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22/07/2018 20:07 CEST | Aktualisiert 02/08/2018 08:51 CEST

Mesut Özil erklärt Rücktritt aus der Nationalmannschaft

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Im Video oben seht ihr die erste Stellungnahme des Nationalspielers zur Erdogan-Affäre im Wortlaut.

Fußballer Mesut Özil hat seinen Austritt aus der deutschen Nationalmannschaft erklärt. Die Entscheidung teilte der Mittelfeldspieler in einem dritten Brief über die sozialen Netzwerke mit.

► In der Stellungnahme heißt es: “Schweren Herzens und nach langer Überlegungszeit habe ich mich aufgrund der jüngsten Ereignisse entschieden, nicht länger auf internationalem Level für Deutschland zu spielen, während ich all diese Gefühle von Rassismus und Respektlosigkeit habe.”

Er attackiert auch DFB-Präsident Reinhard Grindel scharf: “Ich werde nicht länger als Sündenbock dienen für seine Inkompetenz und seine Unfähigkeit, seinen Job ordentlich zu erledigen.” Grindel habe ihn nach den Fotos mit dem türkischen Präsidenten aus dem Team werfen wollen, behauptet Özil.

Auslöser des Wirbels um Özil waren Bilder mit dem türkischen Präsident Recep Tayyip Erdogan bei einer Veranstaltung im Mai in London. In der Debatte, die vor und während der Weltmeisterschaft immer schärfer wurde, ging es bald auch um die Integration von Migranten und ihrer Nachkommen und um Fremdenhass.

Während sich Nationalspieler Ilkay Gündogan, der sich ebenfalls mit Erdogan fotografieren ließ, kurz darauf äußerte, hatte Özil über Wochen geschwiegen.

Nach dem erstmaligen Aus der Nationalmannschaft in einer WM-Vorrunde hatten Teammanager Oliver Bierhoff und DFB-Präsident Grindel zuletzt gefordert, Özil solle sich öffentlich erklären. Beiden wurde daraufhin vorgeworfen, sie würden den 29-Jährigen zum Sündenbock für das Scheitern machen.

Was Özil noch schreibt über die Gründe für seinen Rücktritt: 

Özils letzte von drei Stellungnahmen an diesem Sonntag beschäftigt sich vor allem mit Rassismus. “In den Augen von Grindel und seinen Anhängern bin ich ein Deutscher, wenn wir gewinnen, und ein Migrant, wenn wir verlieren”, schreibt er. 

Als Beispiel für rassistische Attacken, denen er ausgesetzt gewesen sei, nannte Özil in seiner Stellungnahme die Beleidigung durch den hessischen Stadtrat Bernd Holzhauer. Der hatte ihn und Kollege Ilkay Gündogan als “Ziegenficker” beschimpft. 

Özil wirft Grindel, aber auch Politikern vor, das Foto mit Erdogan für rassistische Hetze instrumentalisiert zu haben: “Sie sind nicht besser als der deutsche Fan, der mir nach dem Spiel gegen Schweden gesagt hatte: ‘Özil, verpiss Dich Du scheiss Türkensau. Türkenschwein hau ab.’”

Die Episode nach dem Schweden-Spiel hatte für Schlagzeilen gesorgt. Bisher war aber nicht bekannt, was der Fan zu Özil gesagt hatte.