POLITIK
07/11/2018 22:13 CET | Aktualisiert 08/11/2018 08:36 CET

Midterms: Wie die USA aussehen würden, hätten nur die jungen Amerikaner abgestimmt

Auf den Punkt.

Andrew Kelly / Reuters
Alexandria Ocasio-Cortez auf ihrer Wahlparty.

Vor wenigen Monaten kannte noch kaum jemand Alexandria Ocasio-Cortez. Als Kellnerin wischte sie Tische in einem Restaurant in Manhattan. 

Nun zieht sie als jüngste jemals gewählte Frau in das Repräsentantenhaus der USA ein. Die demokratische Politikerin ist erst 29 Jahre alt

Ihre Rhetorik und ihr klare Position gegen das politische Establishment haben Ocasio-Cortez zu einem Shootingstar gemacht – auch ihrer Generation. Doch ist sie eher die Ausnahme oder Regel?  

Wie die politische Landschaft der USA aussehen würde, wenn nur die Unter-30-Jährigen wählen dürften – auf den Punkt gebracht. 

Die Ausgangslage:

► Schon vor den US-Zwischenwahlen war klar: Die Jugend könnte die Midterms entscheiden und die Mehrheitsverhältnisse in den beiden Kammern des US-Kongresses ändern – wenn sie denn in Massen wählen geht.

► Vor allem die sogenannten Millennials und die Generation Z tendieren zu den Demokraten. Wenn die Partei diese jüngeren Jahrgänge motivieren kann, zur Wahl zu gehen, steigen ihre Gewinnchancen.

► Dazu kommt, dass die Generation X, die Millennials und die Post-Millennials eine deutliche Mehrheit der stimmberechtigten Erwachsenen in den Vereinigten Staaten bilden. Das Problem: Im Vergleich zu älteren Generationen stimmen nicht so viele ab.

Laut dem US-Meinungsforschungsinstitut Pew Research Center gehen darüber hinaus die Jüngeren nicht mehr so häufig wählen, wie das bei den älteren Generationen der Fall war, als diese im gleichen Alter waren. Das heißt, die politische Teilhabe ist bei der Jugend gesunken. 

Gen Xers and younger generations are the clear majority of eligible voters ... but cast 21 million fewer votes than older generations in 2014

So wählten die jungen Leute bei den Midterms:

► Insgesamt lag die Wahlbeteiligung bei 47,5 Prozent. Schätzungen zufolge soll sie bei den jungen US-Amerikanern diesmal bei 31 Prozent gelegen haben. Das ist zwar deutlich unter dem Landesschnitt, allerdings ein Rekordwert in den letzten Jahrzehnten. 

► In einigen US-Bundesstaaten war schon bei der vorzeitigen Stimmenabgabe die Wahlbeteiligung bei den 18- bis 29-Jährigen extrem angestiegen: beispielsweise in Arizona um 217 Prozent, in Texas um 448 Prozent und in Tennessee gar um 767 Prozent.

Junge Leute und Frauen haben mehrheitlich Demokraten gewählt, Weiße und Menschen ohne höheren Bildungsabschluss haben mehrheitlich für die Republikaner gestimmt, wie Nachwahlbefragungen in den USA gezeigt haben. Es ist ein Trend, der auch bei den vergangenen Wahl zu beobachten war.

► Laut Hochrechnungen ist bei den Jungen die Zustimmung zu den Demokraten im Vergleich zu vergangenen Wahlen diesmal deutlich nach oben gegangen: 67 Prozent der 18- bis 29-Jährigen wählten die Demokraten, nur 31 Prozent die Republikaner. Beides sind Höchst- beziehungsweise Tiefstwerte seit 1992.

► Laut Hochrechnungen von CNN erreichen die Demokraten bei allen Bevölkerungsgruppen der Unter-30-Jährigen klare Mehrheiten: 56 der jungen Weißen wählten die Demokraten, sogar 92 Prozent der Schwarzen sowie 81 Prozent der Hispanics. 

Warum dennoch vor allem eine andere Generation die Wahl prägte:

► Die 18- bis 29-Jährigen haben einen Anteil an der US-Gesamtbevölkerung von 16,6 Prozent. Ihr Anteil an der Wählerschaft betrug bei den Zwischenwahlen 13 Prozent, ein Wert der mit den vergangenen Midterms vergleichbar ist.

► Zum Vergleich: Die Über-65-Jährigen haben einen vergleichbaren Anteil an der Gesamtbevölkerung (15,6 Prozent) wie die Jungen. Sie machten aber bei den Zwischenwahlen überein Viertel der Wähler aus (26 Prozent).

► 50 Prozent von ihnen wählten die Republikaner, 48 Prozent die Demokraten. Allerdings waren es bei den weißen Über-65-Jährigen – die allein 22 Prozent der Gesamtwählerschaft ausmachten – 56 Prozent, die für die Republikaner stimmten.  

► Auch bei vergangenen Wahlen war diese Altersgruppe immer überrepräsentiert, doch diesmal ist der Wert noch einmal angestiegen: Laut Ari Fleischer, der Pressesprecher von Ex-Präsident George W. Bush war, konnte Trump wohl diesmal so viele Ältere mobilisieren, weil er “die Wahl nationalisierte”, sprich gezielt patriotische und auch nationalistische Gefühle ansprach und zugleich Ängste vor einer angeblichen Überfremdung schürte.

Auf den Punkt:

Zwei Drittel der jungen US-Amerikaner haben bei den US-Zwischenwahlen die Demokraten gewählt. Im Vergleich zu den Senioren, die in der Gesamtbevölkerung einen vergleichbar großen Anteil einnehmen, waren die Unter-30-Jährigen allerdings deutlich unterrepräsentiert – trotz dessen so viele wie kaum zuvor zur Wahl gegangen sind.

(vw)