POLITIK
23/10/2018 22:03 CEST | Aktualisiert 23/10/2018 22:42 CEST

Midterms: Warum der Showdown in Florida für Trump so brisant ist

Auf den Punkt.

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Die heiße Phase hat begonnen: In weniger als zwei Wochen wählen die Menschen in den USA bei den sogenannten Midterms einen neuen Kongress, in manchen Bundesstaaten zusätzlich auch einen neuen Gouverneur. 

So auch in FloridaDie Duelle in dem Bundesstaat um die Senatssitze und das Gouverneursamt zählen zu den spannendsten bei diesen Zwischenwahlen – und haben Bedeutung weit über die Grenzen von Florida hinaus. 

Auch US-Präsident Donald Trump wird die enge Abstimmung in dem Bundesstaat genau verfolgen. Denn:

Florida ist ein sogenannter Swing State. Hier wohnen besonders viele Wähler, die an keine Partei gebunden sind. Sie machen mal ihr Kreuz bei den Demokraten und mal bei den Republikanern.

2016 konnte Trump äußerst knapp die Mehrheit in Florida holen. Sollten die Republikaner hier verlieren, wäre es auch eine Niederlage für den US-Präsidenten – und ein schlechtes Omen für die Präsidentschaftswahlen in zwei Jahren.

Dazu kommt, dass der Wahlkampf in Florida ein Abbild des politischen Ringens zwischen den Demokraten und den Republikanern auf nationaler Ebene ist. Ein Erfolg für die Demokraten könnte der Partei landesweit erheblichen Rückenwind geben.

Die Situation in Florida und warum sie für Trump so brisant ist – auf den Punkt gebracht. 

1. Warum die Abstimmung in Florida für Trump brisant ist: 

Die Zwischenwahlen gelten als Abstimmung über die bisherige Leistung des amtierenden US-Präsidenten. In Florida wird das besonders deutlich. 

► “Alles, was in einem nationalen Wahlkampf messbar ist, ist auch in Florida messbar”, brachte der Politikberater Michael Caputo, 2016 Wahlkampfhelfer von Trump, im Gespräch mit dem Magazin “Politico” die Bedeutung des Bundesstaats auf den Punkt. 

Das liegt an der Demographie von Florida.

Hier gibt es wohlhabende Rentner, Intellektuelle in den Städten und eine große lateinamerikanische Community. Sollten die republikanischen Kandidaten bei einer Wählergruppe schwächeln, wäre es ein Warnsignal für Trump. 

Besonders die Menschen lateinamerikanischer oder hispanischer Abstammung nehmen in Florida bei jeder Wahl eine entscheidende Rolle ein. 

2. Die Republikaner kämpfen um wichtige Wählergruppen:

Rund ein Viertel der 19 Millionen Einwohner Floridas ist lateinamerikanischer oder hispanischer Abstammung. 

► Sie gelten in den USA traditionell den Demokraten nahe. Doch ganz so einfach ist die Sache nicht. Trump gewann 2016 Florida mit einem Prozentpunkt Vorsprung vor Hillary Clinton – auch wegen der Unterstützung von Wählern kubanischer Herkunft. 54 Prozent dieser Wählergruppe stimmten für den Republikaner

► Die Demokraten hoffen, dass die scharfe – und teilweise rassistische – Wortwahl von Trump gegen lateinamerikanische Einwanderer ihnen einen Vorteil verschafft. Ein Selbstläufer wird das für die demokratischen Kandidaten allerdings nicht. 

► Das zeigt sich in Florida. Der republikanische Gouverneur des Bundesstaat, Rick Scott, will bei den Zwischenwahlen in den Senat einziehen.

Kürzlich führte er in einer Umfrage bei der Wählergruppe puerto-ricanischer Abstammung mit 21 Prozentpunkten vor seinem demokratischen Gegner, Senator Bill Nelson. Das liegt auch an dem Einsatz, den Gouverneur Scott im Wahlkampf zeigte. 

Seit Hurrikan Maria Puerto Rico im vergangenen Jahr verwüstete, war er bereits acht Mal auf der Insel, berichtet das “Time”-Magazin.

Außerdem lerne er täglich Spanisch, um mit seinen potentiellen Wählern besser kommunizieren zu können. Am Ende könnte die Aufmerksamkeit, die Scott der lateinamerikanischen Wählergruppe widmet, den Unterschied ausmachen. 

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Bill Nelson und Rick Scott.

Umfragen sehen allerdings Nelson leicht vorne, nachdem er über Wochen zurücklag. 

Mehr zum Thema: Trump nennt sich “Nationalist” – warum das ein Wendepunkt für die USA ist

3. In Florida könnten die Demokraten ihre Strategie für die kommenden Wahlkampf-Jahre finden:

Das zweite spannende Duell in Florida ist das Rennen um den Gouverneurssitz. 

Demokrat Andrew Gillum hat gute Chancen, der erste demokratische Gouverneur in Florida seit 24 Jahren zu werden. Der 39-Jährige ist Bürgermeister von Tallahassee, der Hauptstadt Floridas. 

Sein Herausforderer ist der Republikaner Ron DeSantis, seit 2013 Abgeordneter im Repräsentantenhaus. 

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Ron DeSantis und Andrew Gillum bei der TV-Debatte am Sonntag. 

Alle Umfragen sehen Gillum vorne – mal mit großen Abstand, mal nur mit einem Prozentpunkt. Allerdings macht ihm ein Korruptionsskandal in Tallahassee zu schaffen. 

Beim Duell Gillum vs. DeSantis geht es um weit mehr als nur einen Gouverneurssitz. Es geht auch darum, welchen Kurs die Demokraten in den nächsten Jahren verfolgen wollen. Hat er Erfolg, könnte sich die Partei landesweit etwas von seinem Stil und seinem Programm abschauen. 

Gillum zählt zum linken Flügel der Demokratischen Partei. Im Vorwahlkampf wurde er von Senator Bernie Sanders unterstützt, dem vor allem bei jungen Wählern beliebten progressiven Politiker. Er will den Mindestlohn anheben und den Zugang zur Krankenversicherung massiv ausbauen. 

Gillums politischer Gegner DeSantis gehört zum rechten Flügel der Republikaner. Er wird von US-Präsident Trump unterstützt und stimmte in der Vergangenheit mehrfach im Repräsentantenhaus für die Abschaffung von Obamacare.

4. Der Wahlkampf zeigt, wie polarisiert die USA sind:

In Florida treffen die extremen Pole der Demokraten und der Republikaner aufeinander.

Für DeSantis ist der Demokrat Gillum ein “Sozialist”. Zumindest versucht er ihn, als solchen zu brandmarken.

“Das letzte, was wir brauchen, ist, dies (die Wahl, Anm.) zu verhunzen, indem wir eine sozialistische Agenda mit riesigen Steuererhöhungen und den Bankrott des Staates akzeptieren”, sagte DeSantis nach der Nominierung von Gillum als Gouverneurskandidat dem US-Sender Fox News

Für Gillum wiederum ist DeSantis eine Art Ersatz-Trump. Kann Gillum ihn schlagen, können die Demokraten hoffen, mit einem progressiven Wahlkampf 2020 womöglich das Weiße Haus zurückzuerobern. 

Dass sich die beiden in Florida ein Kopf-an-Kopf-Rennen liefern, zeigt, wie polarisiert die Gesellschaft in den USA ist. 

Mehr zum Thema: Nie hatten die US-Demokraten einen leichteren Gegner als Trump – warum sie trotzdem an ihm scheitern

Florida in den Midterms – auf den Punkt gebracht:

Die Abstimmung in Florida bei den Midterms ist ein Schlüsselmoment für US-Präsident Trump und für das Ringen der Demokraten und der Republikaner. Aus den Ergebnisse werden sich Antworten auf entscheidende Fragen ergeben: 

Genießt Trump hier immer noch die Unterstützung von Wählern puerto-ricanischer Abstammung? Hat ein Trump-artiger Kandidat wie DeSantis er eine Chance gegen einen progressiven Demokraten wie Gillum?

Diese Fragen machen den hitzigen Wahlkampf unter der Sonne Floridas zu einem der spannendsten Momente der Midterms.