbräuchlichen Menschen. Sie versuchen, die absolute Kontrolle zu behalten, indem sie den Tagesablauf eines anderen Menschen permanent kontrollieren.

► Wenn du deinem Partner mehrmals am Tag schreiben musst, was du gerade machst, kann das irgendwann in eine ständige Schikane ausarten.

Wenn ein Partner dauernd wissen will, wo der andere Partner sich gerade befindet und darüber hinaus noch darüber entscheiden will, wohin er gehen darf oder mit wem er sich treffen darf, ist das ein eindeutiges Zeichen für emotionalen Missbrauch.”  Lisa Ferentz, Autorin des Buches “Treating Self-Destructive Behaviors in Trauma Survivors: A Clinician’s Guide 

4. Dein Partner macht verletzende Aussagen über dich und tarnt sie als “Scherze”

“Und wenn du dich darüber beschwerst, behauptet dein Partner, er habe nur einen Scherz gemacht und dass du zu empfindlich wärst.

Die Aussage, dass hinter jeder gemeinen oder sarkastischen Bemerkung auch ein Fünkchen Wahrheit steckt, stimmt jedoch.” Sharie Stines, Therapeutin und Paarberaterin, die sich auf die Therapie von Missbrauchsopfern spezialisiert hat.

5. Du bemerkst, dass du dich ständig entschuldigst, selbst wenn du weißt, dass du gar nichts falsch gemacht hast

“Opfer von emotionalem Missbrauch halten sich selbst oft für dumm, rücksichtslos oder egoistisch, weil ihnen dies permanent von ihrem Partner vorgeworfen wird.” Beverly Engel, Psychotherapeutin und Autorin des Buches The Emotionally Abusive Relationship

6. Dein Partner ist abwechselnd heiß und kalt

“Dein Partner ist in einem Augenblick liebevoll und im nächsten distanziert und unnahbar. Und ganz egal wie sehr du dich auch bemühst, den Grund für dieses Verhalten herauszufinden, wirst du nicht schlau daraus.

► Dein Partner behauptet, er sei nicht abweisend. Daraufhin bekommst du Panik und versuchst alles, um seine Zuneigung zurückzuerlangen.

Da du keine Erklärung dafür hast, warum dein Partner sich von dir abgewandt hat, fängst du an, die Schuld bei dir selbst zu suchen. Oft genug angewandt, verwandelt diese Taktik sogar einen relativ unabhängigen Menschen in eine ängstliche Person, die alles tut, um dem anderen zu gefallen.

Und das ist genau der Punkt, an den dein Partner dich bringen will. Peg Streep, Autorin des Buches Daughter Detox: Recovering from An Unloving Mother and Reclaiming Your Life

7. Dein Partner weigert sich, deine Stärken anzuerkennen und er spielt deine Erfolge herunter

“Herabsetzende und erniedrigende Kommentare fallen am Anfang oft nicht sonderlich auf. Doch derartige Angriffe passieren nicht zufällig. Stattdessen schießt dein Partner damit gezielt gegen deine Stärken. Denn diese Stärken stellen eine ernstzunehmende Gefahr für ihn dar, weil er permanent versucht, die Macht und die Kontrolle in der Beziehung zu erhalten.

Die Art, wie dein Partner auf deine Erfolge oder auf deine Freude über bestimmte Ereignisse reagiert, kann sehr viel über ihn verraten. Zeigt er nur wenig Interesse oder ignoriert er dich sogar?

Macht er sich über irgendetwas lustig, das du ihm erzählst? Wechselt er das Thema, um über Dinge zu sprechen, die dich in keinem guten Licht dastehen lassen oder um dich für etwas zu kritisieren, das du nicht geschafft hast?

► Wenn du immer wieder mit solchen verletzenden Aussagen konfrontiert wirst, verlierst du mit der Zeit langsam aber sicher deine Zuversicht und dein Vertrauen in deine eigenen Fähigkeiten.”  Lambert 

8. Dein Partner bestraft dich mit dem Entzug von Sex oder Geld

“Oder er macht diese Dinge davon abhängig, ob du mit ihm kooperierst. Beziehungen, die an irgendwelche Bedingungen gekoppelt sind, sind grundsätzlich problematisch. Der Entzug von Zuneigung oder emotionaler oder finanzieller Unterstützung wird nicht immer als Missbrauch erkannt.

► Die meisten Menschen setzen Missbrauch mit der Zufügung eines äußerlichen Schadens gleich. In diesem Fall kann die Beziehung jedoch als missbräuchlich bezeichnet werden, weil bestimmte Dinge vorenthalten oder entzogen werden, die dem Partner in der Beziehung eigentlich zustehen würden.” Ferentz

9. Du hast dein sexuelles Interesse an deinem Partner verloren

“Dies gilt besonders für Frauen, da sie im Allgemeinen ein vertrauensvolles und intimes Verhältnis zu ihrem Partner benötigen, um körperlich und emotional erregt zu werden.

Wenn eine Frau verletzt ist, Angst hat oder wütend auf ihren Partner ist, fühlt sie sich bei ihm nicht sicher und frei. Und ihr Körper reagiert entsprechend darauf.” Engel

10. Du hast Mitleid mit deinem Partner, auch wenn er dich verletzt hat

“Emotional missbräuchliche Menschen sind Meister im Manipulieren. Sie schaffen es, dich komplett über den Tisch zu ziehen und dich dabei zu der Überzeugung zu bringen, dass du selbst schuld daran bist.

Oder sie machen dir zumindest weis, dass sie selbst gar nichts dafür können, weil der Grund dafür in ihrer Kindheit oder in einer vorherigen Beziehung liegt.

Sie erzählen dir, wie verletzt sie über irgendetwas sind, das du gesagt oder getan hast, oder sie sagen manchmal sogar überhaupt nichts. Doch du hast einfach immer nur Mitleid mit ihnen.

Die Opfer von emotionalem Missbrauch sehen oft über das Verhalten der Täter hinweg, weil sie sich zu sehr mit dem ‘verletzten’ Teil des Täters beschäftigen — mit dem unschuldigen  Teil des Täters oder der Seite an ihm, die verloren, zurückgewiesen und verlassen erscheint.”  Stines

11. Dein Partner ändert ständig eure Pläne, um dich zu “überraschen” — oder zumindest behauptet er das

“Offensichtliche Kontrolle ist leicht zu erkennen: Dein Partner besteht immer darauf, seinen Willen zu bekommen, er beharrt bei gemeinsamen Plänen auf sein Vetorecht und er stellt permanent Forderungen, ohne dabei zu einer Diskussion bereit zu sein. Laut Dr. Craig Malkin gibt es jedoch auch eine sogenannte ’verdeckte Kontrolle’, die sehr viel heimtückischer ist.

Diese Verhaltensweise tritt laut Dr. Malkin besonders häufig bei Narzissten auf. Verdeckte Kontrolle bedeutet, dass dein Partner unter anderem immer wieder Pläne ändert, die ihr bereits gemacht habt — zum Beispiel dass ihr in einem französischen Bistro essen gehen wollt oder euch mit Freunden verabredet habt. Oder er ändert gemeinsame Entscheidungen unter dem Vorwand ab, dass er dich mit etwas Besserem als dem ursprünglichen Plan ‘überraschen’ will.

► Doch natürlich geht es ihm dabei nicht darum, dich zu überraschen. In Wahrheit will er dich damit kontrollieren, und zwar ohne dafür eine Forderung stellen zu müssen.

Leider fühlst du dich so geschmeichelt von seiner Aufmerksamkeit, dass du die wahre Ursache für die Planänderung überhaupt nicht erkennst. Mit der Zeit wird dies jedoch zur Gewohnheit und deine eigenen Wünsche und Bedürfnisse bleiben dabei auf der Strecke.”  Streep

Dieser Artikel erschien ursprünglich bei der HuffPost USA und wurde von Susanne Raupach aus dem Englischen übersetzt.