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21/06/2018 17:06 CEST | Aktualisiert 21/06/2018 18:10 CEST

Kaum ein Fan kennt den Grund: Deshalb schweigt Mesut Özil während der deutschen Nationalhymne

"Ich finde es schade, wenn ich oder ein Mitspieler dafür verurteilt werde."

  • Mesut Özil hat sich wieder einmal geäußert, warum er die deutsche Nationalhymne vor den Spielen nicht mitsingt.
  • Der Arsenal-Profi bete währenddessen und kann die Kritik an ihm nicht nachvollziehen.
  • Oben im Video: Lothar Matthäus macht eigene Nationalmannschafts-Aufstellung – und demütigt Özil 

Bei den Spielen der deutschen Nationalmannschaft flammt ein Thema immer wieder auf: Müssen deutsche Nationalspieler beim traditionellen Abspielen der Hymne mitsingen – oder nicht?

Während Manuel Neuer, Thomas Müller oder Toni Kroos meistens offensichtlich die Nationalhymne in die vorbeifahrende Kamera singen, schweigt einer konsequent: Mesut Özil.

So war es auch bei der WM-Auftaktniederlage der Deutschen gegen Mexiko: Özil schweigt – und das seit seinem DFB-Debüt im Jahr 2009.

“Während die Hymne gespielt wird, bete ich”

Bei vielen Fans stößt dieses Verhalten auf Unverständnis und man hat das Gefühl, viele Hobby-Nationaltrainer kritisieren ihn überwiegend aufgrund seines Verhaltens, und nicht so sehr wegen seiner spielerischen Leistung.

Doch der 29-Jährige hat seine Gründe, warum er beim Abspielen der deutschen Nationalhymne schweigt – und das hat nichts mit fehlendem Nationalstolz oder gescheiterter Integration zu tun:

“Während die Hymne gespielt wird, bete ich. Und ich bin sicher, dass diese Einkehr mir und damit auch meiner Mannschaft Kraft und Zuversicht gibt, um den Sieg nach Hause zu fahren. Schon als kleiner Junge habe ich vor Spielen auf dem Fußballplatz gebetet. Und so halte ich es bis heute bei.”

Das sagte der Arsenal-Profi im WM-Magazin “Mission Titelverteidigung”, das kurz vor der Weltmeisterschaft in Russland veröffentlicht wurde.

Schon häufiger wurde Özil auf diese Frage angesprochen, 2017 äußerte er sich gegenüber der “Welt am Sonntag” ähnlich.

Im Gespräch mit “Mission Titelverteidigung” äußert er sich auch zu der Kritik an dieser Praxis. 

“Ich finde es schade, wenn ich dafür verurteilt werde”

Mesut Özil wird nicht nur wegen des Nicht-Singens der Nationalhymne kritisiert. Spätestens nach seinem umstrittenen Foto mit dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan prasselt die Kritik nur so auf Özil ein.

Und auch sportlich ist Mesut Özil schon lange nicht mehr unumstritten. Bei der 1:0-Niederlage der Deutschen gegen Mexiko wirkte er wenig kreativ und kam kaum auf die Leistung, die man von ihm gewohnt ist.

Im WM-Magazin “Mission Titelverteidigung” sagt Mesut Özil zumindest auf Kritik seiner Hymnen-Verweigerung:

“Ich finde es schade, wenn ich oder ein Mitspieler dafür verurteilt werde – denn ich bin sicher, dass die Leute gar nicht wissen, warum nicht jeder lauthals mitsingt.” 

Zu seinem Foto mit Erdogan hat sich Özil bislang noch nicht geäußert. DFB-Präsident Reinhard Grindel sagte auf der Pressekonferenz im Vorfeld des ersten WM-Spieles gegen Mexiko, er hoffe Özil würde eine Antwort auf dem Platz geben. 

Davon hat man im Mexiko-Spiel zwar noch nichts gesehen – doch man kann Özil nur wünschen, dass er es schafft, seine Leistung im zweiten WM-Spiel gegen Schweden zu zeigen.

Das würde ihm und auch der ganzen Mannschaft etwas Ruhe schenken. 

(ll)