POLITIK
22/12/2017 17:03 CET | Aktualisiert 22/12/2017 18:44 CET

Bericht: Merkel brachte Trump eine Karte der Sowjetunion mit - als Warnung

Es sollte eine Warnung vor Wladimir Putin sein.

Jim Bourg / Reuters
Angela Merkel in Washington.
  • Laut einem Medienbericht soll Angela Merkel dem US-Präsidenten in Washington eine Karte der Sowjetunion gezeigt haben
  • Die Botschaft dahinter: Wladimir Putin sei immer noch eine Gefahr für den Westen

Über den Besuch der deutschen Kanzlerin in Washington im März zirkulieren viele Gerüchte. Der US-Präsident Donald Trump soll sich auf der Toilette briefen lassen haben, er soll Angela Merkel eine symbolische Rechnung über 350 Milliarden Euro präsentiert haben – als Forderung für mehr Geld für die Nato.

Nun berichtet das Online-Magazin “Politico” über einen weiteren kuriosen Umstand dieses ersten Staatsbesuchs von Merkel seit Trumps Amtsantritt.

Merkel soll für den Präsidenten ein kleines Geschenk im Gepäck gehabt haben: eine Karte der Sowjetunion von 1982.

► Warum? Um Trump vor der Machtgier des russischen Präsidenten zu warnen.

Trump, der Russland-Freund

Der US-Präsident hat sich im Wahlkampf bekanntlich mehrfach freundlich über Wladimir Putin geäußert.

► Er twitterte im vergangenen Jahr, der Russe sei “sehr schlau”.

► Trump forderte Russland auch dazu auf, die E-Mails seiner Konkurrentin Hillary Clinton zu hacken.

► Und nicht zuletzt verfolgt den US-Präsident der Verdacht, dass Mitarbeiter seines Wahlkampf-Teams sich mit Moskau abgesprochen haben.

Merkel wusste um die russland-freundliche Linie des neuen Chefs im Weißen Haus, als sie nach Washington flog. Sie hatte seine Kritik am Verteidigungsbündnis Nato gehört. Laut Trump sei die Nato “obsolet”.

Russland sei daher eines der wichtigsten Themen bei dem Besuch für Merkel gewesen, berichtet “Politico”. Die Kanzlerin habe Trump vor den Machtansprüchen Putins warnen und von der Notwendigkeit eines westlichen Verteidigungsbündnisses überzeugen wollen.

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Daher habe sie die Karte mitgebracht.

Der Kalte Krieg sei zurück

Die Karte habe die Grenzen der Sowjetunion gezeigt – und mit einer Folie auch die aktuellen Grenzen und Putins Engagement in der Region.

“Aserbaidschan, Armenien, Georgien, Moldawien, Weißrussland und die Ukraine – er (Putin, Anm. d. Red.) ist entweder dabei, die Länder zurück in sein Reich zu holen. Oder, wenn er das nicht kann, sie für den Westen völlig unattraktiv zu machen”, zitiert “Politico” eine Quelle, die mit der Präsentation der Deutschen vertraut sein soll.

Merkel habe auch von der kurzen Aufmerksamkeitsspanne Trumps und seiner Vorliebe für visuelle Hilfen bei seinen Treffen gewusst. Daher sei die Kartei gewählt worden.

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Die Botschaft sei an die neue US-Regierung sei laut “Politico” gewesen: Putin sei zurück – und der Kalten Krieg ebenfalls.

Der US-Präsident will das nicht sehen

Trump aber scheint das nicht aufgenommen zu haben. Bei einem Gipfel in Vietnam sagte der US-Präsident, er glaube Putin, wenn der sage, Russland habe sich nicht in den US-Wahlkampf eingemischt. Obwohl die US-Geheimdienst die Versuche des Kreml, die Wahl zu manipulieren, als erwiesen ansehen.

Bei der Präsentation seiner Sicherheitsstrategie in dieser Woche nannte Trump Russland zwar eine “rivalisierende Macht”. Von der Einflussnahme der Russen sprach er bei seiner halbstündigen Rede aber kein einziges Mal – obwohl das Papier der Sicherheitsstrategie darauf ausführlich eingeht. 

“Es war, als hätte er die Strategie gar nicht gelesen”, sagte Thomas Wright, Direktor des einflussreichen Brookings Instituts, nach der Rede zu “Politico”. Das gleiche scheint für Merkels Karte zu gelten. 

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(jg)