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19/04/2018 17:33 CEST | Aktualisiert 19/04/2018 17:33 CEST

Mira Meiler über die Wirkung von Kunst in Veränderungsprozessen

Ich durfte im letzten Jahr bei einem Kundenevent der Unternehmensberatung Königswieser & Network (K&N) die Eröffnungs Key Note halten und habe dort die Organisationsberaterin und Künstlerin Mira Meiler kennengelernt. Mira hatte einen Vortrag über Kunst und Innovation gehalten. Eine Kombination, die einen neuen  Blickwinkel ermöglichte, der sofort mein Interesse geweckt hat. Ein Aspekt, dessen zentrale Bedeutung auch ich immer wieder in meiner Arbeit als Berater erfahre. Grund genug, Mira Meiler um ein Interview für meinen Blog zu bitten. 

© Mira Meiler
Kunsttherapeutin und Beraterin Mira Meiler

Kreative Ansätze unterstützen Veränderungsprozesse

Mira, Du bist Kunsttherapeutin und Unternehmensberaterin. Das ist nicht unbedingt eine Kombination, die man so erwarten würde. Was haben diese beiden Sphären für Dich gemeinsam?

In beiden Sphären geht es um die Begleitung von Menschen in einem Veränderungsprozess – das heißt darum, ausgetretene Pfade zu verlassen und neue Wege zu beschreiten. In der Kunsttherapie steht der persönliche Entwicklungsprozess hin zu mehr Lebensqualität im Vordergrund, während es in Organisationen um die Entwicklung neuer Verhaltensmuster geht, die sowohl betriebswirtschaftlich als auch in der Zusammenarbeit Verbesserung bringen. Kreative Ansätze können in beiden Fällen unterstützen, sich über den Status quo und zukünftige Entwicklungspotentiale klarer zu werden.

Ich habe über Dich gelesen, dass Du durch Deine Ausbildung zur Kunsttherapeutin die „Liebe zu den Menschen“ entdeckt hast. Was bedeutet das für Deine Tätigkeit in der Organisationsentwicklung?

In der therapeutischen Arbeit lernt man, die oft sehr emotionalen Stadien in einem Entwicklungsprozess als etwas Normales und Menschliches zu akzeptieren. Veränderung macht oft Angst oder zornig, manche Menschen erstarren auch förmlich. Eine dauerhafte Begleitung mit viel Mitgefühl und Geduld unterstützt diesen Prozess sehr und hilft den Klienten, neue Wege zu begehen. Diese Haltung ist auch für die Betroffenen in einem organisatorischen Veränderungsprozess nützlich. Oft geht es darum, lange gelebte Gewohnheiten und liebgewordene Privilegien zu verlassen, um das Unternehmen wieder auf Erfolgskurs zu bringen – und das gelingt leichter mit einer Begleitung, die auch emotionale und schwierige Zwischenschritte mitgeht.

Mira Meiler: „Das Bauchgefühl gibt uns hilfreiche Informationen, die wir in Entscheidungen berücksichtigen“

Wie beeinflusst Deine künstlerische Arbeit Deine Arbeit in der Führungskräfteentwicklung und bei der Begleitung von Veränderungsprozessen in Unternehmen?

Die Malerei hat mich vor allem zwei Dinge gelehrt: Den Mut, immer wieder neue Wege zu beschreiten und das Vertrauen, dass jedes Werk zu einem guten Ende kommt. Beides sind wichtige Qualitäten, um in einem Change Prozess gut steuern zu können. Die Menschen ermutigen, ein neues Verhalten auszuprobieren, erste Experimente zu wagen und schließlich zu Selbstvertrauen auf dem neuen Weg zu gelangen, ist neben einer guten Analyse und einem klaren Ziel ein Schlüssel zu erfolgreichen Veränderungen in Organisationen.

Und schließlich braucht sowohl die Kunst als auch die Entwicklung von Organisationen Zeit und Raum, um in den kreativen Flow bzw. in einen Reflexionsprozess einzutauchen, dort, wo die neuen und authentischen Ideen entstehen können. Das ist oft die größte Herausforderung bei Change Projekten – einen Gegenpol zur Alltagsgeschwindigkeit in einer VUCA Welt zu kreieren im Wissen, dass eine kurze Auszeit später viel Zeit sparen kann, da der Fokus wieder klarer wird.

Stephan Grabmeier
Mira Meiler: "Die nackte Wahrheit"

Moderne Leader wissen um die Bedeutung von „Intuition“ und „Bauchgefühl“. Welche Erfahrungen hast Du in Deiner Beraterpraxis mit intuitivem Vorgehen gemacht? Und welche Rolle spielt dabei Deine kunsttherapeutische Ausbildung?

Ohne Intuition ist man als Berater aufgeschmissen! Obwohl wir bei K&N einen komplementären Ansatz verfolgen – das heißt die Analyse von Zahlen, Daten und Fakten wird mit systemischer Vorgangsweise kombiniert – ist das intuitive Vorgehen in Workshops und eine rasche und adäquate Reaktion auf veränderte Stimmungen und Rahmenbedingungen sicher eine unserer Kernkompetenzen. Der Bauch wird dann gewissermaßen zum „Sensorium“ neben den anderen Sinnesorganen. Er darf auch mal „zwischen den Zeilen“ lesen und hören. Das sind oft sehr hilfreiche Informationen, die bei uns gleichberechtigt neben den üblichen Wahrnehmungen stehen und über weitere Interventionen entscheiden. Ich bin auch überzeugt, dass die meisten Führungskräfte – insbesondere jene, die begeistert und sinnerfüllt an die Arbeit gehen – ihr Bauchgefühl sehr wohl für kleine alltägliche wie große strategische Entscheidungen nutzen.

Kunst und Kreativität hängen eng zusammen – und Kreativität brauchen Unternehmen um Innovationen zu entwickeln. Kann man mit Kunst die Welt verändern?

Künstlerisches Schaffen beinhaltet viele Qualitäten, die auch Unternehmen für ihre kreative Weiterentwicklung nützen können. Dazu gehören der bereits erwähnte Mut zum Querdenken, aber natürlich auch die Schulung der Wahrnehmung, das Ausprobieren neuer Blickwinkel und schließlich ein unbändiger Wille, ein Werk konsequent zu Ende zu bringen. Allerdings sind Künstler meist sehr idealistisch und der leidenschaftliche Selbstausdruck ist ihnen oft wichtiger als der große Geldbeutel. Diese beiden Qualitäten – die Nutzung des schöpferischen Potentials der Menschen und den betriebswirtschaftlichen Wert des Ergebnisses – gleichberechtigt im Blick zu behalten, ist eigentlich die wahre Kunst und die könnte tatsächlich die Welt verändern!

Liebe Mira, Danke, dass ich mit Dir in Deine Sicht der Dinge eintauchen durfte. Für uns bei Kienbaum ist Kunst ein wichtiger Markenkern der sich optisch in unseren Räumen ausdrückt, sich über die Stiftung in der Unterstützung von vielen Künstlern wiederfindet und unser Denken hin zu mehr Kreativität beeinflusst.

Über Mira Meiler

Mira Maria Meiler startete gleich nach dem Wirtschaftsstudium als Unternehmerin mit einer Event- und Trendforschungs-Agentur spezialisiert auf die IT-Branche. Es folgte ein Wechsel in die Beratungsbranche. Dort begleitete sie viele Jahre Gruppen und Teams in Organisationen bei Veränderungen und in schwierigen Situationen. Durch die Ausbildung zur Kunsttherapeutin entwickelte sie ihre künstlerischen Fähigkeiten und ihre Liebe zu den Menschen. Das spiegelt sich heute auch in ihrer Arbeit als Organisationsberaterin wider. Sie ist Partnerin von Königswieser & Network und begleitet komplexe Veränderungsprozesse in Organisationen, Team- und Führungskräfte-Entwicklungen, Visions- und Strategiearbeit, Konfliktlösungen und persönliche Anliegen in Coaching-Prozessen.