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15/03/2019 08:24 CET | Aktualisiert 17/03/2019 10:10 CET

Mindestens 50 Tote bei Angriff auf Moscheen in Neuseeland

Auf den Punkt.

Associated Press

Eine brutale Gewalttat erschüttert Neuseeland: Bei einem Angriff auf zwei Moscheen sterben in der Stadt Christchurch mindestens 50 Menschen. Darunter sind auch Flüchtlinge, die erst vor kurzem aus Ländern wie Syrien nach Neuseeland gekommen waren. Die Regierung spricht von Terrorismus. 

“Dies ist einer der dunkelsten Tage Neuseelands”, sagte Neuseelands Premierministerin Jacinda Ardern.

Einen Tag nach der Tat machte sich Ardern in Christchurch ein Bild von der Lage. Insgesamt 39 Menschen lagen noch mit Schusswunden in verschiedenen Krankenhäusern der neuseeländischen Großstadt. Elf davon befanden sich in Intensivbehandlung. 

Dem mutmaßlichen Täter, einem 28 Jahre alten Australier, wird vielfacher Mord zur Last gelegt. Er sitzt mittlerweile in einem Untersuchungsgefängnis. Bei einer Verurteilung droht ihm lebenslange Haft. Nach aktuellem Stand der Ermittlungen scheint er die Schüsse in den Moscheen alleine abgefeuert zu haben.

Was über den Anschlag bekannt ist:

Was wir über den Tatablauf wissen

Nach Augenzeugenberichten begann der erste Angriff gegen 13.45 Uhr (1.45 Uhr MEZ).

Ein bewaffneter Mann drang in die Masjid-al-Noor-Moschee in der Innenstadt ein, wo sich zur Mittagsstunde mehr als 300 Menschen zum Freitagsgebet versammelt hatten, und schoss mit mindestens zwei Schnellfeuerwaffen um sich. Dabei tötete er 42 Menschen. Ardern zufolge hatte er die Waffen manipuliert, um die Schusskraft zu erhöhen.

► Anschließend fuhr er zu einer zweiten Moschee und brachte acht weitere Menschen um.

► Mindestens 50 Menschen kamen ums Leben, 39 weitere wurden verletzt. 

► Die Polizei nahm insgesamt vier Verdächtige fest: drei Männer und eine Frau.

► Zeugen zufolge handelt es sich dem Angreifer der Masjid-al-Noor-Moschee um einen weißen Mann, der Helm und kugelsichere Weste trug. 

► Der Mann behauptet, ein 28 Jahre alter Australier zu sein. Australiens Premierminister Scott Morrison bestätigte, dass es sich bei einem Verdächtigen um einen Australier handele. 

► Im Internet kursierte außerdem ein Video der Tat, das von dem 28-jährigen Tatverdächtigen. Mit einer Helmkamera filmte er die Tat und übertrug sie live auf Facebook. Das Video, das 17 Minuten lang dauert, wurde mittlerweile gelöscht. 

► Premierministerin Ardern zufolge wollte der Schütze dann auch noch anderswo morden. “Er hatte absolut die Absicht, seine Attacke fortzuführen”, sagte Ardern.

► Nachdem er die zweite Moschee verlassen hatte, sei er aber in seinem Auto von der Polizei gestoppt worden. Dort wurden auch zwei weitere Feuerwaffen und Sprengstoff sichergestellt.

► Nach Angaben der Polizei vergingen vom ersten Alarm bis zur Festnahme 36 Minuten. Unklar blieb, ob zwei andere Verdächtige, die ebenfalls schon am Freitag festgenommen wurden, mit dem Australier in Kontakt standen.

Der mutmaßliche Hintergrund: Rechtsextremismus

► Australiens Premier Morrison sprach von einem “rechtsextremistischen gewalttätigen Terroristen”. 

► Die Polizei appellierte an die Bevölkerung: “Unter keinen Umständen sollte irgendjemand im Land jetzt zu einer Moschee gehen.”

► Im Internet zirkuliert zudem ein mutmaßliches Manifest des Attentäters. In den 74 Seiten erklärt der Autor seinen Hass auf Muslime und seine Sympathie für rechtsextreme Gruppierungen in den USA.

► Auch die “14 words”, ein bei Rechtsextremen beliebter Slogan, werden zitiert. Das Manifest trägt den Titel “The Great Replacement”, eine rechtsextreme Verschwörungstheorie über einen angeblichen Bevölkerungsausstausch. 

► Der Extremismusforscher Peter Neumann vom Londoner Kings College verglich die Tat mit dem Anschlag des Norwegers Anders Breivik. 

Mit Material der dpa.