POLITIK
06/11/2018 17:28 CET | Aktualisiert 07/11/2018 08:47 CET

Midterms: Wie es ist, als Frau und Ureinwohnerin Wahlkampf in Trumps USA zu machen

Deb Haaland wird als erste Ureinwohnerin in den US-Kongress einziehen.

ASSOCIATED PRESS
Die Demokratin Deb Haaland kämpft im Bundesstaat New Mexiko um den Einzug in das Repräsentantenhaus der USA. 

Am Dienstag hat sich die Zukunft der USA entschieden. 

Die Demokraten holten sich die Mehrheit im Repräsentantenhaus zurück, die Republikaner verteidigten ihre Mehrheit im Senat

Das Ergebnis der Midterms zeigt: Die politische Landschaft in den USA hat sich gewandelt. 

Noch nie kandidierten so viele Frauen für politische Ämter, noch nie zogen so viele Frauen in den Kongress ein. 

Eine von ihnen ist die Demokratin Deb Haaland aus New Mexiko. Die 57-Jährige besiegte ihre republikanischen Konkurrentin Janice Arnold-Jones deutlich. Haaland zog als erste Ureinwohnerin Nordamerikas – zusammen mit Sharice Davids – in den US-Kongress ein. 

Im Interview mit der HuffPost sagt Haaland, was sie als größtes Problem der USA sieht – und wie es ist, in einem von Donald Trump gespaltenen Land als Frau und Angehörige einer Minderheit Wahlkampf zu machen. 

Mehr zum Thema: Diese Frauen haben bei den US-Kongresswahlen Geschichte geschrieben

HuffPost: Warum haben Sie sich entschieden, in die Politik zu gehen?

Deb Haaland: Ich verstehe die vielen Probleme, die die Menschen in New Mexiko haben. Ich habe sie selbst durchgestanden. Ich habe es als alleinerziehende Mutter irgendwie durch das College geschafft, habe von Essensmarken gelebt. Wie meine Tochter zahle ich noch meine Studiengebühren ab. 

Ich weiß, wie viel Arbeit nötig ist, bis alle Familien hier genug Unterstützung bekommen. Bis alle Kinder Chancengleichheit haben. 

Vor 20 Jahren habe ich angefangen, in unserer Gemeinschaft dafür zu werben, wählen zu gehen. In den vergangenen Jahren habe ich begriffen, dass wir auch eine Vertretung in Washington brauchen, die uns versteht. Also bin ich zur Wahl angetreten. 

Was sind ihrer Meinung nach die größten Probleme der USA? Nicht nur in diesem Wahlkampf, sondern auch auf lange Sicht. 

Haaland: Ich mache mir große Sorgen wegen des Klimawandels. Hier in New Mexiko erleben wir schon jetzt extreme Dürren. Ich setze mich für einen Green New Deal ein – die USA sollten ihre Energie zu 100 Prozent aus erneuerbaren Energiequellen beziehen. Ich glaube, New Mexiko kann helfen, dass das gelingt. 

Ich setze mich zudem dafür ein, dass unsere Politik weniger von Geld bestimmt wird.

Und ich möchte dafür sorgen, dass Frauen in diesem Land nicht nur überleben, sondern auch ihr volles Potential entfalten können – indem sie Zugang zu reproduktiven Gesundheitsdiensten und Garantien für Kinderbetreuung, Elternzeit und Gesundheitsversorgung bekommen. 

Mit Donald Trump ist ein Frauenfeind der Fokus der Aufmerksamkeit, wenn es um die Politik in den USA geht. Wie fühlt es sich an, in diesen Zeiten Politikerin zu sein? 

Haaland: Ich glaube, wir brauchen mehr Personen in politischen Ämtern, die die Probleme der Menschen wirklich verstehen, die ihnen zuhören und mit Fürsorge auf sie reagieren. 

Ich bin Teil einer Bewegung mit Frauen und vor allem mit Frauen mit Migrationshintergrund, die bei diesen Wahlen historische Fortschritte erzielen werden.

Donald Trump geht es um Angst und Hass – aber er ist auch ein Mann mit einem Milliardenvermögen und einem Kabinett aus Milliardären. Ich glaube, dass es jetzt unser Job als gewählte Vertreter des Volkes ist, zu beweisen, dass unsere Demokratie noch immer dem Volk gehört. Nicht den Milliardären. 

Ich glaube, wenn wir alle, Menschen aus allen Schichten der Gesellschaft, zusammenarbeiten, dann können wir Großes erreichen. Dann können wir diese Agenda des Hasses des US-Präsidenten beenden. 

Mehr zum Thema: Midterms in den USA: Alles, was ihr über Trumps Schicksalswahl wissen müsst

Die USA sind so gespalten wie noch nie. Was gibt ihnen Hoffnung, dass diese Spaltung überwunden werden kann? 

Haaland: Meine homosexuelle Tochter macht mir Hoffnung. Sie ist während dieses Wahlkampfes, während meines gesamten Lebens ein Lichtstrahl für mich gewesen. 

Wir haben zusammen viel durchgemacht – aber ich war immer glücklich, dass ich sie habe. Als wir von Essensmarken lebten, als wir kein eigenes Zuhause hatten, hatten wir doch immer uns als Familie. Das gibt mir Hoffnung. 

Die USA mögen gerade harte Zeiten durchmachen, aber wir haben immer noch uns. Wir haben immer noch diese vielfältigen, starken, wundervollen Gemeinschaften und ich glaube, wenn wir alle zusammenarbeiten, können wir jede Erinnerung an das Erbe dieses Präsidenten wieder vergessen machen. 

Mehr zum Thema: Wir haben Trump-Wähler mit dessen Lügen konfrontiert – so haben sie reagiert

Gab es einen Moment in diesem Wahlkampf, an den Sie sich besonders erinnern? Der Sie inspiriert hat? 

Haaland: Erst vor wenigen Tagen habe ich einen Mann getroffen, der für unser Team Bürger und Wähler anrief. Eine der Freiwilligen im Raum war eine ehemalige Krankenschwester – und sie erkannte einen verdächtigen Fleck auf dem Gesicht des Mannes. Sie sagte ihm, er solle besser zum Doktor gehen. 

Der Fleck wurde als Krebsgeschwür erkannt. Aus purem Glück ist der Mann nun gesund und hat keinen Krebs mehr.

Ich finde, die Gesundheit der Menschen in den USA sollte nicht dem Zufall und aufmerksamen freiwilligen Wahlkämpfern überlassen werden. Wir brauchen eine Gesundheitsvorsorge für jeden Menschen in diesem Land. Das ist ein Menschenrecht, kein Privileg.

(jkl)