POLITIK
24/04/2018 08:27 CEST | Aktualisiert 24/04/2018 10:06 CEST

Schon vor Merkels Besuch zeigt Trump, was er von der Kanzlerin hält

Auf den Punkt.

Im Video oben: So buhlten Merkel und Trump um die Gunst von Emmanuel Macron

Wenn US-Präsident Donald Trump und sein französischer Amtskollege Emmanuel Macron schon keine Berge versetzen, dann doch zumindest Bäume.

Beim Amtsbesuch des Franzosen in Washington haben die Staatsoberhäupter mir ihren Ehefrauen am Montag eine Eiche vor dem Weißen Haus gepflanzt. Der Baum stammt aus einem Wald im französischen Aisne, einem wichtigen Ort des Ersten Weltkrieges. Das Ritual symbolisierte Partnerschaft.

Wenn Bundeskanzlerin Angela Merkel am Freitag in die USA reist, kann sie von Trump weniger Pathos und Ehrerweisung erwarten. Denn schon vor der Washingtonreise macht das Weiße Haus klar, welche schwierige Position Merkel in den Gesprächen mit Trump hat.

Die Lage in Washington auf den Punkt gebracht.

Merkel bekommt keinen Pomp:

► Während Macron drei Tage als offizieller Staatsgast in Washington weilt – eine Ehre, die unter Trump bisher noch niemandem zuteil wurde – reist Merkel nur für ein eintägiges Arbeitstreffen in die USA.

► Macron besucht mit Trump George Washingtons Herrensitz Mount Vernon, bekommt ein Staatsdinner und hält eine Rede vor beiden Häusern des Kongresses.

► Schon jetzt zeichnet sich ab: Der Franzose ist Trumps Go-To-Guy in Europa.

► Merkel reist vor allem aus politischer Dringlichkeit nach Washington. Und muss sich wohl auf einen kalten Empfang gefasst machen.

Was Merkel will:

Für die Kanzlerin geht es im Gespräch mit Trump um zwei wesentliche Themen.

► 1. Merkel will den Multilateralismus retten, das Bestehen der internationalen Wirtschaftsordnung. Als Exportnation hat Deutschland besonders Angst davor, dass Handelsverträge und Zollfreiheit ihre Gültigkeit verlieren.

Trump hatte zuletzt Strafzölle für Stahl und Aluminium erhoben – bis zum 1. Mai sind sie für die EU noch ausgesetzt. Immer wieder hatte Trump auch weitreichendere Schritte ins Gespräch gebracht.

 ► 2.  Außerdem geht es wohl wieder um die außenpolitischen Brandherde – allen voran Syrien. International haben die USA an Vertrauen eingebüßt, zuletzt unterstützten aber Frankreich und Großbritannien den Militärschlag Washingtons gegen das Assad-Regime.

Von Deutschland erwartet Trump ein größeres militärisches Engagement. Ber­lin hät­te sich am Mi­li­tär­schlag be­tei­li­gen sol­len, schrieb etwa Ri­chard Gren­ell, Trumps Kan­di­dat für den US-Bot­schaf­ter­pos­ten in Ber­lin, bei Twitter.

Das Verhältnis von Trump und Merkel:

Die Beziehung von Merkel zu Trump ist äußerst kompliziert.

► Die US-Nachrichtenseite “Bloomberg” meldete zuletzt, Merkel tue sich derzeit schwer, Gehör bei Trump zu finden.

► “Das Kanzleramt in Berlin hat nun sogar Probleme, einen Kontakt mit dem Weißen Haus herzustellen”, heißt es in dem Bericht, ohne eine konkrete Quelle dafür zu nennen.

► Auch der “Spiegel” berichtet, Merkel habe den Draht zum US-Präsidenten verloren.

► Ein hochrangiger deutscher Beamter scherzte laut dem Bloomberg-Bericht, vielleicht sollte Merkel Golf spielen, um besser an Trump heranzukommen. 

Schon bei Merkels erstem Besuch in Washington im vergangenen März war die Kanzlerin mit Trump aneinander geraten, versuchte laut einem “New York Times”-Bericht verzweifelt, diesen zu belehren.

Die “New York Times” zitierte mehrere Angestellte des Weißen Hauses, die das Treffen als “demütigende” Begegnung für Donald Trump bezeichneten. Die deutsche Delegation sei vom groben Unwissen des US-Präsidenten geradezu alarmiert gewesen.

► Trump habe seinerseits beleidigt reagiert. So hätten Mitarbeiter des Weißen Hauses sich nach dem Telefongespräch im Kanzleramt gemeldet. Ihr Vorwurf: Merkel habe sich herablassend verhalten.

Und Macron?:

Macron ist da anders. Er gilt als außenpolitischer Charmeur.

Die “Welt” analysiert: “Macron hat ein sehr viel besseres Verhältnis zu Trump als Merkel. Er hat es geschafft, Trump zu umgarnen, und sich gleichzeitig die Freiheit bewahrt, immer wieder auch Kritik zu üben.”

So bleibt Merkel wohl vor allem eins: Das Team-Play mit ihrem französischen Kollegen, den sie am vergangenen Donnerstag in Berlin begrüßte. Im Prinzip wollen beide dasselbe: Nur scheint einer die besseren Chancen zu haben, es zu erreichen.

Vielleicht ist die Lösung das klassische “Good Cop, Bad Cop”-Szenario. Macron mit Zuckerbrot, Merkel mit Peitsche.

Auf den Punkt:

Trump macht schon im Vorfeld klar, dass er Merkel keine Geschenke machen will. Wenn es darum geht, die europäische Position in Washington zu stärken, scheint der französische Präsident Emmanuel Macron bessere Karten zu haben.

(mf)