POLITIK
22/08/2018 07:24 CEST | Aktualisiert 22/08/2018 12:19 CEST

Merkels Union fast zerbrochen: Bei "Markus Lanz" packt Kramp-Karrenbauer aus

"Der Bruch war sehr nah."

  • Bei “Markus Lanz” gesteht die CDU-Generalsekretärin, wie knapp die Union im Asyl-Streit am Desaster vorbeischrammte.
  • Eine Koalition mit Linke oder AfD in der Zukunft kann sie nicht kategorisch ausschließen.
  • Im Video oben seht ihr einen Ausschnitt aus der Sendung.

Das Gröbste ist überstanden: CDU und CSU haben sich wieder zusammengerafft – nach wochenlangen Grabenkämpfen innerhalb der Union vor der Sommerpause über die Frage nach Grenzzurückweisungen von Flüchtlingen.

Dass die Parteien von Kanzlerin Angela Merkel (CDU) und Horst Seehofer (CSU) noch vor weniger als zwei Monaten kurz vor dem historischen Bruch standen, scheint fast vergessen. Auch weil Politiker beider Parteien immer wieder betont haben, allen Beteiligten sei es immer nur um eine Einigung gegangen.

In der ZDF-Talkshow “Markus Lanz” machte CDU-Generalsekretärin Annegret Kramp-Karrenbauer am Dienstagabend nun ein erstaunlich ehrliches Geständnis.

Kramp-Karrenbauer sagte, von Lanz gefragt, wie nah die Parteien am Bruch standen: “Sehr nah.” Die Generalsekretärin, eine enge Vertraute Angela Merkels, war nun todernst. 

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Annegret Kramp-Karrenbauer bei "Markus Lanz".

Merkel-Vertraute erklärt bei “Markus Lanz” den Asylstreit

Mehrere Sekunden sagte niemand etwas. Dann nickte die Politikerin noch einmal und deutete fast apologetisch mit den Händen.

“Der kniffligste Moment war aus meiner Sicht die Fraktionssitzung an diesem Dienstag”, erklärte die Saarländerin dann. An “diesem Dienstag” hatten in der Fraktionssitzung der Union auch viele CDU-Politiker ihre Unterstützung für die Pläne Horst Seehofers geäußert und Merkel so überrumpelt.

► Besonders Innenpolitiker der beiden Parteien hätten die Lage am Ende gerettet, betonte die CDU-Politikerin und spielte dabei auch auf CDU-Experte Armin Schuster an, der das Konzept der “Transitzentren” ins Spiel gebracht hatte, das letztendlich zur Einigung der Parteien beitrug.

Auch der ehemalige CSU-Chef Edmund Stoiber habe eine Rolle gespielt. “Dafür bin ich ihm sehr dankbar”, sagte Kramp-Karrenbauer in der ZDF-Sendung.

Journalist Alexander verrät entscheidenden Merkel-Satz

Auch bei Lanz in der Runde saß der Unions-Experte und “Welt”-Journalist Robin Alexander. Er beurteilte die Lage anders. Es sei nicht allein der konstruktive Wille der nach Lösungen fahndenden Unionspolitiker gewesen, die zum Ende des Streits geführt hätten.

Sondern vor allem: ein taktischer Fehler der CSU.

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Robin Alexander (m.) erklärt bei "Markus Lanz" das Zerwürfnis in der Union.

“An diesem besagten Dienstag hatte die Kanzlerin keine Mehrheit mehr für ihre Inhalte”, erklärte Alexander. Die CSU habe sich dann ab Donnerstag darauf eingelassen, dass beide Parteien in getrennten Sitzungen tagen.

Merkel habe hier ihre Leute mobilisieren können. “Und dann hat Merkel gesagt: Wollt ihr euch von der CSU die Kanzlerin kaputtmachen lassen?”

Kramp-Karrenbauer beteuerte zwar, dieser Satz sei nicht so gefallen, ganz entkräften konnte sie Alexanders Narrativ damit aber nicht. “Es ist ja schön, dass sie die taktische Finesse der Kanzlerin anerkennen”, sagte die CDU-Politikerin zu Alexander.

Mit ihrer Bitte nach zwei weiteren Wochen Zeit für europäische Lösungen – da waren sich alle einig – habe Merkel die Stimmung gedreht. “Man kann der Kanzlerin nicht zwei Wochen für europäische Lösungen verweigern”, sei die Meinung vieler gewesen, sagte Alexander.

CDU-Frau schließt Koalition mit Linken und AfD nicht aus

Bald jedoch könnte in der Union die nächste Krise drohen – auch das kam bei “Markus Lanz” zum Vorschein. Denn Schlewsig-Holsteins Ministerpräsident Daniel Günther (CDU) hat eine Koalition mit der Linken in Ostdeutschland ins Gespräch gebracht. Für die CSU und konservative CDU-Leute ein rotes Tuch.

“Wir wollen keine Zusammenarbeit”, sagte Kramp-Karrenbauer mit Blick auf die Landtagswahl in Sachsen im kommenden Jahr. Sie sagte jedoch nicht: “Es wird keine Zusammenarbeit geben.” Auch im Bezug auf die AfD sparte sie eine klare Absage aus.

Sie sagte bei Lanz lediglich: “Ich werde alles dafür tun, dass es nicht zu einer Situation kommt.”

(ll)