ELTERN
19/10/2018 10:15 CEST | Aktualisiert 19/10/2018 11:58 CEST

Hamburg: Kita feiert niedrige Migrantenquote – für die Kinder ist das keine gute Nachricht

“Auf eine gute Mischung kommt es an."

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  • Eine Kita in Hamburg wirbt damit, dass wenige Kinder mit Migrationshintergrund dort hinkommen.
  • Eine Erzieherin erklärt in der HuffPost, warum das vor allem für die Kinder schlecht ist.

Eine Villa im Grünen mit einem großen Garten, umgeben von hohen Bäumen, netten Nachbarn und eine Kita ohne Ausländer für die Kleinen

Das wünschen sich anscheinend einige Eltern aus dem wohlhabenden Hamburger Stadtteil Wellingsbüttel. Zumindest der Werbe-Broschüre der örtlichen Kita “Rabenhorst” nach zu urteilen. Die wirbt nämlich damit, dass kaum Kinder mit Migrationshintergrund in die Einrichtung kommen würden, wie die “Hamburger Morgenpost” berichtet. 

Die “Rabenhorst”-Eltern würden laut der Broschüre in eigenen Reihenhäusern, Häusern oder Villen wohnen und seien finanziell in guten oder sehr guten Situationen.

“Warum erwähnen die das überhaupt?”

Dann kommt der Satz: “Von den Familien mit Migrationshintergrund nehmen nur wenige unser Angebot in Anspruch” – daneben das Foto eines blonden, blauäugigen Buben.

“Warum erwähnen die das überhaupt? Die wollen doch offenbar damit werben, dass sie keine Migrantenkinder in den Gruppen haben“, sagte ein junges Paar zur “Hamburger Morgenpost”.

Mehr zum Thema: In Essener Kita-Gruppe spricht kaum ein Kind Deutsch: Experten erklären die Situation

Die “Hamburger Morgenpost” konfrontierte den städtischen Träger der Kita, “Elbkinder” mit dem Inhalt der Broschüre.

“Die Kita wollte die Sozialstruktur des Stadtteils beschreiben, hat dafür aber tatsächlich eine missverständliche Formulierung gewählt”, sagte die “Elbkinder”-Sprecherin Katrin Geyer zur “Hamburger Morgenpost”.

Der Abschnitt über die Migranten-Familien werde sofort aus der Broschüre gestrichen.

“Auf eine gute Mischung kommt es an”

“Ich kann mir nicht vorstellen, warum jemand seine Kinder in eine solche Kita schicken möchte”, sagt die Erzieherin Ilona Böhnke aus Hamburg zur HuffPost.

“Kinder können immens von anderen Kulturen profitieren: dem Essen, den Traditionen, den Festen. Kinder aus Multi-Kulti-Kitas sind meiner Erfahrung nach toleranter, offener und um einige Lebenserfahrungen reicher. Spätestens mit dem Übergang in eine öffentliche Schule könnte sich dieser Entwicklungsrückstand von Monokultur-Kindern dann negativ bemerkbar machen”, sagte Böhnke.

Sie arbeitet seit mehr als 40 Jahren als Erzieherin. Viele Jahre davon in Dortmunder Brennpunkt-Vierteln.

“In einem Dortmunder Multi-Kulti-Kindergarten klappt das sehr gut”, sagt Böhnke. Kinder aus vielen verschiedenen Nationen seien dort in der gleichen Gruppe. “Da ist alles sehr gut durchgemischt und die Eltern haben wirklich Interesse daran, dass ihre Kinder Deutsch lernen und andere Kulturen erleben.”

Andererseits gäbe es auch Negativ-Beispiele von Kindergärten, in denen hauptsächlich türkische Kinder untereinander seien. Doch “auf eine gute Mischung kommt es an”, sagte Böhnke.

(ujo)