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07/06/2018 16:59 CEST | Aktualisiert 07/06/2018 18:12 CEST

Millionärin lästert über arme Familie, bis sie Schicksal der Mutter erfährt

"Das Bild, das ich von der Familie vielleicht gehabt habe, verändert sich dadurch total."

  • Für die Sat.1-Sendung “Plötzlich arm, plötzlich reich” tauschen eine reiche und eine arme Familie eine Woche lang ihr Leben. 
  • Millionärsgattin Kathrin Bösch kann sich ein paar abfällige Sprüche über das Leben in bescheidenen Verhältnissen nicht verkneifen.
  • Im Video erklärt ein Armutsforscher: “So können wir die Armut in Deutschland zielgerichtet bekämpfen.”

“Jetzt geht’s los: Abenteuerurlaub”, ruft Wilfried Bösch, als er ins Taxi steigt.

Was Bösch und seine Sippe vorhaben, ist offenbar krass – aus Millionärssicht: Die schwerreiche Familie aus Niedersachsen tauscht für eine Woche Zuhause und Alltag mit einer mittellosen aus Rheinland-Pfalz. 

Tatsächlich gestaltet sich das Sozialexperiment, das Sat.1 im TV zeigt, schwieriger als erwartet. Denn der Immobilienmakler und seine Familie haben offenbar keinerlei Bezug zu einem Leben in bescheidenen Verhältnissen. Man möchte fast sagen, – und täte es zurecht – dass die Böschs ziemlich verwöhnt sind.  

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Screenshot Sat1
Millionärsgattin Kathrin Bösch findet Armut offenbar lustig. 

 Auf ins Abenteuer Armut

► Besonders deutlich wird das am Verhalten von Millionärsgattin Kathrin.

Obwohl die Tauschfamilie ihre Wohnung in sauberem und aufgeräumten Zustand hinterlassen hat, wirkt die 35-Jährige entsetzt über ihre temporäre Bleibe. 

Denn gleich beim Reinkommen fällt ihr auf, dass die Wände “nicht richtig weiß” seien. Sie gesteht:

Ich bin schon etwas erschüttert muss ich sagen. Das ist schon eine Herausforderung.”

Zu Kathrins Verteidigung: Wenn sie nicht gerade armes Fräulein spielt, lebt die Millionärsgattin in einer 800-Quadratmeter-Villa mit acht Schlafzimmern und sechs Bädern. Die Umstellung ist also maximal heftig. 

Auch die “verlebte” und “zusammengewürfelte” Einrichtung trifft nicht ganz den Geschmack der schwerreichen Böschs. 

“Wie ne Prinzessin fühlt man sich hier nicht”, merkt Mutter Kathrin spitzzüngig an. 

“Das geht mir sehr, sehr nah”

Erst als die 35-Jährige die Nachbarinnen von Tausch-Mutter Daniela Immetsberger kennenlernt, wird ihr klar, dass materieller Wohlstand nicht alles im Leben ist. 

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“Daniela hat viel mitgemacht”, erzählt eine der beiden Frauen. Denn die junge Frau hatte Brustkrebs – während sie mit ihrem jüngsten Kind schwanger war. 

Durch die Chemotherapie kam Danielas Töchterchen Ronja zwei Monate zu früh zur Welt. Wie durch ein Wunder ist die Kleine jedoch gesund. Mutter Daniela hat den Brustkrebs inzwischen bezwungen, nicht zuletzt dank der Liebe und Unterstützung ihres Mannes und ihrer Kinder. 

► Eine berührende Geschichte, die auch an Kathrin nicht spurlos vorbeigeht.

Screenshot Sat1
Kathrin zeigt sich bestürzt über das Schicksal der Tausch-Mutter.

“Das geht mir sehr, sehr nah, vor allem, weil ich ja selbst Mutter bin”, sagt die Millionärsgattin. Sie räumt ein: 

Das Bild, das ich von der Familie vielleicht gehabt habe, verändert sich dadurch total."

Am Ende, so folgert Kathrin unter Tränen, sei es unwichtig “welche Wandfarbe man hat, oder ob die Küche sauber ist”. 

Es ist eine ergreifende Szene, die nicht zuletzt einmal mehr zeigt: Das, was uns als Menschen verbindet, – unabhängig von unseren finanziellen Möglichkeiten – ist viel stärker, als das, was uns trennt. 

“Plötzlich arm, plötzlich reich” läuft mittwochs um 20.15 Uhr auf Sat.1.

(jds)