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24/06/2018 10:37 CEST | Aktualisiert 28/06/2018 11:20 CEST

Experte: Das ging in Jogi Löw beim Deutschland-Spiel gegen Schweden vor

Stress, Enttäuschung, Ärger – und Stolz.

Reuters Staff / Reuters
Jogi Löws Körpersprache spricht Bände – zumindest für Mimik-Experten.
  • Durch die wilde Mähne fahren, Lippen lecken, ins Gesicht fassen – ganz Fußball-Deutschland kennt Joachim Löws Gesten. 
  • Ein Gesichterleser erklärt, was sie bedeuten.

Halbzeit beim Spiel Deutschland gegen Schweden. Die Deutschen sind mit einem Tor im Rückstand, das WM-Aus liegt in der Luft.

Was macht Jogi Löw? Er appelliert in der Kabine an die Mannschaft, sie solle ruhig bleiben, nicht die Nerven verlieren. 

Doch wie stand es am Samstagabend um seine Nerven? War der Bundestrainer selbst ruhig und gelassen?

Er fasst sich immer wieder durch die Haare, leckt sich über die Lippen, reibt sich die Hände, streicht sich übers Gesicht, hat einen konzentrierten Blick – die Körpersprache des Schwaben hat schon fast Kult-Charakter.

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Doch irgendwann kam an diesem Abend auch wildes Gestikulieren und Schreien dazu.

► Was ging in Löw vor?

 Dirk Eilert ist “Geischterleser” und Experte für emotionale Intelligenz. Für die “Welt” hat er die Mimik und Gestik des 58-Jährigen analysiert.

Alles spricht für Stress

“Wissenschaftliche Studien weisen nach, dass eine vermehrte Selbstberührung, wie sie hier zu sehen war, ein verlässliches Zeichen für ein erhöhtes Stressempfinden ist.”

Stresssignale, die sich beim Bundestrainer von Anpfiff bis Abpfiff erkennen ließen – immer wieder zeigten die Fernsehkameras, wie sich Löw ins Gesicht und die Haare fasste.

In der 32. Minute stockte Fußball-Deutschland der Atem. Ola Toivonen trifft für die Schweden zum 0:1. Und der Bundestrainer? Dirk Eilert:

“Er senkt Blick und Kopf, zieht die Mundwinkel leicht runter: Ein Hinweis auf Trauer, wahrscheinlich in Form von Entmutigung. Dieser Ausdruck war nonverbal eingerahmt von einer Vielzahl an Stresssignalen wie Kratzen im Gesicht und Lippen lecken.”

Dann die Halbzeit. Noch immer stand es 0:1. Auf dem Weg in die Kabine fasste sich Löw wieder ins Gesicht, leckte seine Leben, sein Gang wirkte steif – aber kraftvoll. Gesichterleser Eilert sagt der “Welt” dazu:

“Dies alles sind Signale, die auf eine hohe emotionale Anspannung hinweisen. Die Kraft in seinen Schritten kombiniert mit der Steifheit seines Gangs und seiner linken Hand, die zu einer Faust geballt ist, gibt einen subtilen Hinweis auf kontrollierten Ärger. Aber der Blick ist nach unten gerichtet, der Kopf leicht gesenkt.”

Enttäuschung und Ärger – ein triumphaler Cocktail?

Dieses Verhalten sei grundsätzlich eher untypisch für Ärger und spreche eher für eine gewisse Enttäuschung oder Entmutigung.

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Es war eine Mischung aus Enttäuschung und Ärger, die der Bundestrainer während der gesamten Partie in sich trug. Aber Eilter sagt:

“Genau diese ausgleichende Mischung (Ärger pusht uns nach vorne, Enttäuschung erdet uns) und Löws ruhige Art, waren möglicherweise ausschlaggebend für den Erfolg.”

Fest steht: Die Leistung seiner Mannschaft bewegt den Bundestrainer emotional momentan sehr. “Ich habe ihn selten so gestresst erlebt”, sagt auch Gesichterleser Eilert.

Doch nach dem Spiel, im Interview mit ARD-Reporter Gerhard Delling, war noch etwas anderes zu sehen. Da sagte Löw “Wir haben eine sehr, sehr gute Moral bewiesen” – und legte dabei den Kopf in den Nacken. Das sei ein Zeichen für Stolz, erklärt Eilert.

Stolz. Eine Emotion, die das Selbstbewusstsein und den Zusammenhalt von Jogi und seinen Jungs stärkt.

Aber es war knapp. Der Stolz sollte nicht die Oberhand gewinnen in der Gefühlswelt der Mannschaft – zumindest noch nicht.

(jg)